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Etwa 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland werden sich wahrscheinlich mit dem Corona-Virus infizieren – so heißt es. Fast stündlich werden derzeit in Deutschland immer mehr Fälle nachgewiesen. Damit wächst auch die Angst in der Bevölkerung, sich irgendwo angesteckt zu haben. Viele wollen deshalb einen Corona-Test machen. Ein Problem: Nicht jeder, der einen Test machen will, darf auch einen machen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Wer getestet werden darf

Die Regeln für die Durchführung eines Corona-Tests sind klar vom Robert-Koch-Institut festgelegt. Getestet werden dürfen in Deutschland aktuell nur Personen, die sowohl Krankheitssymptome zeigen als auch Kontakt zu einem bestätigten oder wahrscheinlichen Corona-Virus-Fall hatten. Oder sie haben Symptome und waren in einem Risikogebiet.

Häufige Symptome von Covid-19 zählen laut Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Robert-Koch-Institut sind:

  • Fieber,
  • trockener Husten,
  • Glieder- und Muskelschmerzen,
  • und Kopfschmerzen.  

"Mittlerweile wissen wir, dass andere Symptome in einem Drittel aller Fälle auch Magen-Darm- Durchfall-Symptome dazukommen können. Einige erleiden sogar auch Geschmacks- oder Geruchsstörungen im Laufe der Erkrankung."

Dr. Marcel Schorlepp, Internist aus Mainz

Wie man sich bei Symptomen richtig verhält

Das Gesundheitsministerium empfiehlt, sich zunächst telefonisch bei seiner Hausärztin/Hausarzt zu melden und nicht ohne telefonische Voranmeldung in die Praxis zu gehen. In dringenden Fällen soll man sich an die 116 117 wenden.

Internist Dr. Marcel Schorrlepp  aus Mainz (Foto: SWR)
Liegt ein begründeter Verdachtsfall vor, verweist Dr. Marcel Schorlepp seine Patienten an das Gesundheitsamt und stellt ihnen eine Überweisung für einen Corona-Test beim Labor Bioscientia in Ingelheim im Kreis Mainz-Bingen aus.

Die Patienten müssen dann persönlich beim Labor anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Die Wartezeit beträgt aktuell bis zu einer Woche. Die Kosten übernimmt im begründeten Fall die Krankenkasse. Krankenkassen und Ärzte raten, dass man sich schon freiwillig in Quarantäne begibt, bevor das Testergebnis vorliegt,

Wo Tests durchgeführt werden

Grundsätzlich können Abstriche von potenziell Infizierten in Arztpraxen oder Krankenhäusern durchgeführt werden. Doch nicht alle Arztpraxen erfüllen die Voraussetzungen, um einen Test durchzuführen. Häufige Gründe sind fehlende Atemschutzmasken, Schutzkleidung, Abstrichröhrchen oder Desinfektionsmittel.

Um die Arztpraxen zu entlasten, werden im Land mittlerweile Covid-19 Tests in verschiedenen mobilen Abstrichzentren beispielsweise von der Kassenärztlichen Vereinigung oder von Laboren wie in Ingelheim im Kreis Mainz-Bingen durchgeführt.

Mobile Abstrichzentren in Rheinland-Pfalz

Im Container-Abstrichzentrum werden Patientinnen und Patienten von niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und aus Krankenhäusern und von öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, die nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts einen begründeten Verdachtsfall sehen, zugewiesen. Die Voraussetzungen für einen Abstrich vor Ort sind eine Überweisung vom Hausarzt und ein fester Termin. Diese Maßnahmen helfen, um Wartezeiten vor Ort, Massenaufläufe und unnötige soziale Kontakte zu vermeiden.

In Ingelheim fährt jeder Patient auf einen Parkplatz und wartet, bis er von einer Ärztin oder einem Arzt vom Auto abgeholt und zum Container geführt wird. Der Patient ist verpflichtet, sowohl vor dem Betreten als auch beim Verlassen des Containers seine Hände mit Desinfektionsmittel zu desinfizieren. Pro Patient dauert der Corona-Test etwa drei bis fünf Minuten.

Der Container ist mit einem Stromnetz versorgt. Von Montag bis Freitag wird hier in zwei Schichten von jeweils 9 bis 17 Uhr getestet. Auf dem kleinen Raum laufen Mails und Faxe ein, so dass den beiden dort behandelnden Ärzten immer die aktuellsten Überweisungen vorliegen. Im Container werden, wenn der Patient den Raum betritt, zunächst die persönlichen Daten überprüft. Danach wird ihm mit einem langen Stäbchen ein Abstrich aus dem Rachenraum entnommen und in das Röhrchen gesteckt.

Labor mit Corona-Tests (Foto: SWR)
Nach dem Abstrich werden die Proben alle halbe Stunde von Laboranten ins angrenzende Labor gebracht und eingescannt.

Dann werden sie in die Molekularbiologie gebracht, wo die sogenannte "real-time Reverse Transkriptase Polymerase"-Kettenreaktion, englisch abgekürzt RT-PCR durchgeführt wird. Dort wird dann zunächst der Test vorbereitet.

Wie der Test im Labor weiterverarbeitet wird

Dazu werden zunächst die Probenröhrchen aufgedreht, die Spitze des Stäbchens, an dem sich der Tupfer mit dem Erbgut des Virus befindet, abgeschnitten und in eine Lösung gelegt. Bei diesem Vorgang soll das Virus-Material, abgelöst werden.

Dieser Vorbereitungsprozess dauert etwa drei bis vier Stunden. Danach wird die Probe für etwa fünf bis sechs Stunden in einem Gerät analysiert. Hier wird das genetische Material in mehreren Zyklen vervielfältigt und untersucht, ob die gesuchten Gensequenzen des Virus vorliegen oder nicht. Von der Probenentnahme bis zum Ergebnis vergehen je nach Transportwegen etwa 24 bis 48 Stunden.

Bis zu 1200 Corona-Proben täglich

In den Containern in Ingelheim können täglich etwa bis zu 300 Abstriche von Patienten entnommen werden. Etwa 900 weitere Corona-Proben kommen aus Arztpraxen und Kliniken aus der Region.

Corona Test (Foto: SWR)
Neben den 1.200 Corona-Proben werden in Ingelheim täglich noch bis zu 20.000 weitere Proben untersucht.

Ärzte raten von Schnelltests ab

Dr. Marcel Schorrlepp rät von Schnelltests ab, da die Qualität der Testergebnisse nicht ausreicht. Sie haben nur eine gewisse Sensitivität, das heißt, wenn jemand positiv getestet wird, ist das wahr, ein negativer Test schließe jedoch einen Infekt mit Covid-19 nicht aus.

 "Es gibt keinen Grund zur Panik"

Zur Zeit gibt es immer mehr positive Fälle, berichtet der Laborarzt Dr. Oliver Harzer. Er hält das aber für ganz normal.

„Wir sind eigentlich immer noch in einem sehr niedrig positiven Bereich. Es werden mehr, aber wir haben natürlich sehr viele 1.000 Proben. Aber wenn man dann vielleicht am Tag mal 20 oder 30 Positive hat unter 1.000 oder 2.000, dann sind das eben 1 bis 2 Prozent, vielleicht auch mal 5 Prozent – oder auch mal 10.“

Laborarzt Dr. Oliver Harzer

Trotz der Ausnahmesituation wird dazu geraten, nicht in Panik zu verfallen.

"Ich glaube, was man den Leuten mitbringen kann, ist: "Bewahrt die Ruhe" . Ich glaube, das ist das Wichtigste und das macht unsere Regierung in dem Moment ja auch."

Laborarzt Dr. Oliver Harzer

 Insgesamt fühlt sich das Labor nach eigenen Aussagen gut aufgestellt, um in den nächsten zwei bis drei Wochen ohne Probleme arbeiten zu können.  Darüber hinaus gibt es demnach Anzeichen, dass in China, wo die Welle abgeflacht ist, Material nach Deutschland versandt wird. Darüber hinaus denkt das Unternehmen ressourcenschonend. Insgesamt behandeln die Ärzte mit einer Atemmaske und einem Visier/Haube sowie einem Schutzanzug insgesamt 50 Patienten. Nur die äußerste Schicht, das heißt Handschuhe und wasserdichte Schürzen, müssen nach jeder Behandlung aus hygienischen Gründen gewechselt werden. 

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