Energiemarkt

Sinkende Gas- und Strompreise: Wann lohnt sich ein Wechsel?

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Das neue Jahr begann mit einer guten Nachricht: Nach den Strompreisen sinken auch die Großhandelspreise für Gas. Jetzt haben wir in etwa die Preise wie vor dem Ukraine-Krieg. Doch was bedeutet diese Marktdynamik für Verbraucherinnen und Verbraucher? Können wir schon aufatmen? Und: Wann lohnt sich ein Wechsel?

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Das ist der Grund für die sinkenden Preise

Hauptgrund für den Preissturz beim Gas ist der milde Winter. Es wurde einfach nicht so viel geheizt wie befürchtet. Die Gasspeicher sind voll - die Nachfrage sinkt. Also sinkt auch der Preis. Außerdem war es zum Jahreswechsel erstaunlich windig, die Windräder konnten ordentlich Strom produzieren - und die Gaskraftwerke mussten im Gegenzug weniger Gas verbrennen, um daraus Strom zu erzeugen.

Die Strompreise sind nach Angaben der Bundesnetzagentur sogar drastischer gesunken als die Gaspreise. Während ein Kilowatt im Dezember 2022 noch 40 Cent gekostet hat, ist der Preis aktuell (Stand 17. Januar 2023) bei rund einem Cent. Der Grund: auch das milde Wetter. Trotzdem werden die meisten Verbraucher nichts von den Preissenkungen spüren.

Deshalb profitieren viele Verbraucher nicht von den Preissenkungen

Das hängt vor allem mit der Beschaffungsart der einzelnen Anbieter zusammen, erklärt der Energieexperte Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Von den Preissenkungen profitieren nur Anbieter, die sich kurzfristig, also jetzt, Gas und Strom zu den derzeitigen Konditionen dazukaufen. Die meisten jedoch, vor allem die Grundversorger, kaufen weit im Voraus ein, an sogenannten Terminbörsen, um sich mit ausreichend Gas und Strom einzudecken. Deren Kundschaft zahlt dann die Preise, die die Anbieter damals bei der Beschaffung, also im Frühjahr und Sommer - als die Preise für Strom und Gas explodiert sind - bezahlt haben. Außerdem beinhalten die Preise an der Börse noch keine Netzentgelte, keine Steuern, keine Gewinnmargen.

Günstiges Wetter: Ein milder Winter und starker Wind zu Jahresbeginn sind Gründe für den Preissturz am Energiemarkt.  (Foto: SWR)
Günstiges Wetter: Ein milder Winter und starker Wind zu Jahresbeginn sind Gründe für den Preissturz am Energiemarkt.

Es gibt aber auch Anbieter, die sogenannte dynamische Preis-Modelle anbieten. Dabei zahlen Verbraucher entweder monatlich oder gar stündlich die Preise, die aktuell an der Börse gehandelt werden. Diese Kunden hatten in den vergangenen Monaten das Nachsehen, weil die Preise durch die Decke gingen. Jetzt profitieren sie von den niedrigen Preisen. Wer sich als Verbraucher für ein dynamisches Preis-Modell entscheide, müsse mit den enormen Preisschwankungen umgehen können, so der Experte.

Um von den aktuell niedrigen Preisen zu profitieren, könnte ein Anbieterwechsel derzeit durchaus sinnvoll sein.

Ein Anbieterwechsel könnte sich derzeit lohnen

Wenn der Anbieter die Preise massiv erhöht, können Kunden von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Auf Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 lässt sich vergleichen, ob sich ein Wechsel finanziell lohnt - und das tut es in vielen Fällen, sagt der Energieexperte Hans Weinreuter. Er beobachtet schon seit Wochen (Stand Januar 2023) enorme Preisspannen bei den Grundversorgern in Rheinland-Pfalz. In einigen Fällen sind hunderte Euro Ersparnis drin.

Wichtig sei nur, so der Experte, beim Vergleich auf diesen Portalen die Gas- und Strompreisbremse miteinzukalkulieren. Diese greift ab April 2023 und mit ihr sollen die Energiepreise zu 80 Prozent gedeckelt werden. Das gilt dann für alle Anbieter. Interessant für Verbraucherinnen und Verbraucher werde es bezüglich der restlichen 20 Prozent. Und genau hier sei doch einiges drin, so Hans Weinreuter. Der Experte empfiehlt, bei den Laufzeiten auf die 12-Monats-Variante zu setzen, das sei kalkulierbarer als etwa ein Ein-Monatsvertrag.

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