Hilfe für den späten Nachwuchs Was kleinen Igeln durch den Winter hilft

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18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Mitte Oktober haben elf Jung-Igel ein neues Zuhause im Mainzer Tierheim gefunden. Sie wogen keine 100 Gramm. Der Grund dafür ist auch im Klimawandel zu suchen. Durch die milden Temperaturen haben viele Igelmütter im September noch einen zweiten Wurf bekommen, und diese Igelkinder sind jetzt viel zu leicht, um den Winter ohne menschliche Zuwendung zu überleben.

Normalerweise sollten Igel vor der kalten Jahreszeit ein Gewicht von etwa 500 bis 600 Gramm haben, zumal sie im Winterschlaf etwa 30 Prozent ihres Körpergewichts verlieren.    

Kleiner Igel wird gewogen, sitzt auf einer Waage, wiegt nur 94 Gramm. (Foto: SWR)
Wer im Herbst nicht genug auf die Waage bringt, hat im Winter schlechte Karten.

Warum das Klima Igeln zu schaffen macht

Bereits im Juni wurden die ersten Igelkinder abgegeben: zu wenig Wasser, zu wenige Regenwürmer und ausgetrocknete Böden, in denen sich kaum nach Würmern oder Käfern graben ließ. Vor allem Igel-Mütter und ihr Nachwuchs wurden teils ausgezehrt und halb verdurstet abgegeben.

Auch im Oktober gab es ungewöhnlich warme Tage, die viele Igel-Jungtiere zu ihrer ersten Wanderung lockten. Sie liefen orientierungslos durch die Gegend.

  • Autofahrer sollten deshalb besonders vielRücksicht nehmen.
  • Radfahrer, die Igel an einer Straße beobachten, sollten sie vorsichtig mit einem Handschuh aufnehmen und ins Gebüsch setzen.

Ein Igel ist kein Haustier

  • Igel einzufangen ist nur dann sinnvoll, wenn das Tier wirklich hilfsbedürftig, sehr mager oder krank ist.
  • Unterernährte Tiere erkennt man an einer Einbuchtung hinter dem Kopf, der sogenannten Hungerlinie.
  • Wenn das Tier offenkundig verletzt ist und bereits Minusgrade herrschen, sollte man sich darum kümmern.  
  • Anzeichen für eine Krankheit sind zum Beispiel schwankendes Laufen, Liegen auf der Seite, apathisches Verhalten oder rasselndes Atmen.

Da viele Tiere mit Flöhen oder anderen Parasiten besetzt sind, sollte man sie nicht mit bloßen Händen, sondern mit dicken Handschuhen anfassen.

Im Haus hält man Igel am besten bei einer Zimmertemperatur von rund 20 Grad. Man bringt sie in einem ausbruchssicheren, mit Zeitungspapier und einem alten Handtuch ausgelegten Umzugskarton unter.

  • Bei der Igelpflege geht es nicht nur ums Füttern, sondern auch um artgerechte Haltung sowie um die Versorgung mit Medikamenten.
  • Zuallererst sollte man sich an fachkundige Stellen wenden, wie Tierheime oder Wildtierauffangstationen.
  • Man kann auch bei einem Tierarzt nachfragen, aber dieser sollte Erfahrungen mit Igeln haben.

Ist der Igel wieder gesund, sollte er unbedingt in die Natur ausgewildert werden – am besten am Fundort. Denn Igel sind zwar niedlich, aber sie sind keine Haus-, sondern Wildtiere.

Igelhaus wird im Garten aufgestellt, an geschützter Stelle unter Gebüch und Laub (Foto: SWR)
Ein Igelhaus wird im Garten aufgestellt, am besten geschützt im Gebüsch und unter Laub.

Was Igel fressen

In der Natur fressen Igel eine Menge Kleintiere wie zum Beispiel Regenwürmer oder Spinnen, aber sie suchen auch in Fallobst nach Maden.

Igel sind Fleischfresser, deshalb werden trockenes oder feuchtes Katzenfutter empfohlen, um Igel zu füttern. Auch gekochtes Kalbs- und Hühnerfleisch oder durchgegartes Hackfleisch eignen sich.  

Katzenfutter kann man mit einem Esslöffel Weizenkleie oder Haferflocken versetzen, dann wird es besser aufgenommen. Auch Rührei oder Spiegelei eignen sich, egal ob roh oder gebacken – allerdings sollte man auf Gewürze und Zuckerzusätze verzichten.

  • Nur in Notsituationen fressen Igel Schnecken, Obst, Getreide oder Nüsse.
  • Essensreste, gesüßt und gewürzt, gehören nicht in den Futternapf. Genauso wenig Bananen und Äpfel.
  • Milch und Milchprodukte sollte man einem Igel auf keinen Fall geben, denn davon bekommen Igel Durchfall und können sogar sterben – sie können keine Lactose verarbeiten.

Nahrungsmangel ist ein wichtiger Auslöser für den Winterschlaf. Deshalb sollte man das Zufüttern einstellen, sobald es friert und schneit, sonst hält man die Igel künstlich wach und sie suchen sich kein Winterquartier.

Der Winterschlaf dauert bis zum Frühjahr, da Igel durch die Kälte nicht an genügend Nahrung gelangen.

Warum Igel natürliche Gärten brauchen

  • Igel leiden unter dem Trend zu verarmten Gärten mit aufgeschütteten Steinen und versiegelten Böden.
  • Dort können Igel kein Futter finden und auch keine Möglichkeit, sich ein Nest zu bauen.
  • Wer Igeln einen Unterschlupf bieten möchte, sollte auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel im Garten verzichten.
  • Totholz sollte man liegenlassen, um Igeln Insekten als Nahrungsgrundlage zu bieten.
  • Erdmulden, Hecken, Wurzelwerk, Reisighaufen und Trockenmauern bieten den Tieren guten Schutz, auch gegen Kälte.

Man kann auch Igelhäuschen bauen: am besten in ganztägigem Schatten auf unversiegeltem Boden aufstellen – ruhig, trocken und geschützt. Das Häuschen kleidet man mit trockenem Laub und Moos aus.  

Allerdings sollte man nie mit Motorsensen oder Freischneidern unter Büschen, Sträuchern, Kompost, Hecken oder Laubhaufen mähen und keine Laubsauger einsetzen – es könnte sich ein Igelheim darunter befinden.

Mähroboter beim Befahren und Mähen einer Rasenfläche (Foto: SWR)
Keine Freunde der Igel: selbstfahrende Rasenmäher.

Auch Mähroboter, die bei Gartenbesitzern immer beliebter werden, können Igeln schwere Verletzungen zufügen oder sie sogar töten. Außerdem sollten Gartenbesitzer Kellerschächte und Treppen absichern, damit Igel nicht hinunterfallen.

Fazit

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