Landfrauen (Foto: SWR, SWR -)

Nur Rezepte austauschen? Von wegen!

Heute gibt es die modernen Landfrauen

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Woran denken Sie, wenn Sie Landfrauenvereine hören? Rezepte austauschen und Kochen? Schade. Mit diesen Klischees haben die Frauen seit 70 Jahren zu kämpfen. Dabei ist das Frauennetzwerk viel mehr.

Landfrauenvereine gibt es in Deutschland seit 70 Jahren – die Wurzeln reichen aber bis ins 19. Jahrundert zurück. Heute vertritt der deutsche Landfrauenverband e.V. (dlv) mit seinen 500.000 Mitgliedern die Interessen von Frauen und Familien im ländlichen Raum. Und doch kämpfen sie immer wieder mit den gleichen Klischees: Rezepte austauschen und Kuchen backen – ein Verein für Bäuerinnen. Alexandra Widiger aus Bad Kreuznach zeigt, dass man die Traditionen der Landfrauen mit dem heutigen Zeitgeist verbinden kann. Die 23-Jährige wurde dieses Jahr zur Landfrau des Jahres gekürt. Umso mehr wird sie darauf angesprochen und gefragt:

Was machen eigentlich die Landfrauen?

Mit Fortbildungen und Podiumsdiskussionen machen sie auf ihre Themen aufmerksam. Rita Lanius-Heck ist Präsidentin des Landfrauenverbandes Rheinland Nassau, hat Politikerinnen und Politiker nach Bad Kreuznach auf den Bauernmarkt geladen – und alle sind gekommen. Es zeigt, dass die Landfrauen ein wichtiger Teil der politischen Diskussion sind und gehört werden.

Seit wann gibt es Landfrauen?

Die Wurzeln liegen bereits 120 Jahre zurück. In Deutschland entstand damals die Landfrauenbewegung. Die Gutsfrau Elisabeth Boehm wollte die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Frauen auf dem Land verbessern. Sie gründete den ersten landwirtschaftlichen Landfrauenverein – später dann Frauenverband.

LandFrauen früher (Foto: SWR, SWR -)
Ländliche Hauswirtschaft war zwar wichtig, doch die Bäuerinnen sollten mit ihrem Hof eigene Verdienstquellen erschließen und sich von den Männern unabhängig machen. So war es wichtig die Frauen Auszubilden – auch zum Thema Finanzen und SWR -

Zunächst wurden diese Verbände nur für Bäuerinnen, dann auch für alle Frauen auf dem Land geöffnet.

Zu den primären Zielen gehören Fortbildungen für Frauen, die Förderung der politischen Mitgestaltung und Themen wie ungleiche Bezahlung: Laut Institut für Wirtschaftsforschung verdienen Frauen in ländlichen Regionen ein Drittel weniger als Männer. 

Welche politischen Forderungen haben Landfrauen?

Aktuell seien es die Themen Ärzteversorgung, Schließung von Grundschulen – einfach die Daseinsfürsorge, die Frauen brauchen, um im ländlichen Raum zu bleiben, so die Präsidentin Rita Lanius-Heck.

Auch die Digitalisierung sei notwendig auf dem Land. Wenn keine stabile und moderne Infrastruktur gegeben ist, könne man keine Frauen auf dem Land halten. "Mit jeder Frau geht auch eine potenzielle Familie", resümiert Lanius-Heck. Auch die ungleiche Bezahlung sei noch immer nicht vom Tisch: Mit Equal-Pay Beraterinnen versuchen die Landfrauen entgegenzuwirken und setzen sich für gleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau, aber auch Stadt und Land, ein.

Wie begegnen Landfrauen dem demografischen Wandel?

Landfrau des Jahres: Alexandra Widiger (Foto: SWR, SWR -)
Ihre Mutter war selbst Landfrau und nahm sie oft mit zu Fortbildungen. Dieses Jahr ist Alexandra Widiger Landfrau des Jahres geworden. SWR -

Die meisten Mitglieder kommen erst mit Mitte 40 zu den Landfrauen. Neue Schwerpunkte sollen jüngere Frauen locken. Ein wichtiges Thema dabei: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit Arbeitskreisen in den Ortsverbänden wollen die Landfrauen versuchen an junge Familien und ihre Sorgen und Themen heranzukommen.

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