"SchUM-Städte" - UNESCO Welterbe angestrebt (Foto: SWR, SWR -)

Jüdische Geschichte in Rheinland-Pfalz "SchUM-Städte" - UNESCO Welterbe angestrebt

Drei bedeutende jüdische Gemeinden schließen sich im Mittelalter zu einem Bund zusammen. Und verändern die Welt. Geschehen ist dies am Rhein, in Speyer, Worms und Mainz. Nun sollen diese sogenannten "SchUM"-Städte UNESCO-Welterbe werden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Was sind die SchUM-Städte?

"SchUM": Schon im Mittelalter wurde der Begriff benutzt. Das Wort setzt sich zusammen aus den im Mittelalter im Hebräischen verwendeten Anfangsbuchstaben der drei Städte Speyer, Worms und Mainz:

  • Schin (Sch) - Schpira – Speyer
  • Waw (U) – Warmaisa – Worms
  • Mem (M) – Magenza – Mainz

Der Titel ist Ausdruck des großen Einflusses, die Kultur, Geistesleben und Architektur in diesen Gemeinden auf andere jüdische Siedlungen hatten.

Ihre Blütezeit war vom elften Jahrhundert bis zu ihrer fast-Auslöschung durch die Pestprogrome 1349.

Die Juden der Gemeinden waren willkommen, wurden von den Stadt- und Kirchenoberen eingeladen, sich anzusiedeln. Man versprach sich durch die weit reichenden jüdischen Handelsbeziehungen einen Aufschwung in den Städten. Und auch das lebendige geistige Leben innerhalb der Gemeinden sollte den mittelalterlichen Städten frisches Leben einhauchen.

  • Unter seiner Amtszeit entstanden moderne bis heute im Judentum verbindliche Gesetze. So schaffte er die Polygamie, die Vielehe, in seiner Gemeinde ab. Eine Idee, die, einmal in der Welt, auch anderswo übernommen wurde.
  • In Zeiten, in denen die Herrschenden ihren Untergebenen nur wenig Privatsphäre einräumten, etablierte er das Briefgeheimnis. Eine avantgardistische Idee!
  • Und seine Reform des Scheidungsrechts räumte den Frauen mehr Rechte ein. So war es den Ehemännern schließlich nicht mehr möglich, sich ohne das Einverständnis ihrer Ehefrauen scheiden zu lassen.

Das waren große geistige Errungenschaften, damals sehr modern, die auf das jüdische Leben in ganz Europa ausstrahlten. Doch nicht nur das Geistesleben, auch die herausragenden architektonischen Errungenschaften aus dieser Zeit machen die SchUM-Städte bis heute zu etwas Außergewöhnlichem.

Der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas befindet sich in Worms. (Foto: SWR, SWR -)
Der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas befindet sich in Worms. SWR -

Warum ist das SchUM-Erbe nach wie vor schützenswert?

Neben dem geistigen Erbe, das die drei SchUM-Gemeinden hinterlassen haben, zeugen einzigartige Monumente von dieser Vergangenheit.

  • Die Architektur der Mikwen ist einzigartig. Eine regelrechte Choreografie führt die Gläubigen hinab zum Wasserbecken, mit Sitzmulden zum Verweilen.
  • Teile der Synagoge in Speyer sind erhalten. Immer noch zu erkennen ist der Gebäudeteil für Frauen, die sogenannte "Frauenschul". Durch Schlitze in der Wand konnten Sie am Gottesdienst in der Männersynagoge teilnehmen. Diese sind heute noch sichtbar. Ein spannendes Geschichtsbuch aus Stein.
  • Der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas befindet sich in Worms. "Heiliger Sand“ wird er genannt. Rund 2.500 Grabsteine, die sogenannten Mazewot, erzählen die viele Jahrhunderte alte Geschichte der Juden der Stadt, geben Auskunft über Berufe und sind wichtiges Zeugnis jüdischer Integration innerhalb der christlichen Mehrheitsgesellschaft.

Wie will Rheinland-Pfalz den begehrten Welterbe-Titel bekommen?

Ein Zusammenschluss bestehend aus dem Land Rheinland-Pfalz, den drei Städten und den jüdischen Gemeinden engagiert sich seit 2004 um Aufnahme auf die Welterbe-Liste der UNESCO.

Ein über tausendseitiges Dossier entstand in Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftler. Im kommenden Jahr, 2020, soll es über das Auswärtige Amt an die Auswahlkommission in Paris übergeben werden.

Fazit

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