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In früheren Jahrhunderten riefen die Italiener "All’arme" - "Auf zu den Waffen" - und so ist das deutsche Wort Lärm entstanden. In Habachtstellung sind wir immer, wenn es laut zugeht. Lärm stört manchen mehr, manchen weniger. Aber zu viel macht definitiv krank.

Lärm hat viele Gesichter. Und kann oft ganz schön stören. Familie Heilmann aus Mainz wohnt mittendrin im Lärm: vor der Tür eine Hauptverkehrsader. Über dem Kopf die Einflugschneise zum Frankfurter Flughafen. Soviel Lärm bringt nicht nur die Mutter um den erholsamen Schlaf. Vera Heilmann: "Meine Kinder schlafen auch sehr schlecht, das merkt man daran, dass sie aus der Schule kommen, total müde sind und sich dann erstmal ins Bett legen müssen. Wir sind alle schon sehr gereizt".

Wie wird Lärm definiert?

Robert Koch ist Ingenieur bei der Gewerbeaufsicht. Er hat eine Beschwerde von Anwohnern vorliegen: Der Lüfter eines Lokals sei zu laut. Mit einem Schallpegelmessgerät überprüft er die Lautstärke. Gemessen wird in "Dezibel", benannt nach Graham Bell, dem Erfinder des Telefons. Ein normales Gespräch hat 55 Dezibel. Geht der Lärm nur 10 Dezibel hoch, ist er doppelt so laut. Das Bundesimmissionsschutzgesetz legt die Grenzwerte in Wohngebieten fest. Das ist dann Lärm.

Welche Auswirkungen hat Lärm auf das tägliche Leben?

Lärm ist nicht gleich Lärm. Mediziner unterscheiden zwischen einzelnen Lärmepisoden und Dauerlärm wie Fluglärm. Diesem ist Familie Weyandt in Mainz regelmäßig ausgesetzt. Die Familie fühlt sich in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt, sagt Nicole Weygandt. "Das macht mich schon sehr nervös und ich habe das Gefühl, ich komme nicht zur Ruhe. Ich kann nicht abschalten und werde auch nachts häufiger wach und merke einfach, es macht mich ganz nervös und unruhig einfach. Ich kriege auch manchmal Herzrasen, wenn sie so dicht über das Haus fliegen, weil das Haus dann auch vibriert".

Es gibt erste Studien dazu, dass Schulkinder in höherem Maße Lernschwierigkeiten haben, wenn sie Dauerlärm ausgesetzt sind. Die zwölfjährige Lotti Weygandt stellt bei sich Konzentrationsschwierigkeiten fest: "Wenn man sich unterhält und immer wieder das selbe Geräusch hört, konzentriert man sich auf das Flugzeug und nicht darauf, was der andere sagt".

Wann macht Lärm krank?

Lärm ist eine unterschätzte Gesundheitsgefährdung, betont Professor Manfred Beutel der Universitätsklinik Mainz. Der Psychosomatiker beteiligte sich an zahlreichen Lärm-Studien mit für ihn klaren Ergebnissen. Wer Dauerlärm ausgesetzt ist, ist gestresst. "Dauerstress führt dazu, dass unsere Stresshormone vermehrt ausgeschüttet werden, das hat Auswirkungen auf unser Herz-Kreislaufsystem. Wir wissen, dass eine Dauerbeschallung mit Lärm zu einem Blutdruckanstieg führt, wir wissen, dass das Herz-Kreislaufrisiko steigt und wir wissen auch, dass das Risiko psychischer Erkrankungen steigt wie Depressionen oder Ängsten".

Wodurch könnte Lärm weniger stören?

Dass manche Menschen sich schneller gestört fühlen als andere, kennen wir aus dem Alltag. Aber Dauerlärm greift irgendwann jeden an. Professor Manfred Beutel: "Es gibt auch einen gewissen Spielraum, sich an Lärm anzupassen, der ist aber nicht sehr groß. Wenn Lärm störend erlebt wird, müssen wir davon ausgehen, dass Lärm zu Stress führt und das gilt vor allem für Dauerlärm".

Fazit

Wer von Lärm spricht, muss zwischen einzelnen Episoden und Dauerlärm unterscheiden. Dauerlärm ist schädlich, unabhängig davon, ob man sich als lärmempfindlich einstuft oder nicht. Denn der Körper reagiert sogar im Schlaf darauf und treibt den Blutdruck hoch. Nachts ist der Körper dem Lärm schutzlos ausgeliefert. Tagsüber mag der Charakter eine Rolle spielen, ob man Geräusche als wenig oder sehr störend einstuft.

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