Vom Aussterben bedroht Warum seltene Nutztierrassen erhalten werden

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Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Der Westerwälder Kuhhund ist eine der gefährdeten Nutztierrassen des Jahres 2020. Die zweite ist das Pustertaler Rind. Die Liste der seltenen Nutztierrassen ist lang - vor allem Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel sind betroffen.

Seltene Nutztiere sind ein Teil Kulturgut

Jede Nutztierrasse hat regionale Besonderheiten, ihre Herkunft tragen sie im Namen, wie zum Beispiel die Glanrinder aus der Pfalz oder der Westerwälder Kuhhund. Ihre Dienste werden allerdings in der industriellen Landwirtschaft nicht mehr benötigt. Dabei sind sie viel robuster gegen Krankheiten, Kälte oder Wärme. Sie haben auch eine längere Lebenserwartung als ihre hochgezüchteten Artgenossen heute. Ihr Erhalt ist deshalb so wichtig, weil der Genpool der Nutztierrassen immer kleiner wird.

Das sind gefährdete Nutztierrassen

Das Brillenschaf, die Weiße Gehörnte Heidschnucke und die Schwarzwaldziege sind uralte Nutztierrassen, die in Vergessenheit geraten und leider auch aussterben.

Heutige Nutztierrassen sind hochgezüchtet, erbringen eine bestimmte Leistung und das in einer Menge, die gar nicht mehr ihrer Natur entspricht, zum Beispiel Milchvieh oder Mastschweine. Seltene Nutztierrassen wie Glanrinder zum Beispiel haben noch eine Ursprungsform.

Nutztierrassen

Glanrind (Foto: SWR)
Ursprünglich kommen Glanrinder aus der Pfalz und sind dort noch heute beheimatet. Bild in Detailansicht öffnen
Der Westfälische Totleger fällt besonders wegen seiner enorm hohen Legeleistung auf. Wegen seiner Robustheit hat das Huhn weniger Probleme bei rauen Witterungsbedingungen. Bild in Detailansicht öffnen
Das "Bunte Bentheimer Schwein" steht ebenfalls auf der Roten Liste. Ein Grund ist, dass sein Fleisch zu fetthaltig ist und in der heutigen Zeit der Verbraucher Wert auf mageres Fleisch legt. Bild in Detailansicht öffnen
Zu den bedrohten Nutztierarten gehört auch die Kröllwitzer Pute, ein imposantes Tier, welches aber nicht genug Fleisch ansetzt. Bild in Detailansicht öffnen

Wer nicht genug leistet, wird vergessen

Nutztiere werden gehalten, weil sie dem Menschen "nützlich" sind: Die Glanrinder beispielsweise halfen früher dem Menschen beim Pflügen des Ackers als Arbeitstiere, sie lieferten Fleisch und Milch. Sie waren ein sogenanntes "Drei-Nutzungs-Rind". Bis die Industrialisierung der Landwirtschaft die Arbeit auf dem Acker durch Traktoren und Maschinen ersetzte. Milch liefert heute fast weltweit die "Holstein-Friesian", eine Art Milchmaschine, die schwarz-weiß gecheckt ist.

Der Elektrozaun ersetzt den Kuhhund

Vom Aussterben besonders bedroht sind Rinder-, Schweine-, Schaf- und Geflügelrassen. In der Forstwirtschaft haben Maschinen den Tieren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier sind Pferderassen bedroht, zum Beispiel solche, die früher im Wald fürs Holzrücken eingesetzt wurden.

Der Westerwälder Kuhhund half den Kuhhirten mehr als 500 Jahre lang bei der Arbeit, bis ihn der Elektrozaun sowie die Massentierhaltung in Ställen überflüssig machte. So stammt zum Beispiel der Westerwälder Kuhhund aus dem Westerwald und das Bunte Bentheimer Schwein aus der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Sie sind auch ein Stück regionales Kulturgut, auf das die Menschen einst mit Stolz blickten und das jetzt mehr und mehr von der Bildfläche verschwindet.

Zur Rettung in die Arche

Die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" (GEH) setzt sich für ihren Erhalt ein. Dafür hat sie 1995 das "Arche-Projekt" ins Leben gerufen. Ziel: Diese Rassen in der landwirtschaftlichen Produktion zu erhalten, ihr Leistungspotential und ihre besonderen Eigenschaften zu nutzen. Der Tiergarten Worms unterhält einen zertifizierten Arche-Park mit sieben seltenen Nutztierrassen. Insgesamt stehen auf der Liste der GEH rund 100 Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind. Jedes Jahr ernennt die GEH das bedrohte Nutztier des Jahres. 2020 gibt gleich zwei von ihnen: das Pustertaler Rind und den Westerwälder Kuhhund.

Das Arche-Projekt ist eine Möglichkeit, diese seltenen Rassen zu erhalten. In der Praxis muss darauf geachtet werden, dass es keine Inzucht unter den Tieren gibt, das würde sie schwächen, sie würden ihre Robustheit gegen Krankheiten verlieren.

Die GEH führt penibel Buch über die bestehenden Rassen und es gibt eine Art Stammbaum-Kartei, wo nachgeschaut werden kann, welche Blutlinie welches Tier hat. Außerdem gibt es im Falle der Rinder Kataloge mit ausgewählten Bullen, die zur Besamung in Frage kommen. Das Züchten dieser seltenen Nutztierrassen ist oft aufwändig und zeitintensiv, für viele Landwirte zu aufwändig. Es gibt einige wenige Privatpersonen, die zwar nicht als Arche-Park ausgewiesen sind, aber trotzdem zum Erhalt beitragen.

Fazit

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