Wenn die Nacht zum Tag wird

Wie Gemeinden im Pfälzerwald gegen die Lichtverschmutzung kämpfen

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Die Nacht ist zu hell. Und das nicht nur in den großen Städten. Straßen werden beleuchtet, Kirchen angestrahlt, in den Geschäften strahlt die Auslage in den Schaufenstern auch nachts in den schönsten Farben. Das ist nicht nur in puncto Nachhaltigkeit überdenkenswert, sondern stört auch den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus von Mensch und Natur.

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Die Wissenschaft hat dafür ein Wort gefunden: Lichtverschmutzung. Dabei überlagert künstliches Licht das natürliche. Beispielsweise die Straßenbeleuchtung, die ungehindert in den Himmel strahlen kann. Ein Projekt im Pfälzerwald will dieser Überlagerung entgegentreten. Das Gebiet soll ein internationaler „Sternenpark“ werden. Fünf Jahre lang hat die Europäische Union dafür Geld gegeben.

Zu viel Licht stört den Schlaf

Um zwei bis sechs Prozent, so haben Satelliten gemessen, nimmt das künstliche Licht auf der Welt jährlich zu. Licht, dass uns zunehmend um den Schlaf bringt.

 "Bei uns Menschen ist es so: Damit wir gut schlafen können, muss das Hormon Melatonin ausgestoßen werden. Wenn das sozusagen durch künstliches Licht blockiert wird, kann das zu Stoffwechselstörungen, aber auch zur Entstehung von manchen Krebsarten führen.“ 

Tiere verlieren in der hellen Nacht ihre Orientierung

Aber auch die Natur leidet. Natürlicherweise sind die meisten Tiere Nachtjäger – künstliches Licht irritiert. So verenden 100 Milliarden Falter jährlich an alten Straßenlaternen. Sie verwechseln die Lampen mit dem Mond, umkreisen sie bis zur Erschöpfung. Zugvögel verlieren durch Lichtsmog die Orientierung. Gleiches passiert Lachsen, die unter beleuchteten Brücken den Weg nicht mehr finden. Manche Pflanzen treiben aufgrund der Dauerbeleuchtung längere Blätter aus und werden so frostempfindlicher.

Insekten schwirren um eine Lichtquelle. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Armin Weigel )
Lichtverschmutzung trägt nicht unerheblich zum Insektensterben bei. picture alliance/dpa | Armin Weigel

Der hellste Fleck in Deutschland liegt in Rheinland-Pfalz

Die Karte der Lichtverschmutzung zeigt: Der hellste Fleck in Deutschlands ist die Airbase in Ramstein. Besonders hell leuchtet es auch rund um Ludwigshafen – wegen der BASF. Der Pfälzerwald dazwischen ist noch ein Dunkelparadies. Und es soll noch dunkler werden.

So wird der Pfälzer Wald zum "Sternenpark"

Vergeben wird das Zertifikat "Sternenpark" von der Dark Sky Association, einer Organisation mit Sitz im US-amerikanischen Arizona und Ablegern auf der ganzen Welt. Sie hat Dunkelheitsstufen erstellt, mit denen Regionen und Orte bewertet werden: Bronze, Silber und Gold. Deutschlandweit gibt es bereits vier "Sternenparks". in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Obwohl es im Pfälzerwald bereits besonders dunkel ist, verglichen mit anderen Orten im Land, reicht das noch nicht aus, um als "Sternenpark" ausgewiesen zu werden. Doch die Region arbeitet am Titel.

Sarah Köngeter, Leiterin des Projektes Sternenpark (Foto: SWR, SWR -)
"Lichtverschmutzung ist die Überlagerung von natürlichem Licht durch künstliches Licht", sagt Sarah Köngeter, Leiterin des Projekts Sternenpark. SWR -

"Was uns wichtig ist, dass Licht von der öffentlichen Straßenbeleuchtung nur nach unten strahlt, dass man warmweißes Licht verwendet. Und womit man Zusatzpunkte sammeln kann, ist, wenn man nachtaktive Pflanzen anpflanzt oder Öffentlichkeitsarbeit leistet."

Hotels werden zu „Gastgebern unter den Sternen“

Vier Hotels in der Pfalz sind inzwischen sogenannte "Gastgeber unter den Sternen" und bieten einen besonderen Service, um an Astronomie interessierte Gäste anzuziehen. So werden Teleskope angeboten, ein spätes Frühstück oder später Check-out für Gäste, die gerne bis spät in die Nacht Sterne beobachten. 

Außerdem wurde ein "Sternwandelweg" in der Nähe der Burg Lemberg eingerichtet. Zwölf Infotafeln informieren Wanderer zum Thema "Schutz der natürlichen Nacht".

"Aber dann auch dieser emotionale Wert. Es ist ja schön zu wissen, dass jeder Mensch potentiell die Chance hat, die gleichen Sterne zu sehen. Das können wir nur erhalten, wenn wir auch was gegen Lichtverschmutzung tun."

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