Schock für Autofahrer Vorsicht bei Wildunfällen

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Ein Schock für jeden Autofahrer: ein Unfall mit einem Wildtier. Häufig tauchen die Tiere ganz plötzlich auf und es bleibt wenig Zeit, zu reagieren. Statistisch gesehen kollidiert in Deutschland alle zwei Minuten ein Auto mit einem Reh, Wildschwein oder Dachs.

Durch die Zeitumstellung passieren mehr Wildunfälle

Wird die Zeit umgestellt, also im Frühling und im Herbst, passieren die meisten Unfälle. Im Herbst wird es dann eher dunkel, die Tiere kommen früher auf die Straße. Mit der Umstellung auf die Winterzeit kollidieren die Gewohnheiten von Wildtieren mit dem Berufsverkehr. In der Dämmerung treten die Wildtiere aus dem Wald heraus, sind auf Nahrungssuche. Doch dabei müssen sie oft Straßen überqueren, und dann kann es zu Wildunfällen kommen. Rund 23.400 Wildunfälle hat der Landesjagdverband 2018 in Rheinland-Pfalz registriert, besonders in den wild- und waldreichen Gebieten rund um Koblenz und Trier.

Wildtiere überqueren Straßen nicht allein

Wildtiere sind häufig nicht allein anzutreffen. Rehe sind in Familienverbänden unterwegs und Wildschweine in großen Rotten. Sie überqueren in diesen Gruppen meistens auch die Straße, erklärt Günther Klein vom Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. Er gibt zudem den Tipp, dass man durch die reflektierenden Augen der Wildtiere, diese am Straßenrand stehen sehe und Unfälle vermeiden kann.

Schild: Vorsicht Tiere kreuzen (Foto: SWR)
Achtung Wildwechsel! Dieses Verkehrszeichen warnt vor Wildtieren, die plötzlich die Straße überqueren können.

Wildbrücken zum Schutz vor Wildunfällen

Mithilfe von Wildbrücken können Wildtiere sicher und unbemerkt die Straßen überqueren, weiß Günther Klein vom Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. Im Durchschnitt kostet eine Grünbrücke zwischen drei und vier Millionen Euro. Dabei hängen die Kosten sehr stark vom Untergrund, der Dimensionierung und vielen anderen Randbedingungen ab.

Auch andere Fußgängerbrücken über Landstraßen oder Autobahnen können modifiziert werden, indem sie verblendet werden. Das heißt, das Wild würde die Straße nicht mehr sehen, und sich sicherer fühlen. Ist der Untergrund zudem ähnlich wie ein Feldweg, fühlen sich Wildtiere wohler, erklärt Günther Klein.

Günther Klein arbeitet seit fast zehn Jahren für den Landesjagdverband Rheinland Pfalz (Foto: SWR)
Günther Klein arbeitet seit fast zehn Jahren für den Landesjagdverband Rheinland Pfalz und ist auch privat Jäger.

Landesregierung für Tier-Querungshilfen beim Straßenbau

Aus Sicht der Landesregierung sind Grünbrücken und Querungshilfen wichtige Ausgleichsmaßnahmen, um eine Wiedervernetzung von Lebensräumen sicherzustellen. So wird nicht nur bei Neubauvorhaben von Straßen Wert auf eine bessere Vernetzung gelegt, sondern auch im Bereich des Um- und Ausbaus von Straßen. Zu diesem Themenkomplex gehören nicht nur die großen Grünbrücken über Bundesfernstraßen für das Wild, sondern auch die vielen kleinen Querungshilfen für Amphibien oder Fledermäuse in Form von Durchlässen oder Leiteinrichtungen. Bei allen Straßenbauvorhaben und auch bei bestehenden Straßen werden die Möglichkeit einer Wiedervernetzung geprüft und wenn technisch realisierbar, umgesetzt.

Durch blaue Reflektoren gibt es keine Verringerung von Wildunfällen

Blau galt bisher als Signalfarbe für Wildtiere, weswegen blaue Reflektoren diese davon abhalten sollten auf die Straße zu laufen. Die Reflektoren streuen das Licht von Scheinwerfern in Wald und Feld, so sollen die Tiere gewarnt werden. Eine aktuell veröffentlichte Studie zeigt jedoch, dass die Zahl der Wildunfälle trotz Reflektoren weitersteigt. Forscher aus Göttingen und Zürich haben dies mit Infrarotkameras an Teststrecken herausgefunden. Die Untersuchung ist im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer entstanden.

Fahrrsicherheitstraining gegen Wildunfälle

Richtiges Lenken, Ausweichen und Bremsen kann mit einem Fahrsicherheitstraining trainiert werden. Das gibt es zum Beispiel beim ADAC in Koblenz und bei der Landesverkehrswacht Rheinland-Pfalz. Auf der Fahrtechnikanlage Hunsrück bei Wüschheim zum Beispiel testen jährlich 2.000 Teilnehmer ihr Fahrkönnen. Das bringt auch was bei einem Wildunfall.

"Ganz wichtig ist, auf der Fahrspur zu bleiben, das heißt also, selbst die Kollision mit dem Wild in Kauf zu nehmen, aber niemals die Gefahr einzugehen, über ein undosiertes Lenkmanöver nach rechts in den Graben oder nach links in den Gegenverkehr zu fahren", betont Gerd Lenhard von der Kreisverkehrswacht Rhein-Hunsrück.

Richtiges Verhalten nach Wildunfällen

Nach einem Wildunfall muss als Erstes die Unfallstelle abgesichert werden; danach muss die Polizei gerufen werden. Die Polizei kann, sollte das Wildtier verletzt sein, den zuständigen Jäger anrufen, damit dieser das Wildtier erlöst. Wenn das Unfalltier flüchtet, sollte man versuchen sich zu merken, in welche Richtung es geflohen ist, um es dem Jäger mitzuteilen, damit dieser schnellst möglich eine Nachsuche starten kann.

Man sollte unbedingt Abstand halten von einem verletzten Tier, denn das könnte gefährlich werden. Das gestresste Tier könnte nochmal auf die Beine kommen und den Menschen angreifen, besonders Wildschweine sind gefährlich. Auf keinen Fall sollte man ein totes Wildtier selbst mitnehmen, das wäre Wilderei und strafbar.

Wildtier am Straßenrand (Foto: SWR)
Bei einem toten Wildtier am Straßenrand sollte die Polizei darüber informiert werden, die dann auch den zuständigen Jäger informieren können.

Fazit:

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