Wenn die Erde bebt

Vulkanismus in Rheinland-Pfalz

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In Italien und zuletzt in Island sind jüngst Vulkane ausgebrochen. Faszinierend. Und erschreckend. Mit der Vulkaneifel haben auch wir ein aktives Vulkangebiet vor der Haustür. Und auch dort messen Fachleute jetzt verstärkt Aktivität.

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Darum bewegt sich der Boden in der Osteifel

Die Gegend rund um Glees gehört zu einer sehr aktiven Region, aus geologischer Sicht betrachtet. Die sogenannten Eifelmaare markieren Orte, wo einst flüssige Lava aus der Erde brach.

Auch unter dem Laacher See schlummert ein Vulkan. Vor 13.000 Jahren löste aufsteigendes Magma eine gewaltige Explosion aus. Gasblasen, die im See aufsteigen, zeigen: Tief unten rumort es noch immer.

Experten wollen nun herausfinden, was sich hier tut. Sie vermuten, dass auch die Bewegungen im Boden am Ortsrand von Gless, ganz in der Nähe des Laacher Sees, sich mit vulkanischer Aktivität begründen lassen könnten.

Prof. Dr. Georg Wieber, Direktor des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau (Foto: SWR)
Prof. Dr. Georg Wieber, der Direktor des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau, will mehr über die Aktivitäten wissen.

"Wir suchen Instrumente, um das vulkanische Geschehen einschätzen zu können. Er [der Vulkan] gilt noch nicht als erloschen, aber wenn sich mehr tut, möchten wir das möglichst schnell auch durch unsere Meßmethoden wissen."

So messen Experten Erdbewegungen

In der Osteifel wird heute mehr gemessen als früher. Mit sogenannten Nivellement-Messungen zum Beispiel lassen sich Höhenunterschiede im Gelände sehr exakt feststellen. Ob sich der Boden am Ortsrand von Glees tatsächlich hebt, wird man so am Ende herausfinden können.

Gemessen wurde der ungewöhnliche Wert übrigens aus dem All. Dort tastet ein Satellit die Erde rund um die Uhr mit Radarwellen ab. In der Eifel registrierte er erstaunliche Zahlen.

Matthias Cieslack vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Matthias Cieslack vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz ist fasziniert.

"Da wurden Hebungsraten von einem Zentimeter pro Jahr genannt. Das sind schon starke Hebungsraten. Allerdings muss man vorsichtig sein, denn das Verfahren, das sie genutzt haben, ist noch relativ jung. Es gibt da viele Effekte, die eine zusätzliche Rolle spielen können." 

Was sich unter der Erde tut, dem spüren die Vermesser auch mit speziellen Antennen nach. Mit GNSS, einem globalen Navigationssatellitensystem, werden Signale von Satelliten empfangen. Dadurch lässt sich die Position eines Standorts exakte vermessen - etwa wie beim GPS im Auto-Navi - nur noch genauer.

Um aufwendige einzelne Messungen von Ingenieuren in Zukunft zu vermeiden, soll über dem Wehrer Kessel künftig eine Multisensor-Messstation aufgebaut werden. Eine von dreien, die demnächst die Osteifel überwachen werden.

Durch die permanente Bündelung vieler Sensoren werden Informationen über das Innere der Erde verfügbar, die sehr viel genauer sind, als die Zusammenführung einzeln ermittelter Ergebnisse.

Gase aus über 30 Kilometern Tiefe

Auch andere Phänomene lassen Rückschlüsse darauf zu, was sich unter dem Laacher See tut. CO2 steigt vom Grund des Sees auf und wird dokumentiert. Auch vulkanische Gase werden von den Experten analysiert. Das Ganze ist Teil eines Überwachungskonzeptes "Vulkanismus", einem Projekt zwischen Forschungseinrichtungen und Landesbehörden in Rheinland-Pfalz:

"Die ersten Ergebnisse liegen jetzt vor und die zeigen uns schon, dass hier ein höherer Anteil an Mantelgasen dabei ist. Mantelgase kommen aus der Tiefe von über 30 Kilometern. Wenn Gase aufsteigen können, dann könnten theoretisch auch Magmen aufsteigen. Da sind Durchlässigkeiten da."

Daten sammeln Forscher nicht nur vom Laacher See, sondern auch aus anderen Regionen. Zwischen Mayen und Adenau, in der Grube Bendisberg, einer ehemaligen Mine, registrieren Seismometer auch feinste Veränderungen in großer Tiefe. Seit 2013 wurden so eine ganze Reihe von sehr tiefen und niederfrequenten Erdbeben gemessen.

Früher konnten nur starke Erdbeben gemessen werden. Jetzt auch leichtere Erdbeben in größerer Tiefe. Man vermutet, dass solche leichten Schwarmbeben auf den Aufstieg von warmen Wasser oder vielleicht auch verdünnter Magma zurückführen sind.

Tief unter der ganzen Region liegt eine riesige Magmakammer, das weiß man schon länger. Jetzt scheint Magma sich also nach oben zu bewegen und dort kleine Kammern zu befüllen.

Das wirkt beunruhigend. Experten geben aber Entwarnung. Illustriert man die Situation mit einer Ampel, stünde die auf Grün. In Island oder in Mittelitalien, wo ganz andere Aktivitäten ablaufen, tut sich sehr viel mehr. Dort gibt es Bewegungen der Erdoberfläche im Meterbereich, in der Eifel von Zentimetern.

Fazit

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