Kerosin ablassen (Foto: SWR, SWR -)

Treibstoff ablassen im Flugverkehr Kerosin - Gift aus der Luft?

Zwischen Mai und Oktober 2018 ist es innerhalb kürzester Zeit dreimal passiert: Flugzeuge haben über dem Pfälzerwald viele Tonnen Kerosin abgelassen, jeweils kurz nach dem Start in Frankfurt. Das hat die Deutsche Flugsicherung bestätigt.

Dauer

Es trifft immer wieder die Pfalz. Sie ist eingekesselt von Flughäfen: den beiden Airports Frankfurt am Main und Frankfurt-Hahn, dazu die militärischen Stützpunkte in Ramstein und Spangdahlem. Kerosin ablassen nennt sich in der Fachsprache "Fuel Dumping". Warum das passiert und welche Auswirkungen das für Mensch und Umwelt haben könnte, bewegt nicht nur die direkt betroffenen Bürger im Land.

Wann darf ein Flugzeug Kerosin ablassen?

Flugzeuge dürfen nur im Notfall Kerosin ablassen, so wie kürzlich im Fall einer Lufthansa-Maschine (Foto: SWR, SWR -)
Ein Fall aus der Praxis zeigt beispielhaft, wann und wie es dazu kommen kann, das Kerosin abgelassen wird: Ein Lufthansa-Airbus A380 startete vollbetankt in Frankfurt. Sein Ziel: Houston, Texas. Kurz nach dem Abheben bemerkten die Piloten einen SWR -

In einem Notfall, denn nur dann darf Kerosin abgelassen werden, nehmen die Piloten Kontakt zur Deutschen Flugsicherung auf. Sie suchen gemeinsam nach einem dafür geeigneten Luftraum. Für Flugzeuge, die Frankfurt oder einen der anderen genannten Flughäfen anfliegen, liegt häufig der Pfälzerwald am nächsten. Aus Sicht der Flugsicherung ist er geeignet, weil die Region nicht so dicht besiedelt ist. Ihre Aufgabe ist allein, die Sicherheit der Passagiere zu garantieren.

Wie gefährlich ist Kerosin?

Toxikologe Professor Bernd Kaina von der Universitätsmedizin in Mainz sagt, dass es sich bei Kerosin um eine toxische Mischung handele. Wenn man sie einatmet, kann es Reizungen der Atemwege geben oder sie kann Kopfschmerzen verursachen.

Bernd Kaina, Institut für Toxikologie, Universitätsmedizin Mainz (Foto: SWR, SWR -)
Ein Inhaltsstoff des Kerosins ist Benzol. Er gilt als krebserregend. Außerdem stehen zwei weitere Inhaltsstoffe im Verdacht, Krebs zu verursachen. Prof. Kaina sagt, eine andere Möglichkeit, wie diese Stoffe in den Menschen gelangen könnten, sei durch SWR -

Ein Inhaltsstoff des Kerosins ist Benzol. Er gilt als krebserregend. Außerdem stehen zwei weitere Inhaltsstoffe im Verdacht, Krebs zu verursachen. Prof. Kaina sagt, eine andere Möglichkeit, wie diese Stoffe in den Menschen gelangen können, wäre durch das Trinkwasser.

Was kommt am Boden an?

Nach Aussagen des Experten verdampft das eigentliche Kerosin in der Luft. Das Benzol dagegen verdampft nicht völlig. Es ist schwerer als Luft und sinkt zu Boden, zum Teil gemeinsam mit Wassertröpfchen. Benzol hat eine Halbwertszeit von fünf Tagen, nach einer Woche ist noch ein Viertel des Benzols vorhanden. Es baut sich ab, aber nicht in kürzester Zeit.

Prof. Bernd Kaina bezieht sich auf eine Untersuchung am Berliner Flughafen. Dort habe man solch einen Kerosinablass gemessen. Etwa acht Prozent der abgelassenen Treibstoffmenge komme am Boden an. Kaina vergleicht dies mit der Benzolmenge an einer vielbefahrenen Straße.

Er wünscht sich, dass nach einem erneuten Kerosinablass über dem Pfälzerwald Messungen in Auftrag gegeben werden - mithilfe einer mobilen Messeinheit, die das Gebiet aufsucht. Nur so könne es Klarheit geben, wieviel von den gefährlichen Stoffen tatsächlich am Boden ankommen.

Welche Richtlinien zur Meldepflicht gibt es?

Piloten von Passagiermaschinen müssen einen Kerosinablass der Deutschen Flugsicherung melden. Die Flugsicherung gibt die Daten an das Luftfahrtbundesamt weiter und das veröffentlicht die auch zeitnah innerhalb ein, zwei Tagen auf der eigenen Homepage.

Fazit

STAND