In vielen Produkten verarbeitet

Warum Palmöl schädlich sein kann

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Morgens im Bad das Duschgel. Im Supermarkt landet die Tiefkühlpizza oder der Fertigkuchen im Einkaufswagen. Am Abend die schnelle Tütensuppe. Fast überall steckt Palmöl drin. Schätzungen zufolge in jedem zweiten verarbeiteten Lebensmittel.

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Manchmal ganz offenkundig, manchmal versteckt unter der weniger verfänglichen Bezeichnung "pflanzliche Öle" - was in der Regel eben Palmöl ist. Warum? Palmöl ist unschlagbar günstig verglichen mit Raps- oder Sonnenblumenöl. Und seine Konsistenz macht etwa Backprodukte oder Schokocreme streichzart, cremig, ohne den Geschmack zu verändern. Aber: Palmöl gehört nicht zu den hochwertigen Fetten, den sogenannten ungesättigten Fettsäuren. Im Gegenteil: Studienergebnisse legen nahe, dass Palmfett sogar krebserregend sein kann.

Früchte der Palmöl-Pflanze werden gepresst und erhitzt

Am Anfang steht die Palmöl-Pflanze, eine Palme mit roten Früchten. Sie wächst hauptsächlich in Indonesien und Malaysia, wo dafür Regenwälder abgeholzt werden. Ökologisch ein Desaster. Das Öl wird aus den roten Früchten gewonnen und aufwendig industriell verarbeitet. Der Mainzer Toxikologe Prof. Bernd Kaina forscht seit Jahren zum Thema Palmöl: „Es wird zerkleinert, dann gepresst, chemisch noch aufbereitet und gefiltert. Und der letzte Schritt dieser Aufbereitung ist eine Raffinierung. Diese Raffinierung erfolgt bei hoher Temperatur mit Wasserdampf bei über 200 Grad Celsius.“

Prof. Bernd Kaina, Toxikologe, Universitätsmedizin Mainz (Foto: SWR)
Prof. Bernd Kaina, Toxikologe, Universitätsmedizin Mainz

Beim Raffinieren von Palmöl entstehen gefährliche Stoffe

Naturbelassenes, also kaltgepresstes Palmöl ist zunächst einmal unbedenklich. Erst durch das Raffinieren wird es zu einer Gefahr. Denn: Bei der Erhitzung entstehen chemische Verbindungen. Unter anderem Clycidyl-Fette. Dazu der Toxikologe:

„Die […] entstehen auch bei der industriellen Herstellung anderer Öle. Aber nicht in so großer Menge wie beim Palmöl. Dieser Fettsäure-Ester wird im Darm abgebaut und dabei entsteht das Abbauprodukt Clycidol. […] Und das Clycidol ist eindeutig krebserregend.“

Ernährungsmediziner wie Dr. Christoph Lembens aus Mainz warnen schon länger vor diesen Fettsäuren. Neben der Krebsgefahr sind sie auch für den Cholesterin-Spiegel schlecht.

Dr. Christoph Lembens, Internist in Mainz (Foto: SWR)
Dr. Christoph Lembens, Internist in Mainz

„Sie beeinflussen das LDL [Fett-Eiweiß-Verbindungen, die fettlösliche Substanzen wie Cholesterin binden und durch den Blutkreislauf transportieren], sie beeinflussen die Bauchspeicheldrüse beim Diabetes, also bei der Insulinproduktion und damit produzieren sie Risiken.“

Bei übermäßigem Verzehr können Herzinfarkt und Diabetes die Folge sein. Seit 2018 gibt es daher europaweit neue Grenzwerte:

Gesetztliche Höchstwerte Clycidyl-Ester in Lebensmitteln (Foto: SWR)
Gesetztliche Höchstwerte Clycidyl-Ester in Lebensmitteln

Für Verbraucher ist das auf der Verpackung nur unzureichend gekennzeichnet. Die Industrie scheint wenig Interesse an Aufklärung zu haben. Vielleicht auch, weil Palmöl unschlagbar billig ist. Dazu der Mainzer Toxikologe Prof. Bernd Kaina: „Eine Ölpalme produziert etwas 6000 Früchte. Diese ergeben etwas 50 Kilogramm Fruchtfleisch. Im Vergleich zum Raps oder zum Sonnenblumenöl, da muss man schon lange sammeln und ernten, bis man auf diese Menge kommt.“

Diese Alternativen zu Palmöl gibt es

Palmöl-freie Produkte sind meist prominent gekennzeichnet, so beispielsweise manche Babynahrung. Hingegen sollte man Fertigsoßen- und Suppen lieber meiden und bei Schokolade und Keksen auf Palmfett-Zugaben achten. Da Palmöl vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln zu finden ist, gelingt ein Verzicht leicht durch den Kauf und die Zubereitung von frischen, unverarbeiteten Produkten. Auch widmen sich online diverse Webseiten der Präsentation von alternativen Produkten ohne Palmöl. Eine mühselige Suche. Aber auf lange Sicht dankt es die Umwelt und die Gesundheit

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