Wenn Katzen auf der Straße enden

Darum fordert der Tierschutz eine Kastrationspflicht für Katzen

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Sie haben keinerlei Lobby, sagen Tierschützer. Freilebende Katzen - nicht zu verwechseln mit Wildkatzen. Freilebende Katzen stammen von Hauskatzen ab, sind aus verschiedenen Gründen auf der Straße gelandet.

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"Etwa zwei Millionen Straßenkatzen gibt es in Deutschland, hundertausende sind es in Rheinland-Pfalz."

Tierschutzvereine warnen davor, dass diese Populationen eine Gefahr für alle Hauskatzen und auch viele andere Tiere wie etwa Vögel darstellen. Sie möchten auf ein Problem aufmerksam machen, das tausendfaches Tierleid bei den oft von schweren Krankheiten und Verletzungen bedrohten freilebenden Katzen bedeutet.

Darum leiden die freilebenden Katzen

Die Tiere sind komplett auf sich allein gestellt. Ein Marderbiss oder eine kleine Verletzung kann bei Entzündung das Todesurteil bedeuten. Diese Katzen sind nicht geimpft und haben mit schlimmen Katzenkrankheiten zu kämpfen, dazu zählen Katzenschnupfen, Katzenseuche, Katzen-Aids.

Der "Tierschutzverein Mensch und Tier" in Bingen hat im vergangenen Jahr auch 55 Katzenbabys eingefangen oder aufgenommen. Sie leiden schon früh häufig unter Parasiten und schweren Durchfällen. Ein Problem ist auch der Inzest, der zu Missbildungen führen kann.

So versuchen Tierschützer:innen freilebenden Katzen zu helfen

Vom 17. bis 29. Januar 22 finden die landesweiten Katzen-Kastrationswochen vom Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbundes statt. Katzenhalter bekommen nach vorherigem Antrag einen Zuschuss zu den Kastrationskosten, die teilnehmenden Tierärzte unterstützen die Aktion.

Zudem engagieren sich viele Tierschützerinnen rund ums Jahr um freilebende Straßenkatzen.

Marion Schweikard, Tierschützerin aus Budenheim (Foto: SWR)
Marion Schweikard, Tierschützerin aus Budenheim, kennt die Probleme freilebender Katzen.

Marion Schweikard hat bei Budenheim mehrere Futterstellen eingerichtet und bietet den Tieren etwas Vernünftiges zu fressen an.

Außerdem haben die Katzen dort einen trockenen Unterschlupf, wo sie sich gerade in dieser kalten und nassen Jahreszeit mal ausruhen können.

Mit einer Wildkamera beobachtet sie die Tiere, insbesondere im Winter sind die Stellen tatsächlich überlaufen. Sie versucht, verletzte Tiere einzufangen, um sie vom Tierarzt behandeln und kastrieren zu lassen.

Tiere, die so schwer krank sind, dass sie auf der Straße nicht überleben würden, hat Marion Schweikard bei sich zu Hause aufgenommen, derzeit sind es 19. Sie hat ihren eigenen Verein gegründet, "Hope’s Kleintierhilfe".

Petra Cataldi vom "Tierschutzverein Mensch und Tier" in Bingen. (Foto: SWR)
Petra Cataldi vom "Tierschutzverein Mensch und Tier" in Bingen versucht der Katzenflut zu begegnen.

Petra Cataldi vom Tierschutzverein Mensch und Tier in Bingen hat im vergangenen Jahr 80 Katzen in der Gegend um Bingen eingefangen.

Ab Ende Januar stellt die Tierschützerin an Stellen, an denen ihr freilebende Katzen gemeldet werden oder an denen sie Katzen vermutet, Fallen auf. Ihr Anliegen ist es, diese Katzen kastrieren zu lassen, um die Vermehrung einzudämmen. Nacht für Nacht wartet sie, ob eine Katze in die Falle geht.

Die Tiere bringt sie zu Tierarzt Dr. Benneth Onoh nach Gensingen. Er ist bereit, jederzeit diese Katzen zur Kastration aufzunehmen. Aus einer einzigen Katze kann nämlich innerhalb kürzester Zeit eine ganze Population entstehen.

Katzen können mit einem halben Jahr ihre ersten Jungen bekommen, fünf bis sechs in der Regel. Diese wiederum sind nach sechs Monaten auch wieder bereit, Junge zu zeugen oder zu bekommen.

Tierarzt Dr. Benneth Onoh in Gensingen kümmert sich um freilebende Katzen.  (Foto: SWR)
Tierarzt Dr. Benneth Onoh in Gensingen kümmert sich um freilebende Katzen.

Dr. Onoh versichert, dass nur durch den Einsatz von Privatleuten und Tierschutzvereinen solche Katzenpopulationen einigermaßen kontrolliert werden können, wenngleich dies auch nicht immer gelingt.

Der Tierarzt behandelt die Katzen nach der Kastration noch gegen Würmer und Parasiten und sie werden gekennzeichnet, bekommen ein Tattoo ins Ohr. Am Abend werden die Katzen an der Einfangstelle wieder ausgesetzt. Denn in der Regel lassen sich ältere, freilebende Katzen nicht mehr an den Menschen gewöhnen, so dass sie von Tierschutzvereinen nicht vermittelt werden können.

Das fordert der Tierschutz

Tierschützer können nicht verstehen, dass das Problem von den meisten Kommunen und Städten als solches nicht erkannt wird. Sie vermuten, dass viele Menschen das Problem nicht sehen, da diese Tiere im Verborgenen leben und nur nachts rauskommen.

Nur zehn Städte, Gemeinden und Kommunen haben bislang in Rheinland-Pfalz die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht eingeführt. Die gilt für alle Katzenbesitzer, die ihre Tiere dann kastrieren lassen müssen.

Dagegen ein Statement der Stadt Bingen: "Der Stadt Bingen sind aktuell und in den vergangenen Jahren keine allgemeinen Problematiken mit freilebenden Katzen bekannt geworden. Bestehende Problematiken in Einzelfällen konnten einer Lösung zugeführt werden."

Auch die Stadt Mainz sieht derzeit keine Notwendigkeit, eine Kastrationspflicht einzuführen. Dies sei unverhältnismäßig, so die Begründung.

Darum landen Katzen auf der Straße

Viele freilebende Katzen haben mal als Hauskatzen gelebt mit einem zuhause und regelmäßiger Fütterung. Dann wurden sie beispielsweise zurückgelassen oder auch einfach ausgesetzt.

Wenn Katzenbesitzer ihre unkastrierten Kater rauslassen, kann dieser Katzen von der Straße decken und so entstehen weitere Katzen. Anders als in südeuropäischen Ländern leben freilebende Katzen bei uns im Verborgenen. Sie sind äußerst menschenscheu, man bekommt sie kaum zu Gesicht.

Tagsüber verstecken sie sich am Rande von Ortschaften im Gestrüpp, in Unterschlüpfen von verlassenen Gärten. Sobald es Nacht wird, gehen sie auf Futtersuche. Sie ernähren sich von Mäusen, von Vögeln oder sie durchwühlen Mülleimer.

Fazit

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