Herzrasen, Zittern, Atemnot Wenn Angst das Leben bestimmt

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Angst gehört zum Leben. Sie ist ein urmenschliches Gefühl, das mitunter lebensrettend sein kann. Sie hilft uns, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren.

Wenn Ängste außer Kontrolle geraten, können sie krankhaft werden. Etwa ein Viertel aller Menschen leiden einmal in ihrem Leben unter einer Angststörung. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Was sind Angststörungen?

Menschen, die an einer Angststörung leiden, haben übersteigerte Angst oder fürchten sich vor Dingen oder Situationen, die andere Menschen normal finden. Für sie ist die Angst ein permanenter Begleiter, obwohl keine reale Bedrohung existiert.
Es gibt verschiedene Arten von Angststörungen. Zu den häufigsten zählen:

  • Panikstörungen: urplötzlich auftretende Angstanfälle, extreme Ängste wie Todesangst oder "Panikattacken", die meist nur einige Minuten andauern
  • Platzangst (Agoraphobie): Angst vor weiten Plätzen
  • generalisierte Angststörung: langanhaltende Ängste und Sorgen, die zu Anspannung, innerer Unruhe und Nervosität führen
  • soziale Phobie: Angst vor negativer Beurteilung durch andere Menschen
  • spezifische Phobie: Angst vor einzelnen Dingen oder Situationen, die an sich nicht gefährlich sind, wie Spinnen, Spritzen oder Fliegen
einsame Frau (Foto: SWR)
Die Angst bestimmt das Leben der Menschen und isoliert sie von ihrem sozialen Umfeld.

Wo hört normale Angst auf, wo fängt krankhafte Angst an?

Bei Menschen mit Angststörungen treten Ängste häufiger und mit höherer Intensität auf als Menschen ohne Angststörung dies erleben. Um zu erörtern, ob das Angstgefühl das normale Maß übersteigt und eventuell sogar krankhaft ist, können laut der Patienten-Leitlinie Menschen mit Angststörungen folgende Fragestellungen helfen:

  • Ich denke mehr als die Hälfte des Tages über meine Ängste nach.
  • Ich werde durch die Ängste in meiner Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt.
  • Wegen meiner Ängste werde ich immer depressiver.
  • Wegen meiner Ängste hatte ich schon Selbstmordgedanken.
  • Ich bekämpfe meine Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
  • Wegen meiner Ängste ist meine Partnerschaft oder meine Arbeit ernsthaft in Gefahr.

Stimmt man mindestens einer dieser Aussagen zu, so raten Experten zur psychotherapeutischen Hilfe.

Wodurch kann eine Angststörung entstehen?

Die Gründe, warum Angststörungen entwickelt werden, sind vielschichtig und sehr individuell. So können vergangene oder aktuell belastende Lebensereignisse, andere seelische oder körperliche Erkrankungen oder soziale Belastungen (zum Beispiel Arbeitslosigkeit) die Ursache sein.

Angst in der Dunkelheit (Foto: SWR)
Angst vor der Dunkelheit kann beispielsweise auch durch negative Erfahrungen im Dunkeln hervorgerufen werden.

Schon die Erziehung kann eine Rolle spielen. Hier kann beispielsweise ein furchterzeugendes Elternverhalten eine spätere Angststörung begünstigen. Furchterzeugendes Elternverhalten bedeutet, dass die Eltern selbst ängstlich sind, dies ihre Kinder spüren lassen und sie aus Angst, es könnte etwas passieren, einschränken. Die frühkindliche Erfahrung mit den primären Bezugspersonen kann entscheidend sein, also auch die Bindungserfahrung. Ist ein Mensch sicher gebunden und hat positive Erfahrungen mit einem oder beiden Elternteilen gemacht, so kann er sich in der Regel in kritischen Situationen und in Gefahrensituationen darauf zurückbeziehen. Diese Menschen haben ein geringeres Risiko, unter Angst zu leiden.

Darüber hinaus können auch biologische, erbliche Faktoren, wie zum Beispiel angeborene Temperamentfaktoren, eine Rolle spielen. So sind manche Menschen bereits im Kleinkindalter eher draufgängerisch und selbstbewusst, andere wiederum schüchtern und ängstlich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Welche Behandlung in Frage kommt, hängt in erster Linie sehr individuell von der jeweils vorliegenden Angststörung, der persönlichen Krankheitsgeschichte und auch von den Wünschen der Patienten ab.

Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten können eine Diagnose stellen. Angststörungen lassen sich in der Regel gut mit Psychotherapien und / oder Medikamenten behandeln. Zusätzlich können Maßnahmen wie bestimmte Entspannungsverfahren und sportlicher Ausgleich helfen.

Fazit

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