Hochzeiten mit Event-Charakter Heiraten – mal anders

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Romantisch, abenteuerlich oder exotisch: Hochzeiten mit Event-Charakter sind beliebter denn je, weil verstaubte Flure und Zimmer eines Standesamtes nicht immer die gewünschte Romantik ausstrahlen. Paare suchen zunehmend besondere Orte, um sich das Jawort zu geben.

Fast alles ist möglich: Über den Wolken, unter Wasser und wem das nicht zu "affig" ist, der kann auch im Zoo heiraten. Doch ist auch alles erlaubt, was gefällt oder gibt es Einschränkungen?

Wo kann man mit standesamtlicher Trauung heiraten?

Da immer mehr Paare eine rechtsgültige Eheschließung  außerhalb der Trau-Zimmer des Rathauses wollen, sind viele rheinland-pfälzische Gemeinden dazu übergegangen, sogenannte Außenstellen des Standesamtes an außergewöhnlichen Orten einzurichten, die einen besonderen Rahmen für dieses festliche Ereignis bilden.

Wie die ganz eigene Märchenhochzeit aussieht, kann individuell festgelegt werden:

  • Ob wahrlich märchenhaft in der prachtvollen Kulisse eines Schlosses, in historischen Gemäuern romantischer Städtchen oder in verwunschenen Gärten.
  • Rheinromantiker kommen nicht nur auf den zahlreichen Burgen oberhalb des Flusses ins Schwärmen, sondern können auch auf dem Wasser ins Leben zu Zweit schippern.
  • Auch können Paare im Weinberg oder auf idyllisch gelegenen Weingütern den Bund fürs Leben schließen – und gleich zünftig darauf anstoßen.
Traualtar im Felsenkeller in Mendig (Foto: SWR)
Darf es ein außergewöhnlicher Festsaal sein? In 32 Metern Tiefe in den historischen Felsenkellern in Mendig hallt das Eheversprechen von den Basalt-Säulen wieder.

An welchen Orten außerhalb des Standesamtes darf man heiraten?

  • Das Standesamt als Verwaltungseinheit unterliegt der Organisationsgewalt der Gemeinde. Diese entscheidet unter anderem auch darüber, in welchen Räumen Eheschließungen stattfinden.
  • § 14 Abs. 2 PStG bestimmt lediglich, dass es dem Standesbeamten möglich sein soll, die Amtsgeschäfte ordnungsgemäß vornehmen zu können – also ein reibungsloser Ablauf, keine Beeinträchtigung bei der Eheschließungshandlung durch störende oder ablenkende Einflüsse.
  • Eheschließungen sind nicht öffentlich, lediglich die geladenen Gäste dürfen anwesend sein, Fremde haben dort nichts zu suchen (Datenschutz!). Trauungen unter "freiem Himmel" sind auch deswegen kritisch.
Hochzeitspaar in der Gondel eines Luftschiffes (Foto: SWR)
Heiraten mal anders: Der Hochzeitskuss in der Gondel eines Luftschiffes.

Was ist ein würdiger Rahmen zum Heiraten und wer legt das fest?

  • Auszug aus § 14 PStG: Eine Eheschließung soll dem Anlass entsprechend in einer würdigen Form erfolgen.
  • Maßgeblich ist das Anstandsgefühl der Allgemeinheit, nicht das subjektive Empfinden des Brautpaares.
  • Das heißt, was Brautpaare unter Umständen als toll empfinden, muss nicht immer würdig sein.

Wann kann man in den "Außenstellen" des Standesamtes heiraten?

  • Bei den Trau-Orten außerhalb des Standesamtes handelt es sich häufig um Örtlichkeiten mit einem besonderen Bezug zur Geschichte des Eheschließungsortes, oft haben diese Orte ein besonderes Ambiente.
  •  Diese, oft auch als Ambiente-Trauung bezeichneten Eheschließungen, sind in Vorbereitung und Durchführung oft aufwändiger und zeitintensiver als eine Eheschließung im Trau-Zimmer des Standesamtes.
  • Daneben muss während der regulären Öffnungszeiten der Dienstbetrieb im Standesamt selbst auch sichergestellt sein.
  • Trauungen außerhalb des Standesamtes werden daher häufig außerhalb der eigentlichen Dienstzeiten des Standesamtes angeboten. Es gibt natürlich auch Ausnahmen.

Was bedeutet es, das "Hausrecht" für eine Location zu haben?

Es bedeutet, dass das Standesamt, insbesonders der Standesbeamte, die nötige Autorität und auch das Recht besitzt, Störungen der Eheschließungshandlung zu unterbinden, etwa durch Ausschluss von der Eheschließung.

  • Aber auch, dass es dem Standesamt selbst obliegt zu entscheiden, welches Paar, zu welcher Zeit und mit welchen Gästen das Trau-Zimmer nutzen kann.
  • Probleme können entstehen, wenn das als Außenstelle genutzte Trau-Zimmer nicht der Anstellungsgemeinde des Standesamtes gehört (z.B. bei Eheschließungen in einem Hotel oder in einem in Privatbesitz befindlichen Schloss oder einer Burg).
  • Ein Standesamt hat bei der Vergabe der Termine und Trau-Orte den Gleichheitsgrundsatz zu beachten. Paare, die anschließend vor Ort die Ausrichtung der Hochzeitsfeier gebucht haben, dürfen nicht bevorzugt werden.
  • Andererseits muss es dem Standesbeamten möglich sein, an diesen Trau-Orten Störer ohne Umwege auszuschließen.

Bei Eheschließung an Orten, die in Privatbesitz sind, werden daher durch die Gemeinde sogenannte Überlassungsverträge abgeschlossen. Dort sind auch Regelungen über das Hausrecht aufzunehmen.

Muss man in der Heimatgemeinde heiraten?

  • Das Standesamt hat dabei zu prüfen, ob der beabsichtigen Eheschließung Eheverbote oder Ehehindernisse entgegenstehen (Verbot der Doppelehe, keine Minderjährigkeit oder Verwandtschaft in gerader Linie, Geschäftsfähigkeit).
  • Daher sind dem Standesamt bei der Anmeldung zur Eheschließung auch die entsprechenden Nachweise vorzulegen.
  • Zudem soll die Anmeldung von beiden Verlobten persönlich erfolgen.
  • Das Brautpaar kann sich anschließend zur Durchführung der Eheschließung selbst ein Standesamt zwischen Westerland auf Sylt und Garmisch-Patenkirchen aussuchen.
  • Das Wohnsitzstandesamt stellt dazu eine Bestätigung aus, dass Eheverbote oder –hindernisse nicht bekannt sind.

Was kostet Heiraten mit standesamtlicher Trauung?

Im Regelfall muss man für die standesamtliche Trauung einen Betrag zwischen 50 und 100 Euro bezahlen. Die Gebühren sind jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Hat einer der Partner eine andere Staatsbürgerschaft, sind die Kosten sogar noch etwas höher.

Was bedeutet Heiraten mit einer freie Trauung?

Um rechtmäßig verheiratet zu sein, also mit allen Rechten und Pflichten, die das Gesetz für Ehegatten vorsieht, bedarf es einer standesamtlichen Eheschließung. Das ist in Deutschland so vorgeschrieben.

  • Die freie Trauung ist weder an Konventionen noch an Glaubenszugehörigkeiten oder amtliche Bestimmungen gebunden. Sie kann praktisch überall stattfinden und genau so sein, wie das Paar es sich wünscht.
  • Eine freie Trauung ist eine sehr individuelle und ausgesprochen persönliche Zeremonie, die egal wann, wie und wo gefeiert werden kann. 
  • Es ist eine reine Herzensangelegenheit und keine Formalie und man kann sie genau so gestalten, wie es zu einem passt.

Die Braut trägt meist ein Brautkleid, der Bräutigam einen Anzug, es gibt schöne Musik, die Braut wird von einem Brautführer geführt, es gibt Brautjungfern, Blumenkinder und die Gäste erscheinen festlich gekleidet.

Es gibt einfach alles, was dem Paar gefällt und was die meisten schon von einer kirchlichen Hochzeit kennen.

Es gibt aber auch Paare, die im Mittelalterkostüm, in Jeans und Turnschuhen, oder als Arwen und Aragon aus "Herr der Ringe" vor den Traualtar treten möchten.

Es werden passende Rituale in die Zeremonie eingebunden, Gäste werden – wenn gewünscht – in den Ablauf integriert, es wird oft herzhaft gelacht, aber auch immer wieder eine Träne der Rührung vergossen.

Abgestimmt auf die Wünsche und Vorstellungen der Brautpaare wird jede Trauung zu einem absoluten Unikat, denn so unterschiedlich wie die Paare sind auch deren Trauungen.

Welche Menschen entscheiden sich für eine freie Trauung?

Menschen, die keine rechtswirksame Ehe mehr möchten (zum Beispiel Rentner) oder Menschen unterschiedlicher Religionsangehörigkeit lassen sich zum Beispiel frei trauen.

Doch es gibt durchaus auch andere Konstellationen.

  • Manche Paare sagen jedes Jahr am gleichen Tag "Ja" zueinander, nur für sich und ohne Gäste.
  • Andere erneuern ihr Eheversprechen nach 10 oder 25 Jahren und feiern ihre erste weiße Hochzeit, weil sie es sich als junge Menschen nicht leisten konnten, genau so zu feiern, wie sie es sich schon immer erträumt haben.

Wenn etwa eine Witwenrente durch eine rechtsgültige Heirat verloren ginge, entscheiden sich Paare dann doch schon mal gegen eine standesamtliche Trauung. Ihre Liebe feiern sie dann im Rahmen einer freien Zeremonie.

Für diese Menschen ist dies eine wunderbare Chance, sich vor ihren Familien und Freunden zu versprechen, immer füreinander da zu sein und sich treu zur Seite zu stehen, bis an ihr Lebensende.

Fazit

STAND