Persönliche Spuren im Netz

Was beim Surfen mit den Nutzerdaten passiert

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Die Internetnutzung ist seit der Corona-Pandemie regelrecht explodiert. Mehr als 60 Millionen Deutsche sind online, so viele wie noch nie zuvor. Auf ihrem Weg durch das Internet hinterlassen Nutzerinnen und Nutzer jede Menge persönlicher Daten. Daten, mit denen Unternehmen wie Facebook, Amazon und Co. Handel betreiben.

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Deutschland ist in der Digitalisierung angekommen und niemand kann sich dem mehr entziehen: Im Umgang mit Behörden, beim Check-in am Flughafen, im Kontakt mit Sprachassistenten wie "Alexa" oder "Siri" oder einfach, indem man Emails schreibt - überall werden Daten erfasst. Wer ein Smartphone bei sich trägt, sendet beispielsweise - wenn er die Funktion nicht bewusst ausschaltet - permanent Informationen zu seinem Standort. Auch das Nutzen von Apps und sozialen Medien wie Facebook oder Instagram verursacht eine regelrechte Datenflut.

Computer (Foto: SWR)
Auf ihrem Weg durch das Internet geben Nutzer viele persönliche Daten preis.

Aktiv und passiv Daten preisgeben im Netz

Dabei geben Menschen im Netz aktiv und passiv Daten preis. "Aktiv" bedeutet in dem Fall, ein Foto bei Facebook und Instagram zu posten oder dort schriftlich eine Meinung zu äußern. "Passiv" heißt, die Nutzerinnen und Nutzer merken gar nicht, auf welchen Wegen sie Informationen über Interessen, Wertvorstellungen oder Vorlieben preisgeben. Dies geschieht, indem sie schlicht und einfach im Netz surfen, sich bestimmte Webseiten anschauen, nach Informationen suchen. Unternehmen nutzen diese Daten dann für unternehmerische Zwecke. IT-Experten wie Christian Schuster vom Chaos Computer Club in Mainz und Wiesbaden erklärt hierzu:

"Man kann davon ausgehen, dass jeder kostenlose Dienst im Internet mit den Daten handelt. Sie verdienen damit ihr Geld."

Die Daten werden mit Hilfe sogenannter Tracker gesammelt. Die sind auf den Anbieterseiten aktiv und verfolgen, was Menschen im Netz machen, welche Seite sie anklicken. Nach und nach entsteht so ein genaues Profil eines Menschen. Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz merkt an:

"Also wenn ich irgendwo in einem Onlineshop ein Produkt kaufe, dann wird mir vorgeschlagen, was ich sonst noch kaufen könnte. Und wie kommt der Shop zu dieser Empfehlung? Es sind Erfahrungswerte und gesammelte Informationen, für welches Produkt sich andere Käufer auch noch entschieden haben."

Ein anderes Beispiel: Eine Person schaut sich ein Produkt in einem Onlineshop an. Dann wechselt sie im Netz zu Facebook und bekommt dort genau dieses Produkt als Werbung angezeigt. Ihre Daten wurden mit sogenannten Algorithmen verarbeitet. Die sind vergleichbar mit einer mathematischen Formel bzw. einer digitalen Handlungsanweisung für den Computer.

Julia Gerhardts, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Julia Gerhardts, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Algorithmen liefern auch unerwünschte Ergebnisse

Solche Algorithmen liefern dabei oft auch unerwünschte Ergebnisse, machen "Fehler". Ein Algorithmus kann im schlimmsten Fall manipulieren oder diskriminieren. Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale nennt ein Beispiel aus einem Unternehmen:

"In diesem Fall hatte sich der Algorithmus selbst beigebracht, Männer zu bevorzugen, weil in der Vergangenheit mehrheitlich Männer eingestellt wurden. Das war ein diskriminierender Effekt, den niemand so haben wollte."

Auf einen Algorithmus sind neben Kaufempfehlungen auch die Rankings bei Google zurückzuführen. Für den Mensch vorm Computer bleibt dabei meist unklar, wer bzw. welche Kriterien über solche Ergebnisse entscheiden, welche Informationen wie gefiltert präsentiert werden. Doch nicht nur Kaufempfehlungen oder Werbung wird dank solcher Filter individuell auf persönliche Interessen und Neigungen zugeschnitten. Auch Informationen zu gesellschaftspolitischen Themen werden nicht selten stark gefiltert präsentiert.

Auch die Schufa arbeitet mit Algorithmen

Bekannt ist, dass auch die Wirtschaftsauskunftei Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) einen Algorithmus verwendet, der den sogenannten Score-Wert berechnet. Der soll Auskunft geben über die Bonität von Käufern, beispielsweise bei Kreditvergaben.

Welche Informationen in solche Empfehlungen genau einfließen, ist ein Geschäftsgeheimnis. Verbraucherschützer sehen dies kritisch und fordern, diesen Algorithmus für Verbraucher transparent zu machen.

So behalten Menschen den Überblick über ihre Daten

Nach dem Bundesdatenschutzgesetz haben alle in der Bevölkerung das Recht, eine Selbstauskunft zu verlangen, und zwar bei jeder Firma. Bei der Schufa beispielsweise kann man diese einmal im Jahr kostenlos beantragen. Bei Facebook und anderen Anbietern lassen sich die persönlichen Daten auf der Webseite direkt abrufen. Allerdings stehen dort meist nur die reinen Daten, nicht was mit ihnen passiert und wie sie kombiniert werden. Kritischen Nutzerinnen und Nutzern sei zudem geraten, die Privatsphäre-Einstellungen regelmäßig zu überprüfen und Konten zu löschen, die nicht mehr benutzt werden.

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