Online-Handel boomt - Retouren boomen mit

Wie der Online-Handel mit Retouren umgeht

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Der Online-Handel boomt wie nie zuvor. Doch jedes dritte Paket im Online-Handel wird wieder zurück geschickt, schätzen Fachleute. Diese Retouren stellen den Handel vor große Probleme.

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Forscher der Universität Bamberg fanden heraus, dass im Jahre 2018 rund 280 Millionen Pakete auf Retour-Reise gingen. Der daraus resultierende Co2-Verbrauch beläuft sich demnach auf 238.000 Tonnen, das wäre so, als wenn man täglich 2.200mal von Hamburg nach Moskau mit dem Auto fahren würde.

Dies sind die häufigsten Gründe für Retouren

Die Gründe dafür sind vielfältig: entweder ist der Artikel anders als dargestellt oder funktioniert nicht, das Material entspricht nicht dem Preis oder einfach nur, weil man mal gucken oder auch verschiedene Größen anprobieren wollte. Besonders stark ist daher die Retourenquote bei Schuhen und Kleidung. Zumal hier die Retour-Kosten meist vom Verkäufer übernommen werden. Aber auch größere Elektroartikel wie etwa Waschmaschinen gehen schon mal zurück. Dafür verlangen die Online-Händler inzwischen zunehmend die Kostenübernahme für die Retoure durch den Kunden.

Das passiert mit der Retourware

Sobald die Verpackung geöffnet, die Schuhe getragen und die Kleider schon mal anprobiert wurden, ist die Ware kaum noch als A-Ware wieder zu verkaufen.Bei großen Mode-Versandhändlern wie etwa Zalando kommt über die Hälfte der Ware wieder zurück. Vieles davon landet in einem der Outlet-Center, zum reduzierten Preis.

Blick in eine Lagerhalle mit Versandware (Foto: SWR)
Internet, Versand und Handel bewegen riesige Mengen Bestellungen und Güter. Ein guter Teil wird als Retourware zurück geschickt

In den vergangenen Jahren haben sich aber auch Firmen auf Retourware spezialisiert, sogenannte Retouren-Aufkäufer oder Restposten-Händler. Sie kaufen den Online-Versandhändlern kiloweise die Ware ab, sortieren sie in A, B und C-Ware und bringen sie dann wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf. Einige dieser Waren landen dann im Ausland. Solche Aufkäufer gibt es auch für größere Waren wie Elektrogroßgeräte oder Möbel. Sie schaffen dem eigentlichen Online-Handel ein großes Problem aus dem Weg. Denn die haben meist nicht die Lagerkapazitäten für Rückläufe, sagt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Das sei der größte Kostenpunkt in der Logistikbranche. Durch den Weiterverkauf eines Großteils der Retour-Ware sparen sich die Online-Händler viel Geld. Außerdem gelangen so immerhin rund 70 Prozent aller Retourartikel wieder in den Handel. Und trotzdem: ein Teil der Retour-Ware wird auch vernichtet.

Gegenstände in einem Online-Versandlager (Foto: SWR)
Retournierte Ware landet auf dem Schnäppchenmarkt - bestenfalls. Manche Retoure wird umgehend vernichtet.

Darum wird Retourware vernichtet

Für manche Gebrauchsgegenstände wie etwa Hygieneartikel, also zum Beispiel Matratzen oder Zahnbürsten, sind die Auflagen für den Wiederverkauf so hoch, dass diese meist vernichtet werden. Experten schätzen, dass dies für rund drei bis vier Prozent aller Retour-Waren zutrifft. Das klingt erst einmal nicht viel. In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt es aber: Von den 280 Millionen zurückgeschickten Paketen werden 11 Millionen vernichtet. Der Aufschrei war groß, als herauskam, dass der Online-Gigant Amazon Neuware wie Kühlschränke, Computer, Tablets und Handys palettenweise in den Schredder schob.

Für einige Online-Händler scheint es finanziell günstiger zu sein, Retour-Ware zu vernichten als sie zu lagern, neu aufzubereiten und wieder zu verkaufen. Amazon erklärt, seine Praxis inzwischen geändert und ein System eingeführt zu haben, in dem Waren klassifiziert und wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden.

Das tut der Gesetzgeber

Das Entsetzen über die angebliche "Vernichtungsorgie" bei Amazon war so groß, dass der Gesetzgeber sich gezwungen sah, zu handeln. Eine Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die für Juli 2020 vorgesehen ist, soll es Händlern fast unmöglich machen, Retourware zu vernichten.

Außerdem sollen Online-Händler künftig dabei helfen festzustellen, was denn nun alles retourniert wird. Denn, so Verbraucherexperten, bislang gäbe es keine belastbare Datenlage zu Retoursendungen und ihrem Schicksal. Das könnte sich also demnächst ändern.

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