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Der Pollenflug hat womöglich einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, eine Corona-Infektion zu entwickeln. Hinweise darauf gibt eine neue Studie von der TU München und dem Helmholz-Zentrum.

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Forscher haben in 31 Ländern den Pollenflug gemessen und jeweils mit den Corona-Infektionszahlen verglichen. Mit dem Ergebnis: Wo viele Pollen unterwegs waren, stieg die Zahl der Infektionen mit Covid-19, die Pollen schwächen offenbar die Abwehr.

Dr. Stephan Scheicher, Allergologe in Mainz (Foto: SWR, SWR -)
Dr. Stephan Scheicher, Allergologe aus Mainz SWR -

"Das Immunsystem wird durch die Pollen besonders beschäftigt. Und das stellt dann - nach der neuesten Studie, die herausgekommen ist - die Problematik dar, dass sich die Leute während der Pollensaison eben eher mit Corona infizieren. Das ist teilweise Ausdruck dessen, dass die Schleimhaut natürlich durch die Entzündung empfänglicher ist. Und auf der anderen Seite ist das Immunsystem nicht voll abwehrbereit, weil es ja bereits mit den Pollen kämpft."

Dr. Stephan Scheicher, Allergologe aus Mainz

Wie genau die Zusammenhänge sind, muss noch erforscht werden. Der Effekt der Pollen auf das Immunsystem scheint bei Allergikern größer zu sein. Es gibt ihn laut der Forscher aber auch bei Nicht-Allergikern. Die gute Nachricht: Die AHA-Regeln zu Abstand, Maske und Hygiene helfen auch in der Pollenflugzeit.

"Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen in der Pollensaison beibehalten, denn man kann wirklich sagen, dass diese FFP2-Masken gegen Pollenflug und eben auch gegen Corona schützen"

Dr. Stephan Scheicher, Allergologe aus Mainz

Das passiert beim Heuschnupfen

Das Immunsystem erkennt bei Allergikern die eigentlich ungefährlichen Pollen als Fremdkörper und löst eine Abwehrreaktion aus. Als Folge schwellen die Schleimhäute an. Die schwächsten Symptome sind ähnlich wie bei einer Erkältung - nur ohne Erkältung.

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Heuschnupfen kann auch weitere Allergien wie zum Beispiel gegen bestimmte Nahrungsmittel auslösen. Die größte Gefahr ist jedoch der sogenannte Etagen-Wechsel: Also dass die Heuschnupfen-Beschwerden vom oberen Rachenraum und der Nase in die Lunge wandern, simple Schnupfen-Symptome können so zu chronischem Asthma werden.

Übrigens:

  • Die Heuschnupfensaison beginnt wegen des Klimawandels immer früher im Jahr und dauert auch länger.
  • Bäume und Gräser an viel befahrenen Straßen sind "gefährlicher" für Allergiker.
  • Durch Feinstaub und Rußpartikel werden die Hüllen der Blütenpollen öfter verletzt und die allergenen Stoffe so stärker freigesetzt, als an Orten, wo die Pollen unbeschädigt zu Boden fallen.

So funktioniert die Hyposensibilisierung

Gegen Heuschnupfen kann eine spezifische Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung helfen. Dabei werden die Allergene - also die Substanzen, auf die der jeweilige Patient allergisch reagiert - zunächst wöchentlich gespritzt, bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. Die bekommt der Patient dann monatlich per Spritze meist drei Jahre lang.

Man sollte am besten bereits in den ersten Jahren nach Beginn der Symptome mit der Therapie beim Allergologen anfangen, dann hat diese den größten Effekt unabhängig vom Alter des Patienten. Denn eine Allergie kann jederzeit im Leben auftreten - es gibt auch 60jährige, die zum ersten Mal ihren Heuschnupfen bekommen. Auch für "Spätstarter" ist eine Hyposensibilisierung noch sinnvoll.

Fazit

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