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Immer höhere Datenraten, bessere Auflösungen von Bilddaten, schnelleres Internet – das alles bringt viel Komfort mit sich, aber letzten Ende auch viele Emissionen.

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Die Digitalisierung leistet einerseits einen Beitrag für mehr Energieeffizienz. So helfen zum Beispiel Echtzeitdaten über den Energieverbrauch Einsparpotentiale zu identifizieren. Beispiel Straßenbeleuchtung: Die Beleuchtung geht dann an, wenn sich die Lichtverhältnisse entsprechend ändern oder sie richtet sich nach der Anzahl der anwesenden Menschen.

Auf der anderen Seite wird die Digitalisierung aber auch zunehmend selbst zu einem klimatechnischen Problem.

Deshalb ist die Digitalisierung klimaschädlich

2019 sorgte eine viel beachtete Studie laut des Thinktanks "The Shift Projekt" weltweit für Furore: Demnach käme das Internet – wäre es ein Staat - auf Platz sechs in Sachen Energieverbrauch.

Die gesamte Informations- und Kommunikationstechnik, also auch persönliche Geräte wie Smartphones, PCs und sogar der Smart-Fernseher, ebenso wie Rechenzentren und Verteilertechnik wie Mobilfunknetze – sie sind jetzt schon für zwei Prozent der Co2-Emissionen weltweit verantwortlich.

In der Klimabilanz liegen sie gleichauf mit Flugbenzin. Besonders Streaming ist das neue Fliegen - zumindest was den Co2-Verbrauch angeht.

In der Pandemie hat das Streamen von Konzerten, Filmen und Konferenzen einen Höhenflug bekommen. Der Markt ist um 25 Prozent gewachsen.

Auch durch den Handel von Kryptowährungen steigt der Stromverbrauch in der IT. Laut einer Analyse der Cambridge University vom Februar 2021 steigt nach dem Video-Streaming der Handel mit sogenannten Kryptowährungen zum Topenergieverbraucher auf. Allein mit Bitcoins wird zur Zeit etwa so viel Strom verbraucht, wie Argentinien das ganze Jahr über benötigt.

Googeln und Energiesparlampe

Verantwortlich für den CO2-Ausstoß sind vor allem die Strommengen. Es geht dabei nicht um den Strom, den der Endkunde an seinem PC, Smartphone, Tablet oder Smart-TV zu Hause verbraucht. Es geht um den Strom für die gesamte Infrastruktur der großen Dienste-Anbieter im Netz wie etwa Google, Facebook oder Anbieter von Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon oder Youtube.

Damit eine Google-Suchanfrage beantwortet werden kann, muss der US-amerikanische Tech-Konzern gigantische Rechenzentren am Laufen haben, um die Suchanfrage in Echtzeit beantworten zu können. Diese Rechenzentren laufen mit Strom und verursachen dadurch CO2-Emissionen.

Eine Google-Suchanfrage verbraucht 0,3 Wattstunden. Bei 20 mal googlen, hat man in etwa so viel Energie verbraucht wie eine Energiesparlampe in einer Stunde.

Streaming ist ein Energiejunkie

Googeln ist allerdings nichts im Vergleich zum Streamen.

30 Minuten Video-Streamen setzt in etwa soviel Co2 frei wie eine sechs Kilometer lange Autofahrt. Der Stromanbieter Eon veröffentlichte eine Studie, wonach das Video-Streamen 2018 weltweit so viel Strom verschlungen hat wie Polen, Italien und Deutschland zusammen im selben Jahr.

Das ist auch kein Wunder, denn Bewegtbilder über das Internet zu transportieren ist sehr energieintensiv, es handelt sich dabei um riesige Datenmengen.

Je hochauflösender das Bild, desto mehr Daten werden transportiert. Umso höhere Rechenleistungen müssten die Server aufbringen. Damit steigt auch der Stromverbrauch.

Zudem werden Streaming-Angebote individuell versendet.

Zum Vergleich: Beim klassischen Fernsehen wird ein Signal gesendet über Glasfaserkabel, worauf sich mehrere Haushalte draufschalten können. Beim Streaming wird jeder individuell zu unterschiedlichen Zeiten bedient.

Anbieter wie etwa Netflix betreiben deshalb weltweit Millionen von Rechnern, um solche Serien wie "House of Cards" jederzeit abrufbar zu machen.

In den USA machen Streamingdienste inzwischen mehr als 70 Prozent der Internetnutzung aus, Tendenz steigend.

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Die "Wolke" als Problem

Cloud-Computing wird ebenfalls zunehmend zum Problem. Dabei geht es darum, Daten nicht mehr auf dem eigenen Rechnern zu speichern und zu horten, sondern auszulagern in sogenannten "Clouds".

Das sind ebenfalls Rechenzentren, die quasi angemietet werden, um Speicherkapazität zu erwerben oder um jederzeit und von überall Zugriff auf Daten zu haben.

Zum Beispiel die Foto-Cloud. Das Problem dabei ist: Jedes Mal, wenn ein Foto wieder aufgerufen wird, geht es den Weg über das Internet und wird jedes Mal neu geladen. Auch das geht auf Kosten der Emissionen. Dass die meisten Cloud-Anbieter im Ausland sitzen und man nicht wirklich weiß, was mit den Daten passiert, sei als Randaspekt erwähnt.

Doch genau wegen dieser Daten-Unsicherheit kehren zumindest die Unternehmen zunehmend wieder dahin zurück, dass sie ihre sensiblen Daten wieder lokal bei sich speichern und dafür auch eine eigene Infrastruktur vorhalten – auch wenn das mehr Geld kostet.

Green-Computing ist die Zukunft

Dass die Digitalisierung zu einem echten Klimaproblem geworden ist, ist auch den großen US-Tech-Unternehmen bewusst. Auch weil der hohe Stromverbrauch hohe Kosten verursacht.

Green-Computing ist deshalb der Schlüsselbegriff für viele Unternehmen, die großen US-amerikanischen Digital-Unternehmen haben das Problem erkannt:

Apple produziert jetzt schon eigenen, klimaneutralen Strom aus erneuerbaren Quellen und achtet bei der Produktion von Geräten wie des IPhones auf weniger CO2 und Nachhaltigkeit.
Amazon will bis 2030 komplett CO2-neutral wirtschaften.
Auch Google ist ambitioniert und will bis 2030 komplett auf CO2-freie Energie wechseln. Außen vor sind chinesische Anbieter.

Der User hat es in der Hand

Aber auch der einzelne User sollte sich darüber bewusst sein, was so ein Mausklick anrichten kann.

Christian de Schryver - IT-Experte der Technischen Universität Kaiserslautern (Foto: SWR)
Christian de Schryver ist IT-Experte an der Technischen Universität Kaiserslautern.

"Vielleicht könnte man sich schon überlegen, ob man unterwegs, im Zug, über 5G, mit schlechter Verbindung Videos schauen muss oder ob man sie sich vielleicht vorher übers W-Lan auf das Gerät runterlädt. Muss ich für jeden Begriff, den ich nicht weiß, dreimal dieselben Google-Anfragen stellen oder gibt es andere Möglichkeiten, mein Wissen zu verwalten. Es gibt viele Ansätze, um sensibler und nachhaltiger mit IT umzugehen!"

Christian de Schryver - IT-Experte der Technischen Universität Kaiserslautern

Fazit

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