Unterschätzte Gefahr in Naturgewässern

Diese Risiken birgt das Schwimmen in Flüssen und Seen

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Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere hundert Menschen bei Badeunfällen. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) waren 2019 - allein in Rheinland-Pfalz - neun Opfer zu beklagen.

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Wer sich am oder im Wasser erholen möchte, denkt vielleicht erst einmal nicht an mögliche Gefahren. Allerdings können nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) immer weniger Menschen schwimmen. Eine Forsa-Umfrage hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Grundschüler in Deutschland nicht schwimmen kann - und viele es auch gar nicht mehr in der Schule lernen.

Rettungsschwimmer der DLRG haben im vergangenen Jahr 950 Menschen das Leben gerettet. In 42 Einsätzen mussten sie sogar ihr eigenes Leben riskieren, um die Opfer lebend an Land zu bringen.

Warum Naturgewässer für Schwimmer besonders gefährlich sind

In Flüssen wie beispielsweise Rhein, Mosel oder Nahe ist das Baden und Schwimmen zwar generell erlaubt, aber nur am Ufer und nicht in der Fahrrinne der Schiffe.

Die Strömung des Flusses kann einen Schwimmer an manchen Stellen mit mehreren Metern pro Sekunde mitnehmen. Falls man von der Strömung erwischt wird, sollte man nicht dagegen ankämpfen, sondern sich mittreiben lassen und so versuchen, ein Ufer zu erreichen.

Aber auch das Baden und Schwimmen in Seen kann gefährlich sein. Seen sind zwar vergleichsweise ruhig, das erschwert allerdings auch den Temperaturausgleich zwischen den Wasserschichten. Das heißt, das Wasser an der Oberfläche hat eine ganz andere Temperatur als das Wasser ein paar Schichten tiefer. Der Temperaturunterschied kann den Kreislauf überfordern, gerade wenn ein Schwimmer bei heißen Außentemperaturen Abkühlung im Wasser sucht.

Viele Menschen überschätzen sich und ihre Kraft oder verhalten sich sogar leichtsinnig. Oft sei bei Badeunfällen auch Alkohol im Spiel, berichtet die DLRG.

Besondere Vorsicht gilt bei Baggerseen, in denen noch gebaggert wird. Hier sind oft Kabel oder Rohre im Wasser. Abgesehen davon könnte es ein Privatgelände sein. Wer in einem Privatsee badet, würde sogar Hausfriedensbruch begehen. Und eine Badeaufsicht gibt es dort ganz sicher nicht.

Menschenleerer Strand ohne Bewachung (Foto: SWR)
Badegewässer in Rheinland-Pfalz werden selten oder nur sehr sporadisch von Rettungsschwimmern bewacht.

Wo Badegewässer beaufsichtigt werden

Als Faustregel lässt sich sagen: Wo das Baden kostenlos ist, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass es dort keine Badeaufsicht gibt. Eine Parkplatzgebühr gilt nicht als "Eintritt zum Badesee" oder Garantie, dass ein Rettungsschwimmer vor Ort ist. Baden ist dort in aller Regel auf eigene Gefahr.

Die DLRG versucht, gerade an Sommerwochenenden, dort vor Ort zu sein, wo besonders viele Badegäste sind und diese auch einer relativ hohen Gefahr ausgesetzt sind. Beispielsweise am Oppenheimer Strandbad oder am Laacher See. Hier ist die DLRG, wenn möglich, von April bis September an den Wochenenden im Einsatz. Geld bekommen die Mitarbeiter der DLRG übrigens nicht für die Einsätze, der Wasserrettungsdienst ist ehrenamtlich.

Wie gut die Wasserqualität ist

Die rheinland-pfälzischen Badeseen haben gutes bis ausgezeichnetes Wasser. Gefahren für Schwimmer in Form von Bakterien, Keimen, oder giftigen Algen gibt es normalerweise nicht. Aktuell herrscht lediglich im Stadtweiher Baumholder (Kreis Birkenfeld) ein Gesundheitsrisiko durch potenziell toxische Cyanobakterien (Blaualgen), vom Baden wird hier dringend abgeraten.

Gesundheitsämter und das Ministerium für Umwelt nehmen regelmäßig Proben in den Badegewässern - von April bis September bis zu zweimal pro Monat. Diese Proben werden nach EU-Badegewässerrichtlinie untersucht, vor allem nach gefährlichen Algen und Keimen. Sollten zum Beispiel e.coli-Bakterien einen bestimmten Grenzwert überschreiten, wäre das ein Hinweis, dass das Wasser mit Fäkalien verschmutzt wurde.

Der Rhein ist übrigens kein offizielles Badegewässer - trotz Strandbädern oder Zugangsmöglichkeiten. Baden ist zwar grundsätzlich erlaubt, birgt aber abgesehen von der Strömung und von den Schiffen noch andere Gefahren.

Die Wasserqualität für Badende wird hier nämlich nicht getestet. Das Ministerium für Umwelt rät grundlegend davon ab, in Fließgewässern zu baden, nicht nur wegen der Strömung, sondern auch wegen einer möglichen Infektionsgefahr, weil das Wasser nicht speziell kontrolliert wird.

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SWR Fernsehen