Demenzkranke mit Pflegerin und Ehemann beim Backen (Foto: SWR, SWR -)

Spezielle ärztliche Versorgung für Senioren Geriatrie - die Medizin des Alters

Die Rheinland-Pfälzer werden älter. 2050 soll laut statistischem Landesamt jeder siebte in unserem Bundesland älter als 80 Jahre sein. 2013 war das nur jeder achtzehnte!

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Diese Zunahme hat Auswirkungen, zum Beispiel auf die Versorgung älterer Patienten. Genau dafür gibt es eine besondere medizinische Fachrichtung, die Geriatrie. 

Die Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz wurde 2016 gegründet und Professor Dr. Roland Hardt leitet die Station. "Häufig zeichnet sich neben dem hohen Alter das Phänomen der Multimorbidität aus. Das heißt, ein Patient leidet an zwei, drei, vier, fünf Krankheiten gleichzeitig unterschiedlichen Schweregrades und hierfür braucht es auch eine spezielle Medizin." 

Das Besondere an einer geriatrischen Station ist die Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams. Das heißt, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, verschiedene Fachärzte sowie speziell ausgebildete Pflegekräfte und Sozialarbeiter arbeiten eng zusammen, um einen ganzheitlichen Ansatz für den Patienten zu finden.

Den Unterschied zu anderen Disziplinen erklärt Professor Dr. Roland Hardt: "Wir haben ja besonders an der Universitätsmedizin, eine zunehmende Spezialisierung in einzelne Organsysteme oder mehrere Spezialisten für ein Organ – zum Beispiel in der Kardiologie. Da hat sich mittlerweile herausgebildet, dass sich die einen mit Herz-Kranz-Gefäß-Systemen, die anderen mehr mit dem Herzrhythmus beschäftigen – das wird also immer spezieller. Die Geriatrie führt umgekehrt diese Fäden wieder zusammen." 

Eine Herausforderung für die Ärzte sind die Krankheitsbilder älterer Patienten klar zuzuordnen. "Einige Krankheitssymptome sind bei alten Menschen völlig anders als bei Jüngeren. Zum Beispiel wenn sie Infektionen haben, kann das völlig afebril verlaufen. Das heißt, sie entwickeln kein Fieber, kein Schüttelfrost. Es sind vielleicht nur ganz diskrete Symptome wahrnehmbar, obwohl der Patient schwer krank ist. Dafür muss man ein geschultes Auge haben. Es sind auch Patienten, die manchmal in ihrer Kommunikation etwas eingeschränkt sind. Sie hören schlecht, sind vielleicht etwas langsamer, dafür muss man auch eingerichtet sein, um mit ihnen zu kommunizieren."  

Auch der demografische Wandel wird in Zukunft die Geriatrie beeinflussen. "Wir haben bereits seit 20 Jahren eine deutliche Zunahme, alter und sehr alter Menschen. Die über 80-Jährigen zum Beispiel - das sind in Rheinland-Pfalz im Moment ungefähr eine Viertelmillion. Und bis zum Jahr 2050 - wenn der Scheitelpunkt dieser Entwicklung erwartet wird - wird das fast eine halbe Million sein." 

Damit das auch in Zukunft weiter verbessert werden kann, hat die Universitätsmedizin Mainz das sogenannte "GerNe-Projekt" mit ins Leben gerufen: ein geriatrisches Netzwerk. Damit soll die Kommunikation zwischen den teilnehmenden geriatrischen Kliniken in Rheinland-Pfalz und den Hausärzten verbessert werden. Die Absprachen laufen zukünftig über eine elektronische Patientenakte, um die Behandlung der gemeinsamen Patienten weiter zu verbessern.  

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