Populär bis heute - der "Robin Hood des Hunsrück" Die Geschichte des Schinderhannes

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Der Schinderhannes, der Räuber, der im Hunsrück und im Taunus sein Unwesen trieb, ist bis heute populär. Er soll vor 240 Jahren geboren worden sein, war Räuberhauptmann und gilt als Robin Hood des Hunsrück.

Wer war der Schinderhannes wirklich?

Geboren wird er als Johannes Bückler. Er bekommt seinen Namen während seiner Lehrzeit, die er bei zwei Abdeckern, auch Schinder genannt, absolviert. Schinderhannes oder Schinnerhannes wird sein Rufname. Auch die Vorfahren seines Vaters waren Schinder gewesen.

  • Sein Geburtsdatum liegt wahrscheinlich im Herbst 1779
  • Geboren ist er in Miehlen.
  • Gestorben ist er am 21. November 1803 in Mainz, hingerichtet mit der Guillotine.
  • Ihm werden über 200 Straftaten nachgewiesen, der Großteil davon Diebstähle, aber Erpressung, Raubmord und Mord zählen auch dazu.

Wie wurde der Schinderhannes zum Verbrecher?

Seine Verbrechen begeht er anfangs vielleicht aus Armut, Diebstähle um ein paar Louis d'Or mehr zur Verfügung zu haben, dabei werden keine Menschen verletzt. Später jedoch zeichnen sich seine Taten durch ein hohes Maß an Brutalität aus.

Seine erste Straftat soll der Diebstahl von Kalbfellen und einer Kuhhaut gewesen sein, die er als Lehrjunge seinem Meister in Bärenbach entwendet haben soll.

Johannes Bückler ist der Meinung, dass ihm diese Felle zustehen, da dies alter Handwerksbrauch sei. Sein Meister sieht das anders, nach kurzem Prozess wird Johannes Bückler verurteilt und öffentlich mit 25 Hieben geprügelt.

  • Danach verdingt er sich bei einem anderen Wasenmeister in Sobernheim und auch wieder in Bärenbach.
  • Er schließt sich mit zwei anderen Jungen zusammen, zu dritt stehlen sie nachts Vieh von der Weide und verkaufen dies tagsüber.
  • Sie werden angezeigt und verhaftet. Johannes Bückler kann allerdings fliehen.
  • Er lernt danach Jakob Fink kennen, als Roter Fink und berüchtigter Dieb bekannt, und mit ihm weitere Mitglieder der berüchtigten Hunsrückbande.
  • Es folgen Diebstähle, Verhaftungen und Flucht.
  • Als ein Freund die Untreue seiner Frau rächen will, wird Johannes Bückler zum ersten Mal in einen Mord verwickelt, der Vorwurf des Mordes kann aber nach der Beweissichtung nicht aufrechterhalten werden.
  • Er ist vor allem in der Gegend Hunsrück, Mosel, Nordpfalz bis in den Süden nach Wiesloch unterwegs.

Seine Bande ist keine feste Räuberbande. Es tun sich für jedes Vorhaben Räuber zusammen und verstreuen sich danach wieder. Es sind insgesamt 94 Mittäter bekannt.

  • Nach seiner Flucht aus Simmern begeht Johannes Bückler weniger Pferdediebstähle, sondern vermehrt Raubüberfälle und Erpressungen.
  • In Otzweiler begeht er im Januar 1800 einen Raubmord und flieht auf die rechte Rheinseite, die nicht mehr französisches Besatzungs- und Justizgebiet ist.
  • Seine Überfälle und Schutzgelderpressungen richten sich auch gegen Soldaten, gut betuchte Unternehmer und Juden. Allesamt damals keine beliebten Bevölkerungsgruppen, vielleicht trägt dies zu seinem Ruf als Robin Hood bei.

Er teilt seine Beute jedoch nie mit der Bevölkerung oder raubt aus uneigennützigen Motiven. Trotzdem soll die christliche, oft arme Nachbarschaft ihm Unterschlupf geboten und ihn nicht verraten haben.

  • 1801 wehrt sich zum ersten Mal die Bevölkerung gegen ihn.
  • Im November 1801 wird die Bande nach einem Überfall in die Flucht geschlagen.
  • Bei den Schutzgelderpressungen erhalten die Bedrohten eine Sicherheitskarte, die sie von weiteren Überfällen verschonen soll.

Die letzte solcher Straftaten begeht der Schinderhannes angeblich am 20. März am Monforter Hof. Am 31. Mai wird er bei Wolfenhausen im Taunus festgenommen.

Warum wird der Schinderhannes Robin Hood des Hunsrück genannt?

Seine Taten machen ihn populär, immer wieder wird er gestellt und kann fliehen. Publikationen und Mund-zu- Mundpropaganda lassen ihn schon zu Lebzeiten zur Legende werden.

Als er endgültig gefasst wird und im Mainzer Holzturm sitzt, sind die Zeitungen voll von ihm. Mit ihm verhaftet wird seine Weggefährtin Juliana Blasius, sie gebärt 1802 den gemeinsamen Sohn Franz Wilhelm. Sie wird später zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Fenstergitter an einer Gefängniszelle (Foto: SWR)
In einer Zelle im Mainzer Holzturm verbrachte der Schinderhannes seine letzten Tage.

Die Voruntersuchung dauert für Schinderhannes 16 Monate, währenddessen sind mehrere Dutzend Einzelverhöre dokumentiert. Er zeigt sich dort eloquent aus seinen Protokollen entsteht eine Art Autobiografie.

Schinderhannes nutzt bewusst die Öffentlichkeit, appelliert an das Mitgefühl der Bevölkerung. 3.400 Dokumente seines Prozesses belegen in Zeugenaussagen, Protokollen und Beutelisten über 200 Straftaten. Keine von ihnen war zum Wohle der Armen.

Trotzdem hofft er wohl durch das Gestehen einiger Straftaten und durch seine Erklärung, dass soziale Herkunft und die falschen Gefährten Schuld an seinen Verbrechen seien sowie durch sein reumütiges Verhalten auf eine milde Strafe.

Professor Wolfgang Dobras, Leiter des Stadtarchivs in Mainz. (Foto: SWR)
Professor Wolfgang Dobras ist Leiter des Stadtarchivs in Mainz.

"Im Sommer 1802 hat er sehr eng mit der Justiz kooperiert, hat dem Untersuchungsrichter auch bereitwillig Taten gestanden, hat allerdings dabei Mittäter verpfiffen. Und hat von Anfang versucht, sich als Opfer seiner widrigen sozialen Umstände darzustellen. Auch darauf spekulierend, dass er begnadigt werden könnte."

Professor Wolfgang Dobras, Stadtarchiv Mainz

Wie fand der Schinderhannes sein Ende?

Schinderhannes findet keine Gnade, am 21. November 1803 wird er in Mainz hingerichtet.

  • Die Hinrichtung mit der Guillotine findet in großer Öffentlichkeit statt, es sollen etwa 30.000 Schaulustige gekommen sein.
  • Wegen des großen Andrangs wird die Guillotine außerhalb der Mauern direkt vor dem Neutor errichtet.
  • Bei Johannes Bücklers Hinrichtung verkauft der Maler Matthias Ernst kleine Kupferstiche mit dem Porträt des Schinderhannes als Andenken.

Was hält die Erinnerung an den Schinderhannes lebendig?

Dr. Fritz Schellack, Leiter des Hunsrück-Museums in Simmern  (Foto: SWR)
Dr. Fritz Schellack beschäftigt sich als Leiter des Hunsrück-Museums in Simmern mit der Geschichte des Schinderhannes.

Schon zu seinen Lebzeiten erscheinen frei erfundene Erzählungen und Heftchen über sein Leben, nach seinem Tod wird die Legendenbildung durch Mund-zu-Mund-Propaganda weiter befeuert.

"Im Volksmund ist es so, dass der Hannes ein Guter gewesen ist, werden Geschichten kolportiert, wo er die Gendarmen düpiert hat. Und das wird gern gehört; dann entfernen sich eben Dinge von der Realität."

Dr. Fritz Schellack, Leiter des Hunsrück-Museums in Simmern

Geschichten, Lieder, später auch Literatur (Carl Zuckmayers „Schinderhannes) und Filme („Der Schinderhannes“ mit Curd Jürgens und Maria Schell, 1958) bestärken den Mythos des Schinderhannes, des edlen Räubers.

Fazit

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