Wenn das Tattoo nicht mehr gefällt Gesundheitsrisiko Tattoo-Entfernung?

Dauer

Immer mehr Menschen lassen sich tätowieren: Laut einer Studie der Uni Leipzig ist jeder fünfte Deutsche tätowiert, in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren sogar jede zweite Frau, Tendenz steigend. Doch nicht jedes Tattoo gefällt bis zum Lebensende: Jeder zehnte bereut später sein Tattoo, bei anderen bringen Lebensveränderungen das Tattoo auf den Prüfstand: Man hat sich den Namen der oder des Liebsten unter die Haut gravieren lassen, doch die Beziehung hält nicht, der Neue findet das Tattoo des Verflossenen vielleicht nicht so sexy.

Es gibt viele Gründe, warum das Tattoo später stört. Früher blieb nur wegschneiden lassen, heute ist die Standardtechnik zur Tattoo-Entfernung das Lasern. 1,2 Millionen Menschen nehmen Schätzungen zu Folge jedes Jahr eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch. Doch auch das ist – genau wie das Tätowieren selbst – nicht ohne gesundheitliche Risiken.

Wie funktioniert die Laserbehandlung?

Der Laser zerschießt die unter der Haut eingelagerten Farbpartikel mit einem hochenergetischen Lichtimpuls von extrem kurzer Dauer, diese werden dabei auch stark erhitzt. Die Farbpartikel, manche davon in Nano-Größe, werden dann vom Immunsystem über die Lymphe abtransportiert. Die Haut reagiert wie auf eine Verbrennung: Rötungen, Blasenbildung, Verkrustungen und Abschuppungen sind die Folge. Die Haut entzündet sich und braucht dann erstmal vier Wochen Ruhe vor der nächsten Laserbehandlung.

Für kleine Tattoos, die nicht zu tief und nur in schwarz gestochen sind, ist die Chance größer, dass man sie entfernen kann. Bunte Tattoos oder überstochene und vorvernarbte Tattoos stellen behandelnde Hautärzte wie Dr. Stephan Große-Büning vor eine schwierigere Aufgabe. An der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz wird mit einem hochmodernen Neodym-dotierten YAG-Laser gearbeitet, einem Laser neuester Generation.

In Tattoo- oder Kosmetikstudios sind oft Lasergeräte älterer Generationen im Einsatz. Wenn das Tattoo nicht mehr zu sehen ist, ist jedoch nur ein kosmetisches Problem behoben. Denn die Farben sind zwar auf der Haut nicht mehr zu sehen, doch weiterhin im Körper.

Tattoo-Entfernung (Foto: SWR)
Bis zu zehn Laserbehandlungen sind nötig, bis ein Tattoo "verschwunden" ist, je nach Machart, Größe und farbgestaltung des Tattoos.

Welche Gesundheitsrisiken gibt es?

Mediziner haben in Körpern verstorbener Tätowierter bunt eingefärbte Lymphknoten gefunden. Die Farben, die keiner strengen Kontrolle unterliegen, sind oft mit Schwermetallen, hoch-allergenen Metallen wie Nickel und anderen toxischen Stoffen wie PAKs oder krebserregende aromatische Amine kontaminiert oder enthalten verbotene Azofarbstoffe. Es sind sogar Fälle bekannt – so Lebensmittelchemiker Christopher Tschiersch vom Landesuntersuchungsamt Koblenz – wo Autolackfarben in Tätowier-Mitteln gefunden wurden.

Die bei der Laser-Behandlung zertrümmerten Farben reichern sich in den Entgiftungsorganen des Körpers wie Leber, Nieren und Lymphknoten an, ausscheiden kann sie der Körper größtenteils nicht. Welche Spaltprodukte beim Lasern selbst entstehen, wenn die Farbpartikel unter großer Hitzeeinwirkung zertrümmert werden, weiß derzeit niemand.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat seit wenigen Jahren eine eigene Forschungsgruppe zur Bewertung des Risikos durch Tattoo-Farben und Tattoo-Entfernungen gebildet. Im Moment weiß niemand, wie groß das gesundheitliche Risiko dadurch tatsächlich ist.

Was ist in den Farben enthalten?

Die Tätowiermittel sind seit 2009 durch die deutsche Tätowiermittelverordnung geregelt, hier sie enthält eine Liste von Stoffen, die nicht mehr verwendet werden dürfen. Eine Positivliste mit Farben, die unbedenklich sind, gibt es bisher nicht.
Tätowiermittel bestehen im Wesentlichen aus Farbmitteln (Pigmenten) und Suspensionsmitteln als Trägerflüssigkeit. Die Trägerflüssigkeit kann Verdicker, Konservierungsstoffe und viele andere Einzelsubstanzen enthalten. Bisher werden Tattoofarben behandelt wie Kosmetika: Dabei werden die Farben unter die Haut eingebracht und nicht – wie Kosmetika – nur auf die Haut.

Es gibt keine strenge Kontrolle der Farben, immer wieder findet auch das Landesuntersuchungsamt in Koblenz bei Stichproben Substanzen, die eindeutig gesundheitsgefährdend und möglicherweise krebserregend sind.

Tattoo-Entfernung  (Foto: SWR)
Die Risiken der Tatowiermittel sind noch nicht ausreichend erforscht. Gerade über die Wirkung von Farbpigmenten im Körper sei wenig bekannt, weswegen keine Farbe als sicher gelten könne, erklärt das BfR.

Neben Schwermetallen wie Kadmium und Blei können das auch allergieauslösende Substanzen wie Nickel sein, die in Tatowiermittel enthalten sind. Vor allem Farben aus dem roten Farbspektrum, das Pink, Lila und Orange umfasst, lösen nach Erfahrung von Hautärzten oft heftige Allergien aus.

Wer darf die Laserbehandlung anbieten?

Momentan dürfen neben Hautärzten auch darauf spezialisierte Tattoo- und Kosmetik-Studios Laserbehandlungen vornehmen. Problematisch findet das Dr. Stephan Große-Büning von der Mainzer Hautklinik der Universitätsmedizin. Nur ein Hautarzt könne erkennen, ob in dem Tattoo beispielsweise eine Entzündung oder Allergie vorliege. Hier bestehe die Gefahr, dass eine Allergie bei einer Laserbehandlung quasi explodiere. Das kann bis hin zu einem anaphylaktischen Schock gehen, wenn jemand empfindlich reagiert. Auch die Beurteilung von Muttermalen, die von der Laserbehandlung betroffen sein könnten, gehöre in die Hand eines Arztes, der sich mit Hautgesundheit gut auskenne.

Auch der Gesetzgeber hat Handlungsbedarf erkannt und festgelegt, dass Tattoo- und Kosmetikstudios nur noch bis Ende 2020 Laserbehandlungen vornehmen dürfen, danach liegt dieses Verfahren in Ärztehand.

Fazit

Tattoo-Entfernung per Laser birgt genau wie das Tätowieren selbst ein Gesundheitsrisiko: Toxische Farbstoffe wandern in die Entgiftungsorgane des Körpers. Schon in den ersten vier Wochen nach dem Stechen des Tattoos sind das bis zu 30 Prozent der Farbpartikel, beim "Entfernen" per Laser ist es letztlich die komplette Farbe. Die Gesundheitsfolgen sind völlig ungeklärt und werden derzeit gerade erst erforscht. "Stop and think before you ink" ist deshalb der beste Ratschlag, den man jungen Menschen geben kann: Erst informieren, dann tätowieren!

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