Schädigung mit Vorsatz Wie Mietnomaden für Chaos sorgen

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Mietnomaden ziehen in eine Wohnung ein - mit dem Vorsatz, keine Miete zu bezahlen. Sie zählen auf die Gutmütigkeit des Vermieters. Wir sagen, was in solchen Fällen zu tun ist.

Mietnomaden sind Personen, die in eine Wohnung einziehen und vorhaben, keine Miete zu bezahlen oder die gar nicht in der Lage sind, die Miete aufzubringen.

Trotzdem nehmen sie Wohnungen in Beschlag und kalkulieren dann mit der Gutmütigkeit des Vermieters. Sie schädigen mit Vorsatz und ruinieren das Eigentum Anderer.

Was sind Mietnomaden?

Was Mietnomaden in verwüsteten Wohnungen hinterlassen, ist oft nur ekelhaft: Dreck, Müll, Schimmel, manchmal sogar Flöhe, immense Schäden und meist ein Chaos, das seinesgleichen sucht.

Kerstin Zöller vermietet seit 16 Jahren Wohnungen in Pirmasens. In dieser Zeit hatte sie schon vier Mal mit Mietnomaden zu tun. Der jüngste Fall war für sie der bisher schlimmste. Kerstin Zöllers letzte Mietnomadin war nicht nur mit der Miete im Rückstand, sondern auch mit den Wasserrechnungen. Deshalb wurde das Wasser abgedreht:

Wurde Opfer von Mietnomaden: Kerstin Zöller aus Pirmasens (Foto: SWR, SWR -)
Wurde Opfer von Mietnomaden: Kerstin Zöller aus Pirmasens SWR -

"Zwischenzeitlich hat sich die Mieterin dann eine andere Wohnung gesucht, weil sie ja kein Wasser mehr hatte, nur noch Strom in unserer Wohnung und dann hat sie eine Zeit lang beide Wohnungen benutzt."

Kerstin Zöller, Vermieterin

Die Mieterin zog trotz Kündigung nicht aus. Nach eigenen Angaben bat Kerstin Zöller die Pirmasenser Ämter mehrfach vergeblich um Mithilfe. Am Ende blieb Kerstin Zöller auf fast 6.000 Euro Kosten sitzen.

Welche Rechte hat der Vermieter?

Franz Obst, Rechtsanwalt und Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbunds Rheinland-Pfalz. (Foto: SWR, SWR -)
Franz Obst, Deutscher Mieterbund RLP SWR -

"Man sollte sofort, wenn der erste Mietrückstand auftritt, eine Abmahnung schicken. Wir haben ja die gesetzliche Regelung, dass man beim Rückstand von einer Monatsmiete noch nicht die fristlose Kündigung aussprechen kann, sondern erst beim Rückstand von zwei Monatsmieten"

Franz Obst, Rechtsanwalt und Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbunds Rheinland-Pfalz.

Damit die folgende Zwangsräumung für den Vermieter nicht ganz so teuer wird, gibt es die sogenannte "Berliner Räumung", die im Gesetz verankert ist: Dabei tauscht der Gerichtsvollzieher das Schloss der Wohnungstür aus und gibt dem Vermieter die passenden Schlüssel. Ab dann gilt die Wohnung als geräumt, auch wenn sie faktisch noch nicht geräumt ist, weil sich noch Müll oder Möbel darin befinden.

Wo bekomme ich Hilfe?

Vermieter und Nachbarn finden bei Verbänden Hilfe, die sich um ihre Rechte, Fragen und Probleme kümmern:

  • Bei der Interessensgemeinschaft "Haus und Grund" stehen Betroffenen Experten zur Verfügung.
  • Bei Problemen mit Mietnomaden: Umgehend anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Mietnomadenversicherungen können helfen, Schäden aufzufangen.

Wie kann ich mich schützen?

Mietnomaden sind oft Meister im Täuschen, deshalb sollte der Vermieter im Zweifelsfall von seinem Recht Gebrauch machen und die Wohnung regelmäßig besichtigen.

Mietnomaden richten Chaos an (Foto: SWR, SWR -)
Vermieter sollten im Zweifel besser regelmäßig nach dem Rechten sehen SWR -

Bevor der Mieter einzieht, lohnt es sich, den Vor-Vermieter zu kontaktieren und genau hinzuschauen. Vermieter sollten sich von ihrem künftigen Mieter eine Selbstauskunft vorlegen lassen und idealerweise auch noch eine Schufa-Auskunft. Nach Angaben von Franz Obst vom Deutschen Mieterbund sollten Vermieter unbedingt prüfen, ob es Schufa-Einträge gibt. "Wenn es Mietnomaden sind, werden sie in der Schufa Eintragungen finden, dass ihnen schwarz vor Augen wird."

Fazit

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