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In Zeiten, in denen uns das Corona-Virus in den kühler werdenden Herbst begleitet, wird regelmäßiges Lüften immer wichtiger.

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Lüften hilft gegen die Verbreitung von Aerosolen

In geschlossenen Räumen wird die Luft regelrecht verbraucht. Grob gesagt, atmet der Mensch Sauerstoff ein und Kohlenstoffdioxid (CO2) aus. Der menschliche Atem besteht aber nicht nur aus Gasen, sondern auch aus Aerosolen. Das sind winzigkleine Partikel, zum Teil nur Millionstel Millimeter groß, die – einmal ausgeatmet – an der Luft trocknen, aufsteigen und mit dem Luftstrom durch den Raum schweben. Wissenschaftler gehen zur Zeit davon aus, dass sich auch die Corona-Viren in den Aerosolen befinden und mit ihnen "auf Reise gehen".

Die CO2-Konzentration in der Luft wird in parts per million (ppm) gemessen. Frischluft enthält ungefähr 400 ppm CO2. Im geschlossenen, unbelüfteten Raum steigt dieser Wert mit jedem Ausatmen. Liegt der Wert bei 1.000 ppm, sollte gelüftet werden, damit das CO2 entweichen kann und durch Frischluft ersetzt wird. CO2 ist zwar nicht giftig, führt aber bei zunehmender Konzentration zu Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Aerosole in einem Raum nach zwei Minuten (Foto: SWR)
Wenn ein einzelner Mensch ruhig atmet, dann steigen die Aerosole in der warmen Luft auf und sind schon nach zwei Minuten im gesamten Raum verteilt.

Wann gelüftet werden sollte

Ist die Luft stickig im Raum, ist es Zeit zu Lüften. Allerdings gibt es ein Maß, das genauer ist als die menschliche Nase: Die sogenannte Corona-Ampel misst die CO2-Konzentration im Raum und hat drei Farbbereiche eingebaut: Grün bis 800 ppm, Gelb bis 1.200 ppm und rot über 1.200 ppm. Spätestens wenn sich der Wert 1.000 ppm nähert, ist Zeit zu lüften. Allerdings sind die Ampeln nicht geeicht und weichen leicht voneinander ab. So gibt es einfache Corona-Ampeln schon ab circa 30 Euro zu kaufen. Für schickeres Design muss man 50 bis 80 Euro ausgeben.

Diese Möglichkeiten des Lüftens gibt es

Die preiswerteste Variante des Lüftens, ist das Nutzen regenerativer Energien, also einfach den Wind reinlassen. Für das sogenannte Stoßlüften wird das Fenster geöffnet, um so Frischluft reinzulassen. Für Schulen hat sich folgende Berechnung durchgesetzt: Alle 20 Minuten für fünf Minuten Stoßlüften sollten reichen, ein vollbesetztes Klassenzimmer mit ausreichend frischer Luft versorgen.

Im Idealfall befinden sich Fenster an gegenüberliegenden Seiten oder stehen im Winkel zueinander. Dann kann man auch Querlüften, also Durchzug erzeugen. Frische Luft strömt auf der einen Seite ein und schiebt die verbrauchte Luft auf der anderen wieder raus. In diesem Fall sollen drei Minuten für einen kompletten Luftaustausch reichen.


Im Winter kann mit dem Lüften die Temperatur im Raum um bis zu drei Grad sinken. Auch wenn Sie relativ schnell wieder auf dem normalen Wert ist, weil Wärmekapazität von Menschen und Möbeln wieder in den Raum übergeht, ist es zu empfehlen sich flexibel anpassbar zu kleiden. Das heißt: mehrere Schichten im Zwiebellook, die bei Bedarf an- oder ausgezogen werden.

Gute Ergänzung zum Lüften sind Raumluftreiniger

Mobile Raumluftreiniger gibt es schon ab 150 Euro. Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben herausgefunden, dass Raumluftreiniger die Aerosolkonzentration zum Beispiel in einem Klassenzimmer innerhalb einer halben Stunde um mehr als 90 Prozent senken. Sie filtern dabei die Aerosole aus der Luft.

Luftfilter (Foto: SWR)
Die Effektivität der mobilen Raumluftfilter ist abhängig von der Qualität der Filter, von denen in jedem Gerät mehrere verbaut sind.

Einer der Filter sollte ein HEPA-Filter sein, ein Hochleistungsschwebstofffilter, wie sie auch in der Reinraum-Technologie genutzt werden. Diese gehören der Qualitäts-Klasse H13 oder H14 nach EU-Norm 1822-1 an. Wie gut mobile Raumluftreiniger vor einer Ansteckung schützen, ist noch nicht endgültig erforscht. Das Lüften ersetzen solche Geräte nicht: Sie reinigen zwar die Luft, sorgen aber nicht für frische Sauerstoff-Zufuhr und sind eine sinnvolle Ergänzung zum richtigen Lüften.

Schneller wirksam als die kleinen mobilen Raumluftreiniger sind im Gebäude verbaute große Lüftungsanlagen. Das sind moderne Alternativen zur herkömmlichen Gasheizung. Lüftungsanlagen saugen dauerhaft frische Luft von außen an. Im Winter wird die kalte Außenluft durch die Wärme der Abluft auf eine angenehme Temperatur gebracht. Auch solche Anlagen verringern die Aerosolkonzentration. Als Alternative zur Heizung muss man allerdings mit mehreren tausend Euro höheren Anschaffungskosten für ein Einfamilienhaus rechnen. Kombinierte Klima-Lüftungsanlagen für ein ganzes Schulgebäude schlagen mit mehreren 100.000 Euro zu Buche.

Lüftungsanlage nach der Anleitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz (Foto: SWR)
Mit ein wenig handwerklichen Geschick kann man eine kostengünstige Alternative zu teuren Raumlüftungsanlagen auch selbst bauen.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz haben eine Lüftungsanlage zum Selbstbauen entwickelt. Die Tests dieser Anlagen bescheinigen, dass sie sehr gut funktionieren, 90 Prozent der Aerosole aus der Luft filtern. Sie wird derzeit in mehreren Schulen getestet. Die Kosten für die Materialien belaufen sich auf 200 Euro, alles Verpackungsmaterialien, die im Baumarkt erhältlich sind. Mit ein wenig handwerklichem Geschick können sie von den Schülern im Unterricht selbst zusammengebaut werden.

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