Kriminell kreativ! Abzocke am Telefon

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Enkel-Trick, sogenannte Ping-Calls, oder falsche Polizisten – die Abzocke am Telefon ist überraschend vielfältig. Immer wieder spielen untergeschobene Stromverträge eine Rolle. Gerade ältere Menschen geraten häufig ins Visier von Betrügern.

Wie funktioniert die Abzocke am Telefon?

Oftmals geben sich die Anrufer nicht als die aus, die sie sind, sondern melden sich mit: "Hier spricht ihr Energielieferant" oder "Hier ist die Bundesaufsichtsbehörde Bundesnetzagentur".

Wenige Daten reichen Vermittlern aus, um ohne Wissen und Einverständnis des Kunden einen Vertragswechsel herbeizuführen. Solche Gespräche kommen täglich vor, obwohl Telefonwerbung ohne vorherige Einwilligung seit 2009 verboten ist.

In einem vermeintlich unverbindlichen Gespräch fragen sie Daten ab, mit denen sie einen Anbieterwechsel herbeiführen können. Nach einigen Tagen flattert dem Angerufenen ein Schreiben ins Haus, in dem ihm ein neuer Stromlieferant zum Vertragswechsel beglückwünscht.

Was gilt es bei untergeschobenen Verträgen zu beachten?

Nach wenigen Tagen fragt der alte Stromanbieter bei den Geprellten nach, warum sie gekündigt haben, und wenig später liegen im Briefkasten auch schon die Vertragsunterlagen des neuen Stromanbieters.

Grundsätzlich gilt: Wer den Vertrag nicht akzeptieren will, muss es nicht tun. 14 Tage währt das gesetzliche Widerrufsrecht - ab Erhalt des Bestätigungsschreibens.

Abzocke am Telefon (Foto: SWR)
Ein zeitnaher Widerruf ist für Betroffene ein wichtiger Schritt, um weiteren Ärger zu vermeiden.

Wer sein Widerrufsrecht geltend machen möchte, nutzt entweder ein beigelegtes Formular oder schreibt einfach formlos, am besten unter Angabe der Kundennummer: "Ich möchte den Vertrag nicht haben", "Ich widerrufe" oder "Ich kündige"! All das muss als Widerruf angenommen werden.

Was steckt hinter unerlaubter Telefonwerbung?

Das Problem bei Telefonwerbung ist: Verträge können auch mündlich abgeschlossen werden. Sie müssen nicht schriftlich bestätigt werden. Bei der Strombelieferung muss nur die Kündigung beim alten Anbieter schriftlich bestätigt werden.

Unter den Begriff Telefonwerbung fallen Anrufe, die das Ziel verfolgen, den Absatz von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen zu fördern.
Beworben werden dabei häufig Abonnements sowie Verträge für einen neuen Stromtarif. Die Angerufenen werden oftmals während des Gesprächs zu einem Vertragsabschluss gedrängt.

Dabei sind Anrufe zu Werbezwecken ohne ausdrückliche vorherige Einwilligung gesetzlich verboten. Außerdem dürfen Anrufer ihre Nummer nicht unterdrücken.

Die Telefon-Drücker bleiben zumeist im Dunkeln (Foto: SWR, SWR -)
Telefon-Abzocker bleiben zumeist im Dunkeln SWR -

Welche Vorsichtsmaßnahmen helfen?

Mit Daten sollte man sehr vorsichtig umgehen und sie nach Möglichkeit nicht herausgeben. Hilfe und Tipps finden sich im Internet, etwa auf der Seite "Marktwächter Energie".

  • Vorsicht: Werden Daten grundlos am Telefon abgefragt, sollte man nachfragen, wozu dieser Anruf dient und im Zweifel einfach auflegen.
  • Widerruf: Liegt der neue Vertrag erst einmal im Briefkasten, sollten die Verbraucher schnell reagieren. Grundsätzlich gilt: Wer während eines Vertragsabschlusses getäuscht wurde oder einen Vertrag einfach untergeschoben bekommen hat, muss das nicht einfach hinnehmen, sondern kann sich zur Wehr setzen. Verbraucher haben bei so genannten "Fernabsatzverträgen" oder bei "außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen" ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Die Widerrufsfrist beginnt mit Abschluss des Vertrages. Ein Widerruf kann mit einem Formular oder formlos erfolgen.
  • Achtung: Möglicherweise ist bereits der Vertrag mit dem alten Energieversorger gekündigt. Er wird auch durch den Widerruf des neuen Vertrags nicht wieder gültig!
  • Wichtig: Nur wenn ein Anruf gut dokumentiert ist, können Verbraucher dagegen vorgehen. Am besten notiert man daher die wichtigsten Daten wie Telefonnummer, Datum, Uhrzeit, Grund des Anrufs sowie den Namen des Unternehmens und des jeweiligen Mitarbeiters.

Fazit

Die Betrugsmaschen am Telefon sind vielfältig. Deshalb Ohren auf - und misstrauisch sein! Falls man doch in die Falle tappt, hilft vor allem eins: Schnell einen Widerruf - und zwar schriftlich - einlegen und damit rechtssicher kündigen!

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