Frau die Brot nicht haben möchte (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Nahrungsmittel und Unverträglichkeiten Warum es immer mehr Allergiker gibt

Dass Allergien zunehmen, wird allgemein Umweltproblemen angelastet – und genetischer Veranlagung. Je hygienischer wir wurden, desto mehr Allergiker gab es.

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Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Immunsystem noch nicht gelernt hat, Allergene aus der Umwelt zu bekämpfen. Ein Vitamin-D-Mangel ist von Nachteil, während das Leben auf dem Bauernhof einen gewissen Schutz bietet, denn da ist man allen möglichen Mikroorganismen ausgesetzt.

Nahrungsmittelallergene sind am häufigsten in Weizen, Meeresfrüchten, Erdnüssen, Eiern, Milch, Soja und Hefe zu finden. Rund 80 Nahrungsmittel aller Kategorien gehören darunter. 140 Allergene sind diagnostiziert.

Welche Symptome treten auf?

Typische Symptome einer Nahrungsmittelallergie sind Schwellungen der Schleimhaut im Mund- und im Nasen-Rachen-Raum sowie ein Anschwellen der Zunge. Dazu können weitere Reaktionen kommen:

  • Verengung der Bronchien und das daraus resultierende allergische Asthma
  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle
  • Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht oder ein atopisches Ekzem
  • Arthritis

Ein allergischer, sogenannter anaphylaktischer Schock, ist lebensgefährlich. Nahrungsmittelallergiker sollten immer ein Notfall-Set bestehend aus einem Adrenalin-Autoinjektor, einem flüssigen Antihistaminikum und einem Kortisonpräparat bei sich haben.

Die Wirkung von antiallergischen Medikamenten ist nicht immer garantiert, sagt Professor Schuppan von der Uniklinik Mainz. (Foto: SWR, SWR -)
Die Wirkung von antiallergischen Medikamenten ist nicht immer garantiert, sagt Professor Schuppan von der Uniklinik Mainz. SWR -

Allergien, so hat Professor Schuppan festgestellt, können versteckt auftreten, Schwellungen, Ausschlag können auch nach Stunden erscheinen. Dabei beschränken sich die Symptome oft auf den Magen-Darm-Trakt.

Wie diagnostiziert der Arzt das Allergen?

Bei sogenannten Pricktests wird die Haut eingeritzt und mit dem Allergen in Berührung gebracht. Beim Patch-Test gilt dasselbe Prinzip. (Foto: SWR, SWR -)
Bei sogenannten Pricktest wird die Haut eingeritzt und mit dem Allergen in Berührung gebracht. Beim Patch-Test gilt dasselbe Prinzip. SWR -

Allergiker haben häufig eine Erhöhung des Immoglubin E, kurz IgE, im Blut. Bei der Weizenallergie sind oft IgE-Antikörper gegen das Protein oder Gluten im Blut.

Was sind atypische Nahrungsmittelallergien?

Detlef Schuppan, Professor der Universitäten Mainz und Harvard, hat sein Berufsleben der Erforschung von Lebensmittelunverträglichkeiten gewidmet.

Ein Teil davon ist schwer zu diagnostizieren. Rund 16 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Angeblich seien es psychische Probleme, hieß es vor einigen Jahren noch oft in den Hausarztpraxen.

  • Detlef Schuppan erkannte, dass es seinen Patienten deutlich besser ging, als sie einige Tage nur Kartoffeln mit Salz und Olivenöl zu sich nahmen. Die sind sehr allergenarm. Von psychischen Problemen keine Spur.
  • Er konnte gemeinsam mit einer deutschen Kollegin aus Kiel in einer Testreihe nachweisen, dass die Patienten erkrankten, nachdem sie bewusst im Darmtrakt mit Allergenen in Berührung gebracht wurden.
  • Diese wurden präpariert und mit einer Endoskopie direkt auf die Darmschleimhaut aufgetragen. Innerhalb von Minuten waren Entzündungsreaktionen zu sehen. Bauchbeschwerden traten erst viele Stunden danach auf.

Wodurch kann trotzdem Besserung eintreten?

Es empfiehlt sich, zunächst mit einer Basisdiät zu beginnen, die aus einigen Lebensmitteln mit geringem Allergierisiko besteht. Diese werden jeweils nach einigen Tagen um ein weiteres Nahrungsmittel ergänzt. Stellt sich bei bestimmten Lebensmitteln eine Unverträglichkeit und damit eine mutmaßliche Allergie dagegen heraus, sollte über mehrere Wochen eine entsprechende Ausschlussdiät folgen, in der das verdächtige Nahrungsmittel konsequent gemieden wird.

Fazit

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