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Unternehmen unterschiedlicher Branchen beklagen Nachwuchsmangel. Allen voran das Handwerk. Aber auch in den sozialen Berufen, in der Hotel- und Gastronomiebranche bleiben Stellen und Ausbildungsplätze unbesetzt. Doch es gibt Ideen und Maßnahmen dagegen.

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Zu wenig Auszubildende auch in Rheinland-Pfalz

  • Nachwuchsmangel herrscht in Rheinland-Pfalz im Schnitt genauso, wie in den meisten anderen Bundesländern.
  • Von hundert Beschäftigten mit Berufsausbildung sind statistisch gesehen sieben Mitarbeiter in Ausbildung.
  • In Bayern und Baden-Württemberg sind es etwa zehn Azubis pro hundert Beschäftigte.
  • In den "neuen" Bundesländern haben Betriebe nur etwa fünf Auszubildende pro hundert Beschäftigte. Auch der Fachkräftemangel ist dort auffallend groß.

Besonders fehlen Mitarbeiter in sozialen Berufen, wie in der Kranken- und Altenpflege. Auch in Kindertagesstätten würde man noch fünftausend Fachkräfte mehr brauchen für eine kindgerechte Betreuung, so die Aussage einer Studie der Bertelsmann Stiftung.

Auszubildende fehlen vor allem auf dem Land

In den Ballungsräumen ziehen vor allem Hochschulen und große, prominente Firmen viele junge Leute an. Doch in den weitgehend ländlichen Regionen tun sich viele Betriebe schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Anja Obermann von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern (Foto: SWR)
Anja Obermann von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern sieht die Probleme vor allem in mangelhaften Verkehrsanbindungen:

"Insbesondere im Handwerk muss man morgens früh anfangen; die Berufsschulen sind häufig sehr weit entfernt. Es gilt, lange Strecken zu überwinden. Oft gibt es Probleme, dass der Betrieb mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist."

Anja Obermann, Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern

Betriebe müssen Auszubildenden Anreize bieten

Ein Auto, ein Handy oder ein Abholdienst: Viele Betriebe legen sich ordentlich ins Zeug, Nachwuchs zu gewinnen.

Azubi Car (Foto: SWR)
Manche Betriebe werben sogar mit einem "Azubi Car" - als Anreiz, aber auch damit der Azubi besser zu seiner Ausbildungsstätte kommen kann.

Solche Maßnahmen sind aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern gut, jedoch:

"Das Wichtigste, was Unternehmen tun können, ist in die Qualität ihrer Ausbildung zu investieren und das natürlich auch zu kommunizieren. Nur wer eine gute Ausbildungsqualität anbietet, kann versuchen, dass sich das rumspricht und wieder andere Auszubildende anzieht."

Anja Obermann, Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern

Eine Umfrage der Krankenkasse IKK Südwest zeigt, dass die Corona-Pandemie auch die Situation für Ausbildungs- und Arbeitsplatzbewerber belastet hat: 72 Prozent der Befragten glauben, dass die Beschränkungen ihre Suche nach einem geeigneten Job erschwerten. Viele Jugendliche sind verunsichert.

Die Handwerkskammer startet daher gemeinsam mit der IHK und der Agentur für Arbeit eine Beratungsoffensive für angehende Azubis und deren Eltern, zum Beispiel in Mainz und Worms.

Die Werbung neuer Auszubildenden ist das eine. Wichtig ist aber auch, sich um die zu kümmern, die schon eine Ausbildung machen, damit man auch Fachkräfte im Unternehmen hält. Darüber hinaus empfehlen die Kammern auch, in imagebildende Maßnahmen zu investieren und ins Marketing.

Ausbildungs-Vorurteile: Tischler top, Metzger Flop

Kreative Handwerksberufe, wie Tischler, haben immer noch eine hohe Anziehungskraft. Auch die Ausbildung zum Konditor wurde in den letzten Jahren immer beliebter.

Doch das sind Ausnahmen: Vor allem Nahrungsmittelgewerke, wie Bäcker, Fleischer, Bäckereifachangestellte oder Fleischereifachangestellte, haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Ebenso die Bauberufe, auch sie suchen händeringend Azubis.

Fazit

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