Wenn die fiese Polle wieder fliegt (Foto: SWR, SWR -)

Wenn die fiese Polle wieder fliegt Leidenszeit für Heuschnupfengeplagte beginnt

Der Winter war kalt, die letzten Wochen aber plötzlich sehr warm. Und sogleich fangen die Frühblüher an, ihre Pollen zu verbreiten. Sehr zum Leidwesen der vielen Pollen-Allergiker. Die Heuschnupfenzeit hat wieder begonnen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Warum reagiert der Körper mit Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf Blütenpollen. Das Immunsystem erkennt die eigentlich ungefährlichen Pollen als Fremdkörper und löst eine Abwehrreaktion aus. Als Folge schwellen die Schleimhäute an.

Die schwächsten Symptome sind wie bei einer Erkältung - nur ohne Erkältung. In schlimmen Fällen kann Heuschnupfen aber sogar bis hin zu Asthma führen.

Welche Gefahren bringt Heuschnupfen mit sich?

Heuschnupfen kann weitere Allergien zum Beispiel gegen bestimmte Nahrungsmittel auslösen. Die größte Gefahr ist jedoch der sogenannte Etagen-Wechsel. Simple Schnupfen-Symptome werden zu chronischem Asthma.

Dr. Stephan Scheicher, Allergologe in Mainz (Foto: SWR, SWR -)
Dr. Stephan Scheicher, Allergologe in Mainz SWR -

"Dass heißt, dass die Heuschnupfen-Beschwerden von dem oberen Rachenraum und der Nase eine Etage tiefer, sprich in die Lunge rutschen", erklärt der Allergologe Dr. Stephan Schleicher. "Und deswegen soll der Patient auch möglichst hyposensibilisiert werden, also eine spezifische Immuntherapie gegen die Pollen bekommen, um das zuverlässig zu verhindern."

Bei der spezifischen Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung wird das Allergen zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. (Foto: SWR, SWR -)
Bei der spezifischen Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung wird das Allergen zunächst wöchentlich gespritzt bis die maximal verträgliche Dosis erreicht ist. SWR -

Die Hyposensibilisierung bekommt der Patient dann monatlich per Spritze – drei Jahre lang. Man sollte am besten bereits in den ersten Jahren nach Beginn der Symptome mit der Therapie anfangen. Dann hat sie den größten Effekt – egal wie alt man ist.

Denn die Allergie kann irgendwann im Leben auftreten. Es gibt auch 60jährige, die zum ersten Mal ihren Heuschnupfen bekommen. Auch für "Spätstarter" ist eine Hyposensibilisierung noch sinnvoll.

Eine weitere Gefahr, der Allergiker ausgesetzt sind, ist das so genannte Gewitter-Asthma. Vor einem Gewitter werden durch den auffrischenden Wind viele Pollen aufgewirbelt.

Pflanzen erkennen, wenn der Wind auffrischt und nutzen die Gelegenheit, ihre Pollen fliegen zu lassen. Es kommt zu einer starken Freisetzung von Pollen, die sich in der feuchten Gewitterluft regelrecht vollsaugen und platzen.

Die Folge: Viele winzige Pollenpartikel werden eingeatmet und dringen durch ihre geringe Größe viel tiefer in die Lunge. Dadurch kann es vorkommen, dass auch Allergiker plötzlich Atemnot bekommen, die vorher nie mit Asthma zu kämpfen hatten. In Australien sind 2016 sechs Menschen bei Gewitter-Asthma-Anfällen gestorben.

Wieso müssen sich Allergiker auf immer mehr Heuschnupfen einrichten?

Grund dafür ist der Klimawandel. Durch die Klimaerwärmung dauern die Vegetationsperioden länger an. Das heißt, die Blüte der Bäume und der anderen Pflanzen verlängert sich. Und dadurch kommt es zu einer verlängerten Freisetzung der Pollen. 

Übrigens: Bäume und Gräser an viel befahrenen Straßen sind "gefährlicher" für Allergiker, denn durch den Feinstaub und die Rußpartikel werden die Hüllen der Blütenpollen öfter verletzt und die allergenen Stoffe so öfter freigesetzt, als an Orten, wo die Pollen unbeschädigt zu Boden fallen.

Fazit

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