Ein Verbotschild mit einem Windrad, dahinter ist ein Wald zusehen. (Foto: Getty Images, Thinkstock - Montage: SWR)

Kontroverse Diskussion im Land

Windenergie mit Turbulenzen

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An guten Standorten kann mit effizienten Windrädern kräftig Kasse gemacht werden. Viele Kommunen und Gemeinden im Land möchten von diesem Kuchen ein Scheibchen abhaben. Genau das führt zu immer heftigeren Konflikten.

Rheinland-Pfalz ist ein windiges Bundesland. Mehr als 1.600 Windräder sind quer übers Land verteilt. Zwei Drittel der regenerativen Stromerzeugung entfällt aktuell auf die Windkraft, die damit das Zugpferd der erneuerbaren Energien ist. 2.600 Windräder sollen es mittelfristig noch werden. So betrachtet steht Rheinland-Pfalz gut da: Hier werden jetzt schon beachtliche 20 Prozent der Brutto-Stromverbrauchs mit sauberer Windenergie erzeugt.

Wer darf Windräder aufstellen?

Proteste gegen Windkraft (Foto: SWR, SWR -)
Nicht jeder teilt die Zustimmung zur Windkraft SWR -

Wer eine Genehmigung nach dem Bundesemissionsschutzgesetz hat und die finanziellen Mittel für eine Millioneninvestition, der kann Windräder aufstellen.

Auf Landesebene muss dabei der Landesentwicklungsplan berücksichtigt werden. Er legt grundsätzlich fest, wo Windräder errichtet werden dürfen und wo nicht:

  • In Kerngebieten des Naturschutzes ist eine Aufstellung verboten.
  • Aus diesem Grund dürfen im UNESCO-Biosphärenreservat des Pfälzer Waldes Baumbestände nicht durch Windräder auseinandergerissen werden.
  • Im UNESCO-Welterbe Mittelrheintal kommen aus Gründen des Landschaftsschutzes keine Windräder in Frage.

Ein entscheidendes Auswahlkriterium für Standorte ist die "Windhöffigkeit", also die Windstärke, die im jeweiligen Gebiet regelmäßig auftritt.

Jahreswindgeschwindigkeiten von etwa sechs Metern pro Sekunde sollen eine wirtschaftliche Nutzung garantieren. Gemessen wird auf Nabenhöhe, also in 100 oder 140 Metern Höhe.

Wenn die "Windhöffigkeit" gegeben ist und Landkreis oder Kommune einverstanden sind, können Investoren, Bürgergemeinschaften oder Gemeinden eine Windkraftanlage aufstellen.

Welche Folgen haben Windräder für die Umwelt?

Sind sie einmal aufgebaut, beanspruchen Windkraftanlagen im Verhältnis zu ihrer Höhe wenig Platz.

Ein Schwertransporter mit Windkraftrotorblatt (Foto: SWR, SWR -)
Werden bald weniger Windräder aufgestellt? SWR -

Einschließlich der Versorgungswege, beträgt der Flächenbedarf oft weniger als ein halbes Fußballfeld. Probleme entstehen erst, wenn der Standort falsch ausgewählt worden ist. Dann kann es zu Konflikten mit dem Naturschutz kommen: Am "Ranzenkopf" zum Beispiel kam es Anfang des Jahres zu Konflikten, weil Anbieter ihre Windräder in einem alten Mischwald mit vielen Feuchtbiotopen bauen wollten.

Windräder können zudem den Vogelflug beeinträchtigen. Ein Parade-Beispiel hierfür liefert der Rotmilan. Aber auch Fledermaus und Wildkatze sind betroffen. Je nachdem wie hoch und wie weit die Windräder von den Ortschaften entfernt sind, kann es auch zur Lärmbelästigung kommen. Der sogenannte "Infraschall", dessen Frequenzen unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegen, soll nichtsdestotrotz Auswirkungen auf Bewohner haben können. Was gut für die Umwelt ist, kann also schlecht für die Menschen sein.

Was bringen Windräder für die Stromversorgung?

Saubere Energie aus Windkraft (Foto: SWR, SWR -)
Windkraft: Saubere Energie aus Rheinland-Pfalz SWR -

Windräder produzieren sauberen Ökostrom. Es wird dabei kein CO² in die Luft geblasen, wie bei Kohlekraftwerken, und es entstehen keine Entsorgungsprobleme wie bei Atomkraftwerken. Als Nahziel soll der Ausbau der Windkraft den Ausstoß von Klimagasen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren helfen. 100 Prozent saubere Energie will Rheinland-Pfalz bis 2030 produzieren und dann sogar Strom exportieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Das neu gefasste Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG, das 2017 in Kraft tritt ist, wird Subventionen nur noch im Rahmen bundesweiter Ausschreibungen gewähren - was nicht für alle Investoren von Vorteil ist.

Zukünftig werden wohl große Interessenten und Konzerne mehr Chancen haben, Ausschreibungen zu gewinnen, als kleine Investoren, wie etwa Bürgergenossenschaften. Durch das EEG entsteht Planungsunsicherheit: unter Umständen könnten sich bereits in Vorleistung erbrachte Gutachterkosten nicht mehr rentieren.

Fazit

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