Zeit für einen Wechsel Das ist neu bei der Kfz-Versicherung

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Immer im November starten Kfz-Versicherer ihre große Werbeoffensiven, um Kunden zum Wechsel zu bewegen. Für die Konzerne geht es um einen Milliardenmarkt. Immerhin gibt es in Deutschland rund 47 Millionen Autos.

Ein Vergleich der Versicherungsanbieter lohnt sich – zumal es in diesem Jahr ein paar Neuerungen gibt. Dank des Konkurrenzdrucks können Verbraucher viel Geld sparen. Doch wann lohnt sich ein Wechsel wirklich und welche Risiken birgt er unter Umständen?

Das ist neu bei der Kfz-Versicherung 

  • Bei diesen Tarifen verpflichtet man sich, während der Fahrt einen Datenstick zu nutzen oder eine App im Handy.
  • In beiden Fällen werden diverse Fahrdaten an einen Server gesendet.
  • Unter anderem werden Einhalten der Geschwindigkeitsbeschränkungen, Beschleunigungs- und Bremsverhalten, aber auch wo und zu welcher Tageszeit gefahren wird, gespeichert.

Aus allen Daten wird dann ein sogenannter "Score" ermittelt. Diese Wertung bestimmt dann die Höhe des Rabatts auf den Jahresbeitrag. Maximal können das 30 Prozent sein.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weist aber darauf hin, dass es im Grunde unmöglich ist, die maximale Punktzahl zu erreichen. Außerdem ist es für den Kunden nicht transparent, welche Daten wie gewichtet werden. Kritisch sehen die Verbraucherschützer auch die Datensicherheit.

Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. (Foto: SWR)
Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät von überwachtem Fahren ab.

"Man muss sich fragen, ob man wirklich bereit ist, einer Versicherung alles zu zeigen, wo man fährt, wann man fährt, wie man fährt, nur um möglicherweise ein paar Euro zu sparen."

Michael Wortberg, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Auf SWR-Nachfrage betonen die Versicherer, dass sie keinen direkten Zugriff auf die Daten hätten. Sie würden von Dienstleistern lediglich die Bewertungspunkte erhalten. Überprüfbar ist das nur schwer – nicht zuletzt, da in einigen Fällen die Versicherer an den Dienstleistern beteiligt sind.

Handy-App im Auto weist einen scoring-faktor aus, gemessen am Fahrverhalten des Autofahrers. (Foto: SWR)
Der gläserne Autofahrer bekommt zum Dank für seine Daten einen Rabatt vom Kfz-Versicherer.
  • Diese Kameras, die während der Fahrt filmen und deren Daten bei einem Unfall die Schuldfrage klären können, sind in Deutschland nur bedingt legal.
  • Eine Daueraufzeichnung der Fahrt ist verboten.
  • Vielleicht bieten deshalb auch nur einige wenige Versicherungen dafür geringe Rabatte, um die 10 Prozent, an.  

So kann ich die Kfz-Versicherung wechseln 

Ein Vergleich der Kfz-Versicherungen lohnt immer. (Foto: SWR)

Bei vielen Versicherern beginnt das Versicherungsjahr nämlich mit dem Vertragsabschluss. Also unbedingt beim Versicherer nachfragen oder im Vertrag schauen, wann gekündigt werden kann.   

Ein Sonderkündigungsrecht kann jederzeit wahrgenommen werden, wenn ein Schadensfall eintritt oder die Versicherung die Tarife erhöht. Doch auch dabei gibt es eine Frist zu beachten. Sie beträgt auch einen Monat nach Zugang der Beitragserhöhung oder nach Abwicklung des Schadensfalls.

Diese Fallen gibt es beim Wechsel der Kfz-Versicherung

Viele nutzen Vergleichsportale im Internet, um günstigere Tarife zu finden. Allerdings werden dort nur die Versicherungen verglichen, die den Portalen auch Provision zahlen, warnen Verbraucherschützer. Letzten Endes sind die Webseiten Versicherungsmakler. Eine eigene Recherche lohnt sich also.  

Außerdem sollte man genau auf die Versicherungsbedingungen achten und sich folgende Fragen stellen:

  1. Welche Leistungen brauche ich wirklich?
  2. Fahre ich viel auf dem Land, sollten zum Beispiel alle Wildschäden abgedeckt sein? 
  3. Besitze ich ein besonders seltenes oder exotisches Auto; würde eine freie Werkstattwahl sinnvoll sein?

Bei Leasing-Fahrzeugen sollte zusätzlich eine so genannte GAP-Versicherung eingeschlossen sein, die bei einem Totalschaden in Kraft tritt oder wenn das Auto gestohlen wird.

Bevor man seinen alten Vertrag kündigt, sollte man bei seinem Versicherer unbedingt anfragen, welche Schadensfreiheitsklasse man zu einer neuen Versicherung mitnehmen kann. Häufig sind Rabatte hinein gerechnet, die nicht mitgenommen werden können. Dann ist die vermeintlich billigere Versicherung oft teurer als die alte.

So wirkt sich das Alter des Fahrers bei der Kfz-Versicherung aus 

Ab dem 70. Lebensjahr erhöhen viele Versicherungen den Beitrag, weil sie davon ausgehen, dass ältere Menschen häufiger einen Schaden verursachen. Diese Erhöhung kann man unter Umständen umgehen, indem man die Versicherung auf eines seiner erwachsenen Kinder überträgt. Vater oder Mutter müssen sich dann als Zweitfahrer eintragen lassen.

Besonders teuer sind die Versicherungen für Fahranfänger. Hier ist es wichtig, schon bei der Auswahl des Fahrzeugs auf die Versicherung zu achten.

Zwischen verschiedenen Marken, Modellen und Motorisierungen liegen oft hunderte Euro pro Jahr. Wenn man bereit ist, seine persönlichen Daten speichern zu lassen, kann für diese Gruppe unter Umständen ein Telematiktarif interessant sein.

Fazit 

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