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Asthma ist eine chronische entzündliche Lungenkrankheit, die weit verbreitet ist. Etwa fünf Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder leiden an Asthma Bronchiale.

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In Deutschland gibt es mehr als fünf Millionen Menschen, die Asthma haben. In Rheinland-Pfalz sind etwa 200.000 Menschen von der Atemwegskrankheit betroffen.

Der Welt-Asthma-Tag am ersten Dienstag im Mai wurde ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit über Asthma zu informieren. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Asthma in Zeiten der Corona-Pandemie. Denn bei einer Lungenkrankheit denkt man in diesen Zeiten zwangsläufig an den Corona-Virus, schließlich ist COVID-19 eine Erkrankung, die auf die Atemwege und die Lunge schlägt.

Viele Asthmatiker stellen sich in diesen Tagen daher die Frage, ob sie durch den Corona-Virus besonders gefährdet sind. Was die Unsicherheit verstärkt: Es gibt Meldungen, die behaupten, dass cortisonhaltige Asthmasprays eine Infektion sogar begünstigen.

Das sollten Asthmatiker über Covid-19 wissen

Professor Roland Buhl ist Lungen- und Asthmaexperte der Universitätsmedizin Mainz. Der Lungenarzt hat jeden Tag mit vielen Asthmatikern zu tun. Und derzeit mit vielen Fragen per Mail und Telefon.

Professor Buhl von der Universitätsmedizin Mainz. (Foto: SWR)
Professor Buhl von der Universitätsmedizin Mainz forscht zu Asthma und Lungenerkrankungen.

Er erlebt eine große Verunsicherung bei seinen Patienten. Sie sind aufgrund ihrer Ängste oft schwer zu beruhigen. Um das Risiko von Covid-19 für Asthmatiker abzuschätzen, hat er sich mit Kollegen aus der ganzen Welt ausgetauscht.

"Wir haben bisher keine Hinweise darauf, dass dieses Corona-Virus Patienten mit Asthma häufiger ansteckt, als Menschen ohne Asthma. Wir haben keine Hinweise darauf, dass Patienten mit Asthma, wenn sie sich anstecken, einen schwereren Verlauf haben. Und dass dieser bei Asthma-Patienten anders verläuft, als bei Menschen ohne Asthma."

Professor Roland Buhl, Lungen- und Asthmaexperte, Universitätsmedizin Mainz

Demnach ist für Asthmatiker das Corona-Virus also nicht unbedingt gefährlicher, als für gesunde Menschen. Doch schon Asthma allein wirkt sich auf unterschiedliche Patienten unterschiedlich aus.

Diese Asthmatiker gehören zur Risikogruppe

Beim Asthma unterscheidet man zwischen einer allergischen Form und einer nicht-allergischen Form der Erkrankung.

  • Allergisches Asthma wird durch äußere Reize ausgelöst. So können beispielsweise Pollen, Tierhaare oder Hausstaub Atembeschwerden oder Atemnot auslösen. Diese Patienten nehmen Medikamente, wenn sie diesen Reizen ausgesetzt sind.
  • Das Asthma der Patienten mit nicht-allergischem oder chronischem Asthma wird nicht durch besondere Reize ausgelöst. Diese Patienten müssen in der Regel jeden Tag Asthmasprays nehmen.

Wie stark die Symptome ausfallen, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Lungenärzte sagen: Besonders gefährlich ist das Covid-19-Virus nur für einen ganz kleinen Teil der Asthmatiker. Professor Buhl spricht hierbei von "schweren Asthmatikern" - Patienten, die in der Regel von Spezialisten betreut werden.

"Patienten mit schwerem Asthma sind in ihrem Leben wirklich deutlich eingeschränkt. (...) Sie müssen sehr viele Medikamente gleichzeitig nehmen. Bei denen ist Vorsicht geboten, aber das ist eine ganz kleine Gruppe."

Professor Roland Buhl, Lungen- und Asthmaexperte, Universitätsmedizin Mainz

Deshalb soll Asthmaspray in der Corona-Pandemie angewendet werden

Um die Symptome des Asthmas in den Griff zu bekommen, nehmen Asthmatiker cortisonhaltige Sprays. Meldungen darüber, dass dieses Cortison eine Corona-Infektion begünstige, hat viele Asthmatiker irritiert.

Asthma-Patientin inhaliert Astmaspray. (Foto: SWR)
Falsch interpretierte Aussagen zur Anwendung von Cortison beunruhigten Asthma-Patienten.
  • Cortison als Tablette verabreicht kann wohl die Immunabwehr des Körpers verringern.
  • Cortison zum Einatmen, also das was Asthmatiker brauchen, ist in dieser Hinsicht völlig harmlos, weil mit winzigen Dosierungen nur die innere Oberfläche der Lunge behandelt wird.

Bei Asthmapatienten sind diese inneren Oberflächen der Bronchien häufig entzündet. Das Cortison in den Asthmasprays wirkt entzündungshemmend und ist deshalb besonders wichtig für die Gesundheit der Lunge von Asthmatikern. Es heilt die innere Oberfläche der Haut. Und eine gesunde Lungenoberfläche ist weniger empfindlich für äußere Reize, wie etwa auch für Virus-Infektionen.

Was sich Asthma-Kranke merken sollten

  • Obwohl Asthma eine Lungenkrankheit ist, sind die allermeisten Asthmatiker nicht besonders durch Covid-19 gefährdet.
  • Während man zunächst befürchtet hatte, dass die Betroffenen durch das Coronavirus stärker gefährdet sein könnten, gibt es nun Hinweise, dass ein gut eingestellter Asthma-Patient sogar besser gegen eine Erkrankung gerüstet sein könnte.
  • Wer mit Medikamenten die Krankheit gut im Griff hat, gehört nicht zur Corona-Risikogruppe.
  • Zur Risikogruppe gehört nur der kleine Teil derjenigen, die von schwerem Asthma betroffen sind. Diese sollten sich verstärkt isolieren und an die Anweisungen ihres Lungenarztes halten.
  • Entgegen missverständlicher Meldungen begünstigen cortisonhaltige Asthmasprays keine Covid-19-Infektion.

Fazit

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