Hühner im Stall (Foto: SWR1 -)

Tierwohl - Anspruch trifft Verbraucherverhalten "Lebensmittel" Huhn

Tierprodukte zu essen ist in unseren Zeiten oft ein zweischneidiges Vergnügen, denn das Gewissen isst mit, und besonders gut sind die Haltungsbedingungen von Nutztieren heutzutage nicht immer. Das gilt besonders für Legehennen.

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In Deutschland werden pro Jahr rund zwölf Milliarden Eier "produziert". Das ist sogar etwas mehr, als hierzulande verbraucht wird. Deutschland ist also Eier-Exporteur. Auf die Bundesländer runtergerechnet, kommen die meisten Eier aus Niedersachsen. Rheinland-Pfalz nimmt bei der Eierproduktion einen der hinteren Plätze ein.

Helmut Demler aus Alzey züchtet seine eigenen Hühner in einem kleinen Gehege vor den Toren der Stadt. Die meisten Legehennen können von so einem Leben wie es Helmut Demlers Hühner führen, nur träumen.

Helmut Demler aus Alzey züchtet seine eigenen Hühner in einem kleinen Gehege (Foto: SWR, SWR -)
Helmut Demler, Hühnerzüchter aus Alzey, nimmt Tierwohl ernst. SWR -

Er verfügt über mehrere Ställe, mit jeweils eigenem abgetrennten Außengehege. So kommen die Hähne unterschiedlicher Stämme sich nicht ins Gehege. Seine Zuchtanlage ist insgesamt sehr weitläufig.

Woher kommen die meisten Eier?

  • Etwa zwei Drittel der Legehennen in Deutschland leben in Bodenhaltung. Diese Eier sind mit der Ziffer "2" ganz vorne auf dem aufgestempelten Eiercode gekennzeichnet. Dabei leben neun Hennen auf einem Quadratmeter zusammen. Auslauf haben diese Hennen nicht.
  • Etwas besser geht es Legehennen in Freilandhaltung - Ziffer "1". Diese Hennen haben zumindest tagsüber zusätzlich vier Quadratmeter Auslauf pro Huhn.
  • Bioeier - Ziffer "0" - entstehen unter etwas besseren Haltungsbedingungen. Hier werden auf einem Quadratmeter höchstens sechs Hühner gehalten, zusätzlich haben sie Auslauf und besseres Futter als ihre Artgenossen in der Intensivhaltung.

Die meisten Legehennen, nämlich zwei Drittel, leben eng zusammengepfercht in Bodenhaltung. Und noch gibt es die Kleingruppenhaltung mit deutlich weniger Platz pro Huhn. Diese Haltungsform soll aber wegen Tierschutz bis 2025 verboten werden.

Welche Zuchtrassen gibt es?

Helmut Demler züchtet verschiedene Hühnerrassen, die aber eines gemeinsam haben. Sie sind sogenannte "Zwiehuhnrassen", das heißt, sie geben Eier und eignen sich gleichzeitig als Suppenhühner.

Dazu zählen Welsumer Hühner, die übers Jahr gesehen zwischen 160 und 180 Eier legen. Hähne, die für die Zucht nicht gebraucht werden, können als Fleischhähne angeboten werden.

In der Industrie gibt es dagegen spezialisierte Hühnerrassen:

  • Masthühner sollen besonders viel Fleisch geben und entwickeln extrem viel Brustfleisch.
  • Hoch gezüchtete Legehennen liefern im Jahr bis zu 300 Eier und sind sehr dünn.

Wie wird das Tierwohl verbessert?

Landwirt Helmut Demler lässt seine Eier ausbrüten. Die Eier liegen vier Wochen lang im Brüter, bis ein kleines Hühnchen schlüpft. Vom ersten Picken an der Schale bis zum Schlüpfen braucht es knapp zwei Stunden.

Küken zu schreddern, käme für Helmut Demler nicht in Frage. (Foto: SWR, SWR -)
Küken zu schreddern, käme für Helmut Demler nicht in Frage. SWR -

Auch wird an industriellen Verfahren gearbeitet, um das Küken-Schreddern überflüssig zu machen. Die Idee: Das Geschlecht soll schon im Ei bestimmt werden. Dazu gibt es zwei Verfahren: Entweder schauen Forscher durch ein winzig kleines Loch ins Ei hinein oder sie nutzen Infrarotlicht um das Geschlecht im Ei zu bestimmen.

Es wird geklärt, ob diese Verfahren für große Menge an Eiern geeignet sind. Sollte dies der Fall sein, plant die Bundesregierung das "Kükenschreddern" noch im Jahr 2019 zu verbieten.

Worauf kann ich als Verbraucher achten?

So artgerecht wie bei Helmut Demler leben wohl die wenigsten Hühner in Deutschland. Und die wenigsten Verbraucher haben die Möglichkeit ihre Eier von dort zu beziehen.

Deswegen achten viele auf die Stempel der Eier und vergessen: Für verarbeitete Eier, etwa in Mayonnaise oder Nudeln, gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Deshalb werden dafür meist Eier aus wenig tierfreundlichen Haltungsbedingungen verwendet.

Fazit

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