Hand pflückt Apfel aus einem Baum (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Mundraub war gestern Obst-Klau ist kein Kavaliersdelikt

Mundraub, ein Kavaliersdelikt? Seit Mitte der siebziger Jahre - juristisch gesehen - nicht mehr, denn der Mundraub-Paragraph wurde seiner Zeit gestrichen. Beim Spaziergang etwas vom Baum zu pflücken, gilt heute deshalb als Diebstahl. Und den betreiben manche in großen Umfang, zum erheblichen Schaden der betroffenen Obstbauern.

Besonders geschädigt sind Landwirte in Mainz Finthen. Hier wird in großem Stil geklaut, die Schäden gehen in die Tausende. Aber auch Spaziergänger, die immer mal wieder ein paar Früchte mitgehen lassen, schaden den Landwirten mehr, als sie ahnen.

Was steckt hinter dem Begriff "Mundraub"?

Bis 1975 gab es noch den Begriff "Mundraub", der bedeutete, Nahrungsmittel vom Feld zu nehmen, um sich zu ernähren. Dieser Tatbestand stammt noch aus Notzeiten, als etwa Kartoffeln für den Eigenbedarf "gestoppelt" wurden.

Mundraub war zwar schon damals strafbar, berührte aber eine juristische Grauzone und wurde oft toleriert. Vor allem, wenn es um kleine Mengen ging.

Gibt es heute noch eine juristische Grauzone?

Obstklau (Foto: SWR, SWR -)
Pilze sammeln? Erlaubt, aber nur in kleinen Mengen, für den persönlichen Bedarf! SWR -

Bei wildwachsenden Pflanzen darf man Früchte, wie etwa Brombeeren, "in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf" pflücken oder auch Pilze sammeln. Doch schon bei Fallobst auf Streuobstwiesen sollte man vorher den Besitzer fragen. Oft gehören die Streuobstwiesen den Gemeinden, die sie auch bewirtschaften. Wer eine Handvoll Äpfel aufliest, bekommt vielleicht kein Problem. Wer Körbeweise Obst mitnimmt, macht sich dagegen strafbar.

Welche Strafen drohen?

Nach heute geltendem Recht werden Diebstahl und Unterschlagung geringer Werte nur noch auf Strafantrag verfolgt. Polizei oder Staatsanwaltschaft werden beim Früchteklau also nur aktiv, wenn der Eigentümer oder jemand anderer das verlangt. Dann kann es aber zu einer Geldbuße oder einem Strafbefehl nach Tagessätzen kommen. Bei gewerbsmäßigem Obst-Klau im großen Stil zum Weiterverkauf sind bis zu drei Monate Haft möglich.

Wie soll man reagieren, wenn man Obstdiebe beobachtet?

Die Ordnungsämter können nicht alle Obstplantagen gleichzeitig im Blick haben. Man kann Einzelpersonen daher selbst darauf aufmerksam machen, dass das Pflücken von Obst nicht erlaubt ist. Wenn man eine Gruppe beobachtet, die abends noch große Mengen erntet, dann könnten das keine Erntehelfer, sondern Diebe sein, und man sollte die Polizei informieren oder den Landwirt.  

Fazit

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