Besonders schützenswerte, seltene Tierarten

Westerwälder Kuhhund & Co.: Diese Nutztierrassen sind vom Aussterben bedroht

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Sie sind meist kleiner als ihre Artgenossen, sehen irgendwie noch natürlicher aus als die durchgestylten Nutztiere heutzutage: Seltene Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind, wie etwa das Glanrind und der Westerwälder Kuhhund.

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Der Kuhhund wurde zur "Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2020" gewählt und bleibt es wegen der Corona-Pandemie auch für das Jahr 2021. Die zweite Gefährdete Nutztierrasse 2020/21 ist das Pustertaler Rind.

Das sind gefährdete Nutztierrassen

Die Liste der seltenen Nutztierrassen ist lang - vor allem Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel finden sich dort wieder. Jede dieser Rassen hat regionale Besonderheiten, ihre Herkunft tragen sie im Namen, wie zum Beispiel die Glanrinder aus der Pfalz oder eben der Westerwälder Kuhhund.

Ihre Dienste werden allerdings in der industriellen Landwirtschaft nicht mehr benötigt. Sie wurden förmlich aussortiert. Dabei sind sie viel robuster gegen Krankheiten, Kälte oder Wärme. Sie haben auch eine längere Lebenserwartung als ihre hochgezüchteten Artgenossen heute.

Ihr Erhalt ist deshalb so wichtig, weil der Genpool der Nutztierrassen immer kleiner wird. Und: Sie sind ein Stück Kulturgut! Das Brillenschaf, die Weiße Gehörnte Heidschnucke, die Schwarzwaldziege – uralte Nutztierrassen, die in Vergessenheit geraten und leider oftmals auch aussterben.

Heutige Nutztierrassen sind hochgezüchtet, erbringen eine bestimmte Leistung und das in einer Menge, die gar nicht mehr ihrer Natur entspricht - wie etwa beim Milchvieh oder den Mastschweinen. Seltene Nutztierrassen wie etwa die Glanrinder haben noch eine Ursprungsform.

Bunter Bentheimer (Foto: SWR)
Das "Bunte Bentheimer Schwein" steht ebenfalls auf der Roten Liste. Ein Grund ist, dass sein Fleisch zu fetthaltig ist und in der heutigen Zeit der Verbraucher Wert auf mageres Fleisch legt.

Wer nicht genug leistet, wird vergessen

Die meisten der alten, seltenen Tierrassen können nicht die Leistung erbringen, die künstlich hochgezüchtete Rassen heute erzeugen. Nutztiere werden gehalten, weil sie dem Menschen "nützlich" sind:

  • Die Glanrinder beispielsweise halfen früher dem Menschen beim Pflügen des Ackers als Arbeitsstiere, sie lieferten Fleisch und Milch. Sie waren ein sogenanntes "Drei-Nutzungs-Rind". Bis die Industrialisierung der Landwirtschaft die Arbeit auf dem Acker durch Traktoren und Maschinen ersetzte.
  • Milch liefert heute fast weltweit die "Holstein-Friesian", eine schwarz-weiß gescheckte Rasse.
  • Vom Aussterben besonders bedroht sind Rinder-, Schweine, Schaf- und Geflügelrassen, wie beispielsweise die Kröllwitzer Pute. Ein imposantes Tier, das aber nicht genug Fleisch ansetzt.
  • Aber auch Pferderassen, die früher in der Forstwirtschaft vor allem zum Holzrücken eingesetzt wurden, sind heute in Gefahr. Gerade im Forstbetrieb haben Maschinen fast vollständig die Arbeit der Nutztiere übernommen.
  • Der Westerwälder Kuhhund half den Kuhhirten mehr als 500 Jahre lang bei der Arbeit. Bis ihn der Elektrozaun sowie die Massentierhaltung in Ställen überflüssig machte.

Der Westerwälder Kuhhund stammt aus dem Westerwald, das Bunte Bentheimer Schwein aus der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen, die Glan-Rinder aus der Pfalz.

Sie sind auch ein Stück regionales Kulturgut, auf das die Menschen einst mit Stolz blickten und das jetzt mehr und mehr von der Bildfläche verschwindet.

So sollen die seltenen Nutztierrassen geschützt werden

Die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" (GEH) setzt sich für ihren Erhalt ein. Dafür hat sie 1995 das "Arche-Projekt" ins Leben gerufen. Ziel ist, diese Rassen in der landwirtschaftlichen Produktion zu erhalten, ihr Leistungspotential und ihre besonderen Eigenschaften zu nutzen.

Der Tiergarten Worms unterhält einen zertifizierten Arche-Park mit sieben seltenen Nutztierrassen. Insgesamt stehen auf der Liste der GEH rund 100 Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind.

Jedes Jahr ernennt die GEH das bedrohte Nutztier des Jahres. 2020/21 gibt gleich zwei von ihnen: das Pustertaler Rind und den Westerwälder Kuhhund. Das Arche-Projekt ist eine Möglichkeit, diese seltenen Rassen zu erhalten.

In der Praxis muss darauf geachtet werden, dass es keine Inzucht unter den Tieren gibt, das würde sie schwächen, sie verlören ihre Robustheit gegen Krankheiten. Diese Robustheit ist eine der großen Vorteile gegenüber den hochgezüchteten Nutztieren. Während eine durchschnittliche Milchkuh heute eine Lebenserwartung von gerade einmal 8 Jahren hat, sind es beim Glanrind 25 Jahre.

Die GEH führt penibel Buch über die bestehenden Rassen und es gibt eine Art Stammbaum-Kartei, wo nachgeschaut werden kann, welche Blutlinie welches Tier hat. Außerdem gibt es im Falle der Rinder Kataloge mit ausgewählten Bullen, die zur Besamung in Frage kommen.

Das Züchten dieser seltenen Nutztierrassen ist oft aufwändig und zeitintensiv, für viele Landwirte zu aufwändig. Es gibt einige wenige Privatpersonen, die zwar nicht als Arche-Park ausgewiesen sind, trotzdem aber zum Erhalt beitragen.

Fazit

Arche für aussterbende Arten Alte Nutztierrassen erhalten

Harald und Erika Strüning züchten alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierarten. Ihr Motto: Artgerechtes Leben und natürliches Fressen.  mehr...

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