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Die aktuelle Wetterlage ist Balsam für die Pilze in rheinland-pfälzischen Wäldern. Doch nicht jeder Pilz ist essbar. Gut zu wissen, worauf man bei der Pilzsuche achten sollte.

Ob Steinpilz, Pfifferling oder Maronenröhrling: die Pilzsaison ist eröffnet. Dieses Jahr früher als sonst, weil das Wetter die perfekten Bedingungen für die Pilze bietet. Aber was muss beim Sammeln der Köstlichkeiten beachtet werden? Es gibt beispielsweise viele Doppelgänger, die ungenießbar oder sogar giftig sind.

Wir gehen im Hunsrück auf Pilzsuche und dabei der Frage nach, was denn beim Pilzsammeln so alles beachtet werden muss. Dafür haben wir einen passionierten Pilzsammler im Wald in der Nähe von Rheinböllen begleitet. Helmut Kolar ist seit 2008 Pilzsachverständiger und durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie zertifiziert. Er berät Pilzinteressierte und gibt Seminare.

"Lebewesen ganz eigener Art"

Ob Steinpilz, Riesenschirmpilz oder Perlpilz. Im Hunsrück sind viele genießbare Köstlichkeiten zu finden. Pilze bilden ihr ganz eigenes Reich in der Natur, denn sie gehören weder zur Pflanzen- noch zur Tierwelt.

Pilze auf einem Baumstamm (Foto: SWR, SWR -)
Viele Pilze leben in einer Symbiose mit Bäumen SWR -

Pilze leben einen Großteil des Jahres im Verborgenen. Zur richtigen Jahreszeit sind sie sehr häufig zu sehen -  beziehungsweise die Fruchtkörper. Denn der Fruchtkörper ist das, was man auf den ersten Blick sieht. Und genau diese Fruchtkörper werden im Allgemeinen als Pilze bezeichnet. "Pilze sind Lebewesen ganz eigener Art", erklärt Helmut Kolar. "Wir kennen die Pflanzenwelt die Flora, wir kennen die Tierwelt die Fauna und daneben gibt es die Pilzwelt die Funga. Der Pilz ist ein Lebewesen das unter der Erde lebt und im Grunde aus einem Geflecht besteht, ganz langen vielen, vielen Zellen."

Dabei handelt es sich um ein Wurzelgeflecht, das sogenannte Myzel. Das meist weiße Geflecht kann sogar mehrere Quadratkilometer groß werden. Das Myzel der Pilze kann sich auch mit den Wurzeln der Bäume verbinden. Viele Pilze leben dann in einer Symbiose mit den Bäumen. Der Pilz versorgt den Baum mit Wasser und im Gegenzug erhält der Pilz beispielsweise Zucker. Beide profitieren also voneinander.

Vorsicht vor Doppelgängern

Auch wenn sich im Moment viele Steinpilze finden lassen, muss beim Pilze sammeln aufgepasst werden, denn es gibt viele Doppelgänger. Die können ungenießbar oder sogar giftig sein. "Der Steinpilz hat einen Doppelgänger und zwar den wurzelnden Bitterröhrling. Der hat eine wurzelauslaufende Spitze und ist ungeheuer bitter", erklärt Pilzexperte Kolar. Deshalb rät er auch die Pilze herauszudrehen, damit sich möglichst viele Bestimmungsmerkmale erkennen lassen – besonders bei unbekannten Pilzen.

Wer im Wald Pilze sammeln möchte, sollte einige Regeln beachten. Der Pilzsachverständige empfiehlt feste Schuhe und eine lange Hose, weil Pilze meisten nicht direkt am Wegesrand stehen. Außerdem eignet sich ein Korb für den Transport der Fruchtkörper, denn nur dann lassen sich die Köstlichkeiten luftig transportieren. Eine Plastiktüte ist völlig ungeeignet, da die Pilze sehr schnell verderben. Ein Pilzmesser und eine Pilzbürste vervollständigen die Ausrüstung der Sammler. Man darf übrigens auch nur Pilzmengen für den privaten Gebrauch sammeln. Alles andere ist strafbar.

6.000 bekannte Pilze in Deutschland

Pilzexperte Helmut Kolar (Foto: SWR, SWR -)
Pilzsammler Helmut Kolar SWR -

Wie unterscheiden sich nun aber essbare von ungenießbaren oder giftigen Pilzen? "Einfache Regeln zur Bestimmung der Pilze gibt es nicht. Man muss wirklich jeden Pilz einzeln kennenlernen, seine Art und seine typischen Merkmale", erklärt Helmut Kolar. "Ein Pilzkenner kann Laien zeigen, wie ein Steinpilz aussieht, worauf man beim Stiel achten muss oder wie die Hut-Farbe ist oder wie die Röhren aussehen. Außerdem zeigt er den Unterschied zwischen einem Steinpilz und dem Gallenröhrling oder dem Bitterröhrling, die doch wieder ihre eigenen Merkmale haben", so Kolar weiter.

In Deutschland gibt es schätzungsweise 6.000 bekannte Pilze. Experten glauben, dass nur die wenigsten bisher als Speisepilze identifiziert sind. Pilze die man nicht sammelt, sollten übrigens auch nicht zerstört werden. Denn auch ungenießbare oder giftige Pilze leben oft in einer Symbiose mit den Bäumen.

Pilze bilden also ihr eigenes Reich in der Natur und die genießbaren Fruchtkörper kann man sich in diversen Gerichten schmecken lassen. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten. Denn nur die Pilze, die man zweifellos als essbar identifiziert, sollten auch gesammelt werden. Wer unsicher ist: Finger weg oder einen Pilzsachverständigen in der Nähe aufsuchen!

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