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Die Corona-Lockerungen und Aufhebungen der Reisewarnungen in viele Länder machen es möglich, sich nun doch auf die kommende Urlaubszeit zu freuen und Reisen zu planen. Dieses Jahr werden mehr Menschen statt mit dem Flieger mit dem Auto in den Urlaub starten. Um gut am Urlaubsziel anzukommen, sollte dabei auch das Gepäck sicher verstaut sein.

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Jede ungesicherte Ladung kann durch Rutschen oder Kippen so in Bewegung geraten, dass das Lenken des Autos schwierig wird. Im schlimmsten Fall kann dadurch der Fahrer die Beherrschung über sein Fahrzeug verlieren. Mehr als 800 Menschen pro Jahr werden in Deutschland in der Statistik als Opfer von Unfällen durch schlechte Ladungssicherung geführt. Was für private Reisen gilt, ist natürlich das A und O für den professionellen Transport von Waren.

Dirk Wolters aus Hirz-Maulsbach im Westerwald ist Profi in Sachen Transportsicherung.  (Foto: SWR)
Dirk Wolters aus Hirz-Maulsbach im Westerwald ist Profi in Sachen Transportsicherung.

Dirk Wolters schult Unternehmen, wie sie ihre Transporte sicher durchführen können. Normalerweise macht er es vor Ort, in Corona-Zeiten aber online. Er stellt immer wieder fest: Man kann das Thema Sicherheit bei der Verladung nicht ernst genug nehmen.

So wirken die Kräfte auf die Ladung

Am liebsten veranschaulicht Dirk Wolters das bei seinen Seminaren mit einer Vorführung, etwa mit einem Lkw mit offener Plane. Die Kisten wirken erstmal gut verstaut. Bereits bei einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern geraten die Kisten ins Rutschen, ein Wasserfass zerplatzt durch den Aufprall. Viele Autofahrer unterschätzen die Wucht der Kräfte, so der Experte:

"Sie denken: ich mache das gut fest! Aber wie gut es wirklich ist, entscheidet sich erst bei einer wirklichen Notbremsung, die kaum jemand schon mal am Steuer gemacht hat ."

Experte Dirk Wolters aus Hirz-Maulsbach im Westerwald

So überwiegt ein falsches Gefühl von Sicherheit bei vielen Autofahrern. Bei einem Auffahr-Unfall dagegen ist ein Vielfaches des Schadens zu erwarten. Je stärker die Bremsung zum Stillstand, desto höher sind die Kräfte. Bei einer Vollbremsung bei 50 Stundenkilometern vervielfachen sich die Gewichte.

Was wie schwer wird bei 50 Kilometer pro Stunde


  • Ein Handy wird 15 Kilo schwer.
  • Eine Wasserflasche entwickelt die Gewichtskraft eines Zementsacks.
  • Ein Wasserkasten bekommt ein Aufprallgewicht von bis zu 700 Kilogramm.
  • Herumfliegende Kleinteile werden zu Geschossen: etwa ein kleiner Bohrkopf, der gerne bei Handwerkern vorne in der Handschuhablage liegt, kann 4 Kilogramm Gewicht erreichen und eine Windschutzscheibe zerbersten lassen.
  • Glasflaschen im Innenraum können zudem splittern und zu zusätzlichen Verletzungen führen.

Das sollte beim Beladen beachtet werden

Um Fahrzeuge richtig zu beladen, sollte man die Pack-Technik des "Formschlusses" anwenden. Unter Formschluss versteht man die Verladung der Güter direkt an die Stirnwand oder die Rückwand und die Seitenwände. Das wird durch ein lückenloses Verstauen erreicht. Die Ladung muss an allen Seiten gegen das Fahrzeug stoßen, dass sie sich nicht bewegen kann. Zudem sollen vor, hinter und neben schweren Teilen formstabile Objekte stehen.

Es gilt die Regel: Leichtes nach oben, Lücken für kleine Teile nutzen – ein bisschen wie Tetris mit Gepäckstücken. Getränkekästen sollten im Fußraum eingeklemmt zwischen Rücksitzbank und Vordersitz stehen, sonst könnten sie beim Aufprall die Rückwand des Sitzes durchschlagen. Sperrige Möbel sollten in der Mitte der Ladefläche auf einer rutschhemmenden Matte platziert und mit Zurrgurten weiter abgesichert werden oder auf den Boden gepresst werden.

Laderaum eines LKW mit Kastenaufbau, innen. Ladung - Fässern und Gitterboxen - steht ungesichert herum (Foto: SWR)
Aus ungesichertem Stückgut wird bei Vollbremsung oder Unfall eine Trümmerflut.

Mit diesen Hilfsmitteln kann die Sicherheit erhöht werden

Schnell sind Autos überfüllt, wenn es in den Urlaub geht, 250 Kilogramm Gepäck sind keine Seltenheit. Mit ein paar Hilfsmitteln lässt sich beim Verstauen mehr Sicherheit verschaffen:

  • Eine Kofferraumwanne erhöht die Reibung, das ist ein wesentlicher Rutschschutz. Je weniger die Ladung rutscht, desto sicherer ist sie.
  • Netze hin zum Insassenbereich sind sinnvoll, insbesondere wenn die Ladungshöhe über die Rücksitzlehne hinausgeht.
  • Selbst ein normaler Gurt kann viel helfen, wenn er geschlossen ist. Dann bietet er einen Widerstand gegen die Rücksitzwand.
  • Personengurte also auch dann schließen, wenn die Sitze nicht besetzt sind und viel Gepäck im Kofferraum liegt. Wichtig ist es, keine Expander, sondern Zurrgurte zu nehmen. Die Belastbarkeit der Zurrmittel erkennt man am Typenschild. Auf dem DIN-Etikett steht meist die maximale Belastbarkeit der Gurte - die sogenannte Lashing-Capacity.

Gerissene Gurte sollten entsorgt werden, sie sind wirkungslos. Die Zurrpunkte im Fahrzeug haben auch Höchstwerte. Diese Ösen sind oft am Boden des Fahrzeuges, dort werden die Enden der Zurrgurte eingeklickt.

Diese rechtliche Grundlagen gibt es

In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist geregelt, dass die Ladung grundsätzlich so gesichert sein muss, dass sie nicht verrutschen oder herabfallen kann.

  1. Laut § 22 StVO darf Gepäck selbst bei einer Vollbremsung nicht verrutschen. Bei mangelhafter Sicherung drohen Bußgelder von 35 bis 75 Euro. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer gibt es zusätzlich einen Punkt.
  2. Ladung mit Überlänge darf höchstens drei Meter hinausragen und muss mit einer roten Fahne versehen sein. Für Nachtfahrten ist ein rotes Warnlicht anzubringen.
  3. Die maximale Strecke bei einem Überstand von mehr als 1,50 m liegt bei 100 Kilometern. Die Ladung darf maximal 1,50 Meter aus dem Kofferraum herausragen, will man weitere Strecken fahren.

Höchststrafen können bei Unfällen mit Todesfolge durch schlecht gesicherte Ladung bis zur Freiheitsstrafe gehen. Ist eine Vollbremsung nötig und die schlecht abgesicherte Ladung sorgt für Verletzte, so kann dies erhebliche Auswirkungen auf den Anspruch von Schadensersatz seitens der eigenen Haftpflichtversicherung haben.

Fazit

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