Wer zwitschert da? Dem Vogelgesang auf der Spur

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Im Mai wird es laut draußen in der Natur: Alle heimischen Brutvögel sind nun in ihre Gebiete zurückgekehrt und viele von ihnen machen stimmgewaltig auf sich aufmerksam. Der Vogelgesang: Die akustische Untermalung der Frühlingslandschaft.

Welche Vögel singen?

Einen eigentlichen Gesang bringen vor allem die Singvögel hervor. Es handelt sich bei ihnen um eine Unterordnung der Sperlingsvögel, die wiederum die größte Ordnung in der Klasse der Vögel bilden. Aber die Zuordnung ist manchmal etwas verwirrend: Auch Krähen gehören zu den Singvögeln, obwohl man es ihrer Stimme nicht unbedingt anhört. Dafür lassen auch andere Vögel einen Gesang hören, Tauben etwa, die nicht zur Ordnung der Singvögel gehören.

Singvogel hin oder her: Fast alle Vögel geben Töne von sich. Abgesehen vom Gesang gibt es noch zahlreiche andere Lautäußerungen, die alle eine bestimmte Funktion erfüllen: Warn-, Bettel- und Kontaktrufe etwa.

Warum singen Vögel?

Viele Naturbeobachter machen sich nicht klar, dass unsere Vögel nicht etwa frei herumflattern, wo sie gerade wollen: In der Brutzeit haben die Vögel - oft sogar ziemlich eng begrenzte – Reviere inne, die sie heftig gegen Artgenossen verteidigen.

Vogelgesang 4 (Foto: SWR, SWR -)
"Achtung, mein Revier!" - Stimmgewaltig für Präsenz sorgen, mit beeindruckendem Gesang SWR -

Diese Reviere müssen Schutz und Nahrung bieten, um ein Nest zu bauen, Eier auszubrüten und die Jungen großzuziehen. Der Vogelgesang dient dazu, männliche Konkurrenten auf Abstand zu halten: "Stopp! Das ist mein Reich!". Gleichzeitig soll er Weibchen anlocken und das Männchen attraktiv für eine Brutpartnerin machen. Und wenn das Weibchen brütet, hat der Vogelgesang noch eine Funktion: Er signalisiert, dass das Männchen da ist und aufpasst.

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Eine Taube sitzt in einem Busch und frisst eine rote Beere (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Frank Rumpenhorst)
Der ursprüngliche Lebensraum der Ringeltaube setzt sich aus offenen Landschaften mit kleineren Waldflächen oder Feldgehölzen zusammen. Ringeltauben sind heute auch in Grünanlagen, Parks, Friedhöfen und größeren Gärten heimisch. picture-alliance / dpa - Frank Rumpenhorst Bild in Detailansicht öffnen
Bei Gartenbesitzern sind Elstern meist unbeliebt. Sie gelten als Singvogelkiller, obwohl diese nur 15-20 Prozent der Nahrung ausmachen und obwohl viele Kleinvögel in Nachbarschaft von Elstern trotzdem höchste Siedlungsdichten erreichen. picture-alliance / dpa - Sören Stache Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schwarm von kleinen grünlichen Vögeln fliegt dicht an dicht durch die Luft. Da kommt im Winter eigentlich nur der Erlenzeisig in Frage. Wenn ein Vogel näher vorbeifliegt, sieht man das leuchtende Gelbgrün von Brust, Bürzel und Flügelbinden. picture-alliance / dpa - Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Wer in dörflicher Umgebung wohnt, hat gute Chancen, auch den Feldsperling im Garten beobachten zu können. Er hat sich an menschliche Siedlungen angepasst, bevorzugt dabei jedoch ländlichere Gebiete, die genügend Nahrung bieten. picture-alliance / dpa - Stefan Sauer Bild in Detailansicht öffnen
Dem Haussperling oder Spatz ist sicherlich schon jeder begegnet. Er ist an seinem grauen, kastanienbraun eingefassten Scheitel, weißen Wangen und einem schwarzen Latz gut zu erkennen, während das Weibchen überwiegend ein schlichtes Graubraun trägt. picture-alliance / dpa - Julian Stratenschulte Bild in Detailansicht öffnen
Viele Begegnungen mit dem Eichelhäher beginnen mit einer Überraschung: Hat da nicht ein Mäusebussard gerufen, oder ein Graureiher? Tatsächlich ist der Eichelhäher ein Meister der Imitation, dem selbst Vogelexpertenauf den Leim gehen können. picture-alliance / dpa - Patrick Pleul Bild in Detailansicht öffnen
Der Kleiber ist ein kleiner, kompakter Vogel, der geschickt an Baumstämmen und Ästen auf und ab klettern kann. Hier sucht er nach Insekten, die sich in den Ritzen der Borke verstecken oder auf Blättern zu finden sind. Er kann sogar kopfabwärts picture-alliance / dpa - Paul Zinken Bild in Detailansicht öffnen
Der Grünfink ist ein typischer Hecken- und Gebüschbrüter. Auch Kletterpflanzen an Hausfassaden werden zur Familiengründung gerne aufgesucht. Je dichter desto besser, lautet seine Devise, um das Nest bestens zu verstecken. picture-alliance / dpa - Patrick Pleul Bild in Detailansicht öffnen
Fast jeder kennt sie: Amselmännchen sind schwarz und haben einen gelben Schnabel. Ihre Weibchen dagegen sind durchgehend schlicht braun gefärbt - ähnlich die Jungvögel, von denen die ersten oft schon im April auf Büschen und Bäumen um Futter betteln. picture-alliance / dpa - Patrick Pleul Bild in Detailansicht öffnen

Wann singen Vögel?

Normalerweise zur Brutzeit. Wann das genau ist, ist von Art zu Art verschieden, aber jetzt, im Spätfrühjahr sind die meisten Vögel mit der Fortpflanzung beschäftigt. Ausgelöst wird der Gesang durch eine bestimmte Helligkeit und durch die Tageslänge. Daher setzt der Gesang bei den meisten Arten relativ unabhängig vom Wetter zu einem bestimmten Zeitpunkt im Frühling ein. Die Helligkeit ist auch entscheidend für die Aktivitätsphasen im Tagesverlauf.

Im Sommer, am Ende der Brutzeit, wird es dann wieder still in der Natur. Der Vogelgesang lässt nach und verebbt schließlich. Die Brutreviere lösen sich auf, und die Vögel streifen auf Nahrungssuche umher und versuchen, sich Fettvorräte für den Zug ins Wintergebiet beziehungsweise die harten Zeiten in der kalten Jahreszeit anzufressen. Im Herbst kommt es allerdings bei manchen Arten noch einmal zu Gesangsaktivität, dem sogenannten "Herbstgesang".

Wie kann man Vögel am Gesang erkennen?

Früher musste man sich mit den Umschreibungen in Vogelbüchern behelfen. Aber wer weiß schon, wie das "si-srü-tillilil krschkrschkrsch" des Hausrotschwanzes in Wirklichkeit klingen soll?

Vogelgesang 3 (Foto: SWR, SWR -)
Mit der App geht´s ganz leicht: Vogelarten am Gesang erkennen SWR -

Ganze Generationen von Hobby-Ornithologen haben sich auf Schallplatten und CDs mit Vogelstimmen verlassen. Heute ist das noch einfacher. Internet und praktische Apps für Smartphone und Tablet lassen sich überall abrufen. Eine gute Möglichkeit sind nach wie vor Vogelstimmenwanderungen, wie sie etwa der Nabu regelmäßig anbietet. Hier bekommt man auch Tipps und Eselsbrücken, wie man sich die Stimmen verschiedener Arten einprägen kann.

Wer die Stimmen erlernen will, kommt an eigener Naturbeobachtung nicht vorbei. Experten raten dazu, langsam vorzugehen und sich nicht frustrieren zu lassen. Einige relativ leicht zu erkennende Arten wie der Zilpzalp sind für den Anfang genug. Fortgeschrittene werden sich weitere Gesänge über Ähnlichkeiten erschließen: Auch wer noch nie eine Dorngrasmücke gehört hat, wird, wenn er Garten- und Mönchgrasmücke kennt, bemerken, dass sie "grasmückenartig" singt – und kann dann entsprechend vergleichen.

Fazit

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