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In Palliativ- und Hospizeinrichtungen werden Patienten betreut, die an einer schweren, unheilbaren Krankheit leiden. Sie haben besondere Bedürfnisse und Beschwerden, auf die Ärzte und Pflegepersonal gesondert eingehen müssen. Deshalb sind solche Einrichtungen speziell ausgestattet.

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Jedes Jahr am zweiten Samstag im Oktober findet der Welthospiztag statt. An diesem Tag soll weltweit erinnert werden an die Bedürfnisse und Belange todkranker Patienten. Aber auch an die Belange der Palliativstationen, der Hospize, der Pflegekräfte, die Todkranke zuhause pflegen, und an die der vielen Ehrenamtlichen, die sich in der Palliativ- und Hospizarbeit engagieren.

Das ist Palliativmedizin

Der Begriff "Palliativ" leitet sich aus dem lateinerischen Wort "pallium" ab, das so viel bedeutet wie mit "einem Mantel umhüllen" im Sinne von "Geborgenheit geben". Unheilbar kranke Menschen werden in der Palliativmedizin auf ihrem letzten Weg ganzheitlich umsorgt, betreut und begleitet.

Dafür stehen ambulante Einrichtungen oder aber sogenannten Palliativstationen zur Verfügung. Hier arbeiten neben Ärzten, Pflegekräften auch Psychologen und Seelsorger, oft auch Therapeuten. Schwerkranke Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, werden in der Regel auf eine Palliativstation gebracht.

Unheilbar kranke Menschen werden in der Palliativmedizin ganzheitlich versorgt (Foto: SWR)
Unheilbar kranke Menschen werden in der Palliativmedizin ganzheitlich versorgt

Palliativstationen sind besondere Stationen innerhalb des Klinikbetriebs. Auf ihnen geht es ruhiger zu. Es steht im besten Fall mehr Personal zur Verfügung. Die Ärzte und Pflegekräfte können sich in der Regel mehr Zeit für die einzelnen Patienten nehmen. Körper, Geist und Seele werden in der Palliativmedizin als Einheit gesehen und als solche behandelt. 

So kann Patienten auf einer Palliativstation geholfen werden

Luftnot, Ernährungsprobleme, Schmerzen: Die Palliativmedizin versucht, Beschwerden zu lindern, die nicht (mehr) zu beseitigen sind. Doch auch psychische Probleme, Ängste, Unklarheiten und Sorgen im Freundes- und Familienkreis werden in der Behandlung mitgedacht, besprochen und ein Team aus Ärzten, Psychologen und Therapeuten versucht, den Patienten auch dahingehend bestmöglich zu unterstützen.

Das Hauptanliegen der Palliativmedizin

Es geht darum, die Lebensqualität eines jeden Patienten zu erhalten oder auch wiederzuerlangen. Was Lebensqualität für jemanden bedeutet, ist von Mensch zu Mensch individuell verschieden. Das herauszufinden, darum geht es auch. Für den einen kann mehr Lebensqualität bedeuten, weniger Schmerzen zu haben. Die Schmerztherapie ist daher wichtiger Pfeiler der Palliativmedizin.

Mancher möchte noch einmal nach Hause gehen, Alltag erleben. Hierfür muss er medizinisch stabilisiert, medikamentös eingestellt werden. Ein anderer Patient möchte in dieser schwierigen Zeit so wenig wie möglich von seiner Umgebung mitbekommen. Auch hier können Medikamente helfen. Alles individuelle Wünsche, auf die Palliativmediziner, Pflegekräfte oder Therapeuten eingehen.

Vor 25 Jahren wurde die erste Palliativstation in Rheinland-Pfalz eingeweiht: Im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied, damals ein Pilotprojekt des Landes.

Monika Mordziol leitet die Pflege auf der Palliativ-Station Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied (Foto: SWR)
Monika Mordziol leitet die Pflege auf der Palliativ-Station Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied

Ihre Pflegeleiterin Monika Mordziol legt bei der Pflege neben dem Körper auch Wert auf Seele und Geist. Die Patienten sollen beschützt werden und auch die Angst soll ihnen genommen werden.

"Wichtig ist mir in der Pflege, dass ich nicht nur den Körper versorge, sondern Körper, Geist und Seele; den ganzen Menschen mit seinen Angehörigen, mit all seinen Belangen, seinen Ängsten."

Monika Mordziol, Pflegeleitung, Marienhaus Klinikum St. Elisabeth.

Um das leisten zu können, gibt es auf der Station mehr Pflegepersonal und auch die Ärzte können sich hier mehr Zeit nehmen als auf anderen Stationen. Die Ärzte gehen nicht nur auf medizinische Fragen ein, sondern auch auf soziale Fragen, auf Familien und Nahestehende und selbstverständlich gehen sie auch den Weg der Krankheitsverarbeitung mit. Es gibt Psychologen, Sozialarbeiter, Musikpädagogen oder Kunst-Therapeutinen, mit denen können die Patienten künstlerisch arbeiten oder einfach nur meditieren.

Diese palliativmedizinische Einrichtungen gibt es außerdem

Schwerkranke Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden müssen, können in einem stationären Hospiz aufgenommen werden. Ein Hospiz ist eine eigenständige, vom Klinikalltag unabhängige Einrichtung mit begrenzter Bettenzahl. Hier werden Patienten seelsorgerisch begleitet, versorgt und palliativ-medizinisch betreut.

Ambulante Hospize und Palliativnetzwerke stellen die ambulante Versorgung der Patienten sicher. Das Klinikum St. Elisabeth arbeitet eng mit dem "Palliativnetzwerk im Landkreis Neuwied" zusammen. Außer dem Ambulanten Hospiz nehmen am Palliativnetzwerk 50 verschiedene Einrichtungen teil, vom der niedergelassenen Arztpraxis bis hin zu Pflegeheimen.

Neben Palliativstationen gibt es ambulante und stationäre Hospize sowie Palliativnetzwerke. In solchen Netzwerken arbeiten Pflegeheime, Kliniken, niedergelassene Ärzte, ambulante Pflegekräfte oder Ehrenamtliche eng zusammen und stellen so die bestmögliche Betreuung für die Patienten zuhause sicher. Zudem kann man sich beim Hospiz- und Palliativ-Verband erkundigen oder bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Pflegerische Hilfe leistet SAPV – die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Seit vorigem Jahr gibt es ein Gesetz, das die Honorierung von palliativ-medizinischen Leistungen wesentlich verbessert hat. Das Meiste zahlen die Kassen. Ob ambulantes Hospiz oder Palliativstation, für die Versicherten entstehen - wenn überhaupt - nur geringe Kosten.

Fazit

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