Faszinierender Ausdruck unserer Persönlichkeit Was unsere Stimme zum Wunderwerk macht

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Unsere Stimme ist vielfältig wandelbar, einzigartig. An ihr erkennen wir Menschen sofort. Die Stimme reicht, damit wird uns ein Bild der Person machen.

Ob Peer Steinbrück: "Hätte hätte Fahrradkette ..." oder Edmund Stoiber: "Am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug.“ Auch wenn wir diese Menschen nicht genauer kennen, haben wir eine bildhafte Vorstellung ihrer Person.

Kanzlerin Angela Merkel, am Rednerpult stehend, spricht auf einer Veranstaltung (Foto: SWR)
Zu ihrer Stimme hat fast jeder ein Bild: Kanzlerin Angela Merkel.

Unsere Stimme und ihre Funktion

Mit unserer Stimme und ihrem Gebrauch ist ein komplexes Zusammenspiel in unserem Körper verbunden.

  • Wir atmen ein.
  • Die Luft strömt zwischen den Stimmlippen durch in die Lungen.
  • Dann atmen wir aus.
  • Die ausgeatmete Luft versetzt die Stimmlippen in Schwingungen
  • Der so erzeugte Ton wird moduliert - durch den Mund, durch die Zunge, durch die Zähne, durch die Lippen.

Unsere Stimme und ihre Wirkung

Aus welcher Region ein Mensch stammt, welche Schulbildung er hat und was er zwischen den Zeilen sagt, erkennen wir an der Stimme.

Auch Emotionen, Alter, Geschlecht, Gewicht, Kraft und Charakterzüge können wir heraushören – genauso wie Krankheiten.

Haben wir Schmerzen oder sind krank, kann sich das auch auf unseren Stimmapparat übertragen.

Thomas Brauer, an seinem Schreibtisch, ist Fachlicher Leiter der Lehranstalt für Logopädie an der Universitätsmedizin Mainz. (Foto: SWR)
Thomas Brauer ist Fachlicher Leiter der Lehranstalt für Logopädie an der Universitätsmedizin Mainz.

"Es gibt auch Erkrankungen, die sich direkt auf die Stimme auswirken. Erkrankungen des Kehlkopfs, Knötchen. Aber auch zentrale Erkrankungen wie Parkinson beispielsweise können sich auf die Stimme auswirken."

Thomas Brauer, Universitätsmedizin Mainz

Unsere Stimme und ihre Belastungen

Lehrer steht vor seiner Schulklasse und spricht zu den Schülern (Foto: SWR)
Wer seine Stimme als Arbeitsmittel einsetzt, wie etwa ein Lehrer, muss sie in Schuss halten.

Menschen, die viel im Job reden, wie Lehrer, sollten ihre Stimme auf die erhöhte Belastung vorbereiten, etwa durch ein Stimmtraining beim Logopäden.

"Sie können den Kehlkopf, die Stimmlippen, genauso überbeanspruchen wie die Muskulatur der Beine. Sie können auch nicht von jetzt auf gleich einen Marathon laufen. Das gleiche gilt auch für die Stimme. Sie müssen die Stimme trainieren."

Thomas Brauer, Universitätsmedizin Mainz

Wer viel spricht, sollte auch Pausen einlegen, um seine Stimme zu schonen. Und auf keinen Fall flüstern oder sich räuspern – das schadet der Stimme.

"Räuspern ist fast wie Gewitter für die Stimmlippen. Da hauen die Stimmlippen richtig fest aufeinander. Wenn man das sehr häufig macht, können sich dort Knötchen bilden. Wenn man ein Fremdkörpergefühl im Hals hat, ist es besser, kräftig abzuhusten und dann versuchen, weicher weiterzusprechen."

Thomas Brauer, Universitätsmedizin Mainz
Ein Glas mit Wasser wird zum Mund geführt, um zu trinken. (Foto: SWR)
Wasser hält die Stimme fit!

Hilfe für unsere Stimme

Oft führen Verspannungen dazu, dass unsere Stimme verzerrt klingt. Logopäden raten zu Lockerungsübungen. So entspannen sich die Muskeln und damit auch die Stimme. Auch die Haltung spielt eine Rolle. Schultern runter und aufrechtes Stehen und Sitzen geben der Stimme mehr Volumen und lassen den Atem besser fließen – am besten tief in den Bauch hineinatmen.

Weitere Tipps:

  • Kaltstarts vermeiden: Der Stimme tut ein Kaltstart gar nicht gut. Deswegen morgens und generell nach langer Sprechpause die Stimme noch nicht voll belasten. Und am besten erst einmal den ganzen Körper strecken. Das kommt auch der Stimme zu Gute.
  • Luft holen nicht vergessen! Wichtig ist, sich beim Sprechen Zeit zu nehmen. Gönnen Sie sich und Ihren Zuhörern spätestens nach acht bis zwölf Wörtern eine Pause und holen Sie tief Luft.
  • Den Mund aufmachen! Beim Sprechen ist es besser, den Mund richtig aufzumachen. Das tut nicht nur der Stimme gut, sondern auch der Nackenmuskulatur. Die verspannt nämlich, wenn wir beim Sprechen den Mund krampfhaft klein halten.
  • Bonbons lutschen und inhalieren! Bonbons oder Pastillen regen die Speichelbildung an und sind deshalb ein gutes Stimm-Doping für alle, die viel reden oder ein erstes Kratzen im Hals spüren. Auch Feuchtigkeit hilft immer: Mit Salzlösung inhalieren hält die Stimme gesund.

Und wenn man dann doch eine Erkältung oder eine Kehlkopfentzündung bekommt, sollte man tunlichst vermeiden, viel zu sprechen.

Fazit

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