Kassen sollen Kosten übernehmen

Cannabis auf Rezept

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Der Gesetzgeber hat beschlossen bei schweren Erkrankungen die Kosten für Cannabis durch die Krankenkassen übernehmen zu lassen. Doch eindeutig ist die Sachlage nicht.

Was ändert sich?

Patient hält eine Dose mit medizinischem Cannabis in der Hand (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Cannabis aus der Apotheke picture-alliance / dpa -

Bisher konnte man auf Vorlage von Rezepten Cannabis kostenpflichtig in der Apotheke erwerben, musste aber die Kosten dafür selbst übernehmen. Jetzt beschlossen das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kurz auch BfArM genannt, dass Krankenkassen künftig die Kosten übernehmen sollen, damit alle Patienten Zugang zu dem Arzneimittel haben können. Zudem plant die BfArM eine eigene Cannabisagentur, die den Anbau von Cannabis kontrollieren und deutschen Cannabis, mit gesicherter Qualität, in die Apotheken bringen soll.

Wann übernehmen Krankenkassen die Kosten?

Der Erwerb von Cannabis gestaltete sich bisher auch mit Rezept als schwierig, da man eine Sondergenehmigung der BfArM benötigte, um Cannabis kaufen zu können. Bisher wurden bundeweit nur 1.020 solcher Genehmigungen von der BfArM erteilt. Mit Genehmigung war der Erwerb legal in der Apotheke möglich, aber für den Patienten sehr teuer. Die Kosten wurden nicht von den Krankenkassen erstattet; der eigene Anbau war verboten. Seitdem wurde die Wirkung von Cannabis immer weiter erforscht und nun steht es Ärzten frei, Cannabis zu verordnen. Die neue Verordnung soll auch dazu beitragen, Cannabis als Heilmittel weiter zu erforschen. Der Gesetzgeber erlaubt nun bei "schweren, chronischen Erkrankungen" und in der Palliativmedizin die Verordnung von Cannabis. Allein der verschreibende Arzt entscheidet das. Eine Sondergenehmigung der BfArM ist nicht mehr nötig. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, behalten sich jedoch vor das in einer Einzelfallprüfung zu kontrollieren. Also wie bei anderen Medizinprodukten können die Kassen die Kostenübernahme mit Begründung auch ablehnen.

Wogegen hilft Cannabis?

Cannabis wird vielseitig eingesetzt. Verwendung findet es vor allem in der Schmerztherapie und zur Behandlung von Multipler Sklerose. Weiterhin ist die Wirkung von Cannabis nicht gänzlich klar. Patienten mit Vorerkrankungen am Herzen oder Psychosen wird die Cannabis Behandlung nicht empfohlen. Auch Patienten mit einer Sucht-Vorerkrankung dürfen kein Cannabis erhalten. Eingesetzt wird es außerdem auch bei Appetitlosigkeit durch AIDS, Asthma, Tuberkulose, Reizdarmsyndrom und Depressionen. Auch hierbei ist die Wirksamkeit nicht gänzlich erforscht. Mit dem neuen Gesetz beginnt auch eine Studie. Jeder Arzt der Cannabis verschreibt muss daran teilnehmen. Die Studie soll gesicherte Erkenntnisse über den sinnvollen Einsatz von Cannabis bringen. Solange ist Cannabis ein "Off-Lable"-Heilmittel.

Wen betrifft die neue Verordnung?

In erster Linie betrifft die Änderung natürlich Patienten, die darauf angewiesen sind und bisher die Kosten selbst übernehmen mussten. Des Weiteren betrifft es Ärzte, da sie ihr Behandlungsspektrum erweitern könnten und natürlich die Krankenkassen. Cannabistherapie ist teuer – und belastet das Budget des verschreibenden Arztes. Sinnvollerweise wäre Cannabis genau wie andere Opioide auf der "nicht-zum Budget-fallenden-Liste". Sonst wird sich kaum ein Arzt leisten können das Heilmittel zu verschreiben.

Wie verhindert man den Missbrauch?

Der Missbrauch wird genau wie andere Opioide vom verschreibenden Arzt überwacht. Die genaue Menge für den sinnvollen Einsatz ausgerechnet. Der illegale Weiterverkauf ist von daher unwahrscheinlich.

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SWR Fernsehen