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Am 16.03.1970 erblickte Trimmy das Licht der Welt. Eine Zeichen-Figur, die bald omnipräsent war, auf Plakaten, im Fernsehen oder im Radio.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Maskottchen Trimmy war eine Zeichentrickfigur, die mit animierten Werbe-Clips ganz Westdeutschland auf Trab hielt. Denn Trimmy hatte eine Aufgabe: Die Westdeutschen sollten gesünder werden mit der Trimm-Dich-Kampagne des Deutschen Sportbundes, zusammen mit den Krankenkassen.

Darum gab es die Trimm-dich-Kampagne

In den 1960er Jahren stiegen die Kosten im Gesundheitswesen dramatisch an. Die Krankenkassen schlugen Alarm. 1969 meldeten sie 250.000 Herzinfarkte pro Jahr. Ein Drittel der Männer und 40 Prozent der Frauen waren übergewichtig. Nach den Hungerjahren im Nachkriegsdeutschland folgten die Fress-Jahre in den Wirtschaftswunderjahren. Die Westdeutschen ließen es sich gut gehen, den Sonntagsbraten gab es nun jeden Tag. Das Thema Sport erledigte sich für die meisten Menschen mit dem Ende der Schulzeit. Die Trimm-Dich-Kampagne sollte das ändern und den Westdeutschen Beine machen!

So sah die Trimm-dich-Kampagne aus

Die Idee stammt aus Finnland. Trimmy war das Maskottchen der Kampagne. Es wurden großflächig sogenannte "Trimm-dich-Pfade" in Wäldern angelegt - eine Art Parcours mit diversen Gerätschaften aus Holz, um Bauch, Beine und Po zu trainieren. In Rheinland-Pfalz war das "Trimmmobil" unterwegs: ein Transporter beladen mit Fitnessgeräten wie einem Ergometer, der auf Marktplätzen Halt machte und die Menschen zum Mitmachen animierte.

Sportwissenschaftler wie der Mainzer Professor Perikles Simon sagen, dass die Kampagne die Menschen auf jeden Fall erreichte und Trimmy als Maskottchen auch sehr gut funktionierte. In den 1970er Jahren stieg die Zahl der Sportvereine stetig an. Allerdings gibt es keine Studien, die einen Zusammenhang zu der Kampagne herstellen.

Sportwissenschaftler Perikles Simon (Foto: SWR)
Sportwissenschaftler Perikles Simon

Diese Kritik gab es an der Trimm-dich-Kampagne

Kritiker wie der Mainzer Sportwissenschaftler Perikles Simon werfen den Initiatoren der Kampagne von damals vor, nie untersucht zu haben, wie die Angebote von der Bevölkerung genutzt wurden. Es gab keine wissenschaftliche Begleitstudien, ob beispielsweise die Zahl der Herzinfarkte mit der Kampagne abnahm. Ein großes Problem vor allem in den Anfangsjahren waren auch die vielen Verletzungen auf den Trimm-Dich-Pfaden, weil auch Untrainierte einfach drauf los trimmten.

Dazu kam, dass Kommunen und Vereine die Investitionen einmal tätigten, aber die Gerätschaften entlang der Pfade nie richtig warteten. So haben viele der 1.500 Pfade, die man heute noch sehen kann, die Zeit nicht gut überstanden.

2008 startete die Nachfolgeorganisation des Deutschen Sportbundes, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), noch einmal einen Versuch und errichtete elf neue Parcours. Trimmy ist immer noch das Maskotchen des DOSB. Heute errichten meist die Kommunen sogenannte "Outdoor"-Sportparks.

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