Gefahr durch tropische Einwanderer und warme Winter

Vor diesen Zeckenarten sollten wir uns in Acht nehmen

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Durch Klimaerwärmung und kürzere Winter sind unsere heimischen Zecken mittlerweile in vielen Regionen fast das ganze Jahr über aktiv.

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Bei diesen Temperaturen fühlen sich Zecken besonders wohl

Ist es kälter als sieben Grad zieht sich der gemeine Holzbock in das Laub am Waldboden zurück. Liegen die Temperaturen drei Tage über sieben Grad, wird er aktiv, krabbelt an Gräsern hoch und wartet dort auf potentielle Wirte.

Am aktivsten sind die Zecken im April und im Mai, wobei die relative Luftfeuchtigkeit eine große Rolle spielt. Der gemeine Holzbock kann nämlich sehr schnell austrocknen. Deshalb nimmt im Hochsommer die Zeckenaktivität deutlich ab. Denn ist es zu trocken, wandern sie wieder Richtung Laubstreu. Von September bis November sitzen wieder mehr Zecken an Gräsern und Büschen.

Durch die warmen Winter gibt es mittlerweile immer öfter auch im Winter Zecken, die aus dem Laub krabbeln.

Wie die eingewanderte Hyalomma-Zecke auf Jagd geht

Durch die Klimaerwärmung fühlen sich immer mehr Zecken aus dem Mittelmeerraum und aus Afrika bei uns wohl. So auch die afrikanische Hyalomma-Zecke, die durch Zugvögel eingeschleppt wird. Um sich hier entwickeln zu können, braucht sie hohe und trockene Sommer. 2018 und 2019 hatte die Hyalomma-Zecke ideale Bedingungen. Obwohl die Zecke Rinder und Pferde bevorzugt, kann sie auch für den Menschen zur Gefahr werden.

Zecken im Größenvergleich: Gemeiner Holzbock (links) und Hyalomma marginatum (rechts) (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa )
Im Größenvergleich ist die heimische Zecke "Gemeiner Holzbock" (links) kleiner als die Hyalomma marginatum (rechts). Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa

Anders als unsere heimische Zeckenart, die auf Wirte wartet, wird ihre tropische Verwandte selbst aktiv. Denn die Hyalomma-Zecke ist keine Lauer- sondern eine Jagdzecke. Sie kann ihre Opfer aus einer Entfernung von bis zu zehn Metern erspähen und läuft dann aktiv auf sie zu oder hinter ihnen her. Die Hyalomma-Zecke macht gezielt Jagd. Bis zu 100 Meter weit vermag sie ihre Opfer zu verfolgen.

Diese Krankheiten übertragen heimische und eingewanderte Zecken

Auch die Hyalomma-Zecke kann Krankheiten übertragen. Es gibt im Wesentlichen zwei Erkrankungen, die für den Menschen gefährlich werden können. Die eine, zum Glück sehr seltene, ist das Krim-Kongo-Fieber. Eine Viruserkrankung wie Ebola, die zum Tod führen kann. Die zweite Erkrankung ist das weniger gefährliche durch Rickettsia-Bakterien ausgelöste Fleckfieber. Ein erster Fall wurde im August 2019 in Deutschland bekannt. Merkmale sind Hautausschlag, Schorfstellen und Fieber. Die Krankheit kann gut mit Antibiotika behandelt werden.

Zum Glück ist die durch Zugvögel eingeschleppte Hyalomma-Zecke immer noch recht selten und die Gefahr, von einer heimischen Zecke mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose infiziert zu werden, ist weitaus größer. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. In den ausgewiesenen Risikogebieten ist Vorsicht geboten. Weitaus größer ist die Gefahr, sich bei einem Zeckenstich mit Borreliose anzustecken; die kann man allerdings in den meisten Fällen gut erkennen.

So erkennen Sie eine Borreliose-Erkrankung

Borreliose, Zecken (Foto: SWR)
Borreliose manifestiert sich bei der Mehrzahl der Patienten durch die sogenannte Wanderröte auf der Haut.

Bei einer Borreliose bildet sich um den Zeckenstich eine kreisrunde, scharf abgegrenzte Rötung, die sich ringförmig ausbreitet. Die Borreliose kann sehr gut mit Antibiotika behandelt werden. Ein geringer Teil der Patienten bekommt eine Neuroborreliose, bei der Borrelien in das zentrale Nervensystem übertreten. Dabei können Hirnnerven mit befallen werden und es kann zu Lähmungen im Gesicht kommen. Die Neuroborreliose kann intravenös mit Antibiotika behandelt werden.

Wie Sie sich ganz einfach vor Zecken schützen können

Die Zecken sind im April und Mai sehr aktiv und man sollte sich in Acht nehmen.

Mann auf Bank im Grünen (Foto: SWR)
Während der kurzen Ruhepause auf der Bank können Zecken sich perfekt einen neuen Wirt suchen, hier kann auch die richtige Kleidung ein Schutz sein.

Ein T-Shirt mit langem Arm und gut bedeckte Beine sowie die Anwendung eines Anti-Zeckenmittels – so ist man optimal im Wald geschützt, wo die meisten Zecken lauern.

Wird man doch einmal von einer Zecke erwischt, kann man sie entfernen - aber mit Geduld und Vorsicht!

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