Tierhaltung, Gesundheit, Klimabilanz

Milch verliert an Beliebtheit

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"Milch macht müde Männer munter" - mit Slogans wie diesem warb die Milchindustrie lange Zeit für den Verzehr von Kuhmilch. Sie galt als wichtiges Lebensmittel, als wahres Superfood. Heute steht eine wachsende Zahl von Verbrauchern dem hohen Konsum von Milch und Milchprodukten kritisch gegenüber.

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Milch von Huftieren, hauptsächlich von Kühen, wird seit etwa 7.500 Jahren als Nahrungsmittel genutzt. Wer von Milch spricht, meint in der Regel Kuhmilch. Gebildet wird sie in den Milchdrüsen von Mutterkühen, damit sie ihre Neugeborenen ernähren können. Das heißt: Auch Kühe geben nur Milch, wenn sie ein Kälbchen bekommen haben. Bis zu fünf Monaten nach der Geburt kann eine Kuh gemolken werden, dann nimmt die Milchproduktion ab.

Gesetzliche Vorgaben für die Produktion von Milch

Eine Art Reinheitsgebot gibt es in Deutschland nicht nur beim Bier, sondern seit 1930 auch bei der Milch. Davor war diese oft verunreinigt und durch den Verzehr von Rohmilch haben sich Menschen mit Tuberkulose infiziert. Das Gesetz schreibt unter anderem vor, dass Milch vor dem Verzehr erhitzt werden muss, damit Krankheitserreger abgetötet werden. Heute werden die Hygienebedingungen bei der Milch-Produktion streng kontrolliert. Verunreinigungen oder Überbleibsel von Reinigungsmitteln dürfen nicht drin sein.

Calciumgehalt adelte die Milch als wichtiges Lebensmittel

Milch besteht aus Proteinen, Milchzucker und Milchfett in Wasser und gilt als guter Calcium-Lieferant. Milchprodukte sind sehr proteinreich. Neben Calcium enthält die Milch verschiedene Vitamine und Mineralstoffe und - je nach Produkt - auch viel Fett. Wegen ihres Calciumgehalts wurde die weiße Flüssigkeit lange Jahre als wichtiges Superfood gehandelt: Zwei Gläser am Tag wurden für gesunde Zähne und Knochen empfohlen. Studien legten später den Verdacht nahe, Milch fördere Neurodermitis, Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Beliebtheit von Kuhmilch zurückgegangen

"Die Milch macht´s" und "Milch macht müde Männer munter" waren lange Zeit Werbeslogans der Agrarwirtschaft. Die ziehen bei vielen Verbrauchern heute nicht mehr. In den vergangenen 20 Jahren ist der Verbrauch von Trinkmilch von knapp 70 Kilogramm pro Kopf auf etwa 50 Kilogramm gesunken. Bei den einen, weil Milch als Grund für Unverträglichkeiten erkannt wird (Laktoseintoleranz), bei anderen spielt die Klimabilanz eine Rolle. Hier schneidet Milch nicht gut ab. Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt eine Klimawirkung wie rund 2,4 Kilogramm Kohlendioxid (C02). So viel entsteht etwa auch bei der Verbrennung von einem Liter Benzin. Der Großteil der klimaschädlichen Emissionen entsteht bereits im Verdauungsapparat der Kuh. Aber auch die Futtermittelproduktion hat einen bedeutenden Anteil an der schlechten Klimabilanz von Milch. 

Auch die vielerorts nicht artgerechte Haltung von Milchkühen lässt viele Verbraucher zu pflanzlichen Alternativen greifen (Foto: SWR)
Auch die vielerorts nicht artgerechte Haltung von Milchkühen lässt viele Verbraucher zu pflanzlichen Alternativen greifen

Hochleistungskühe geben heute bis zu 10.000 Liter Milch im Jahr

Für viele Verbraucher spielt im Hinblick auf die Milchproduktion auch das Tierwohl eine Rolle. Hochleistungskühe geben rund 10.000 Liter Milch im Jahr - das sind im Schnitt mehr als 27 Liter pro Tag. Zum Vergleich: In den 1950er Jahren war eine Kuh mit 6.000 Liter produzierter Milch pro Jahr schon ein Hochleistungstier.

Die mediale Aufklärung über Massentierhaltung und Überzüchtungen lässt viele daher zu pflanzlichen Alternativen greifen: Produkte aus Erbsen, Mandeln oder Hafer, offiziell als "Drink", oft aber auch als "Milch" bezeichnet, sind längst kein Nischenprodukt mehr.

Alternativen zum Milchkonsum: Spinat, Mineralwasser, Nüsse oder Kichererbsen liefern ebenfalls Calcium (Foto: SWR)
Alternativen zum Milchkonsum: Spinat, Mineralwasser, Nüsse oder Kichererbsen liefern ebenfalls Calcium

Ernährungswissenschaftler sind sich heute einig, dass auch ohne Milchprodukte genügend Calcium aufgenommen werden kann. So liefern Mineralwasser, Kichererbsen, Nüsse oder Spinat den wichtigen Nährstoff ebenfalls. Wer nicht auf Milchprodukte verzichten möchte, aber auf die Klimabilanz und Tierwohl wert legt, sollte bei einem Bio-Bauern aus der Region einkaufen. Die Produkte haben keine langen Transportwege hinter sich und man kann sich vor Ort über die Haltungsbedingungen der Tiere informieren.

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