Geteiltes Leid ist doppeltes Leid! Angehörige von Alkoholikern

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Das Feierabend-Bier, ein Gläschen Wein vor dem Einschlafen, das Sektchen am Morgen. Wenn aus dem Vergnügen eine Krankheit wird - dann leiden die Menschen unter ihrer Alkoholabhängigkeit.

Nicht nur sie selbst, auch ihre Familien. Die Angehörigen wollen helfen, schaffen es oft nicht. Aber wer kümmert sich um die Angehörigen, die keinen Ausweg mehr sehen? 

Roswitha Jansen aus Mainz (Foto: SWR)
Roswitha Jansen aus Mainz kennt die Probleme von Angehörigen Alkoholkranker

Wir haben Roswitha Jansen aus Mainz getroffen. Sie kennt das Thema aus verschiedenen Perspektiven. Als Kind hat sie die Alkoholsucht ihres Vaters miterlebt. Später wurde sie selbst abhängig. Und als sie die Sucht besiegt hatte, lebte sie mit einem Mann zusammen, der alkoholkrank war.

"Die Person, die man einmal geliebt hat, existiert in dieser Form, wenn sie von einem Suchtmittel beeinflusst ist, ja nicht. Das Wechselbad zwischen Hoffnung und Enttäuschung, ist auf Dauer nicht auszuhalten."

Roswitha Jansen, ehemalige Betroffene aus Mainz

Warum leiden Angehörige von Alkoholikern?

Erfahrungen von Experten zeigen: Auf einen suchtkranken Menschen kommen im Schnitt fünf Angehörige, die leiden. Der Partner, Kinder, Geschwister, Eltern.

Ulrike Bergner-Schmitt,  Psychotherapeutin und Sozialpädagogin (Foto: SWR)
Expertin Ulrike Bergner-Schmitt aus Ingelheim ist Psychotherapeutin, Sozialpädagogin und betreut Angehörige von suchtkranken Menschen.

"Angehörige sind oft ständig in Sorge um den anderen und dann geht die Aufmerksamkeit für deren eigenes Leben, für deren eigene Lebensbewältigung zurück."

Ulrike Bergner-Schmitt, Psychotherapeutin aus Ingelheim

Wenn ein Mensch trinkt, ändert er sein Verhalten. Er hat Stimmungs-schwankungen, wird unzuverlässig, abweisend, oft auch aggressiv. Das ganze Leben dreht sich dann nur noch um die Alkoholsucht. Auch bei den Angehörigen.

Die Folgen:

  • Die Angehörigen ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück.
  • Auf der Arbeit bringen sie weniger Leistung, weil sie immer an den alkoholkranken Angehörigen denken müssen.
  • Sie machen sich permanent Sorgen und tun alles, um die Sucht nach außen hin zu vertuschen.
  • Sie entschuldigen beispielsweise den Partner beim Arbeitgeber.

Wo können Angehörige von Alkoholikern Hilfe finden?

Wenn es ein Alkoholiker schafft, in Therapie zu gehen, gibt es auch Angehörigen-Gespräche. Die sind allerdings oft weder tiefgreifend noch weitreichend und nicht auf Dauer angelegt.

Gesprächskreis mit Betroffenen (Foto: SWR)
Hilfe für Angehörige bieten zu diesem Thema vorwiegend Selbsthilfegruppen, zum Beispiel beim Kreuzbund in Mainz.

Es geht auch anders. Roswitha Jansen - ehemals selbst Angehörige eines suchtkranken Menschen - leitet eine Angehörigengruppe. Sie möchte erreichen, dass das Thema Alkoholkrankheit aus der Schmuddelecke rauskommt. Sie will Angehörigen Mut machen, das Thema nicht länger zu verheimlichen, sondern darüber zu sprechen.

Welche neuen Methoden können Angehörigen von Alkoholikern helfen?

Aus den USA kommt das sogenannte CRAFT-Modell. Ausgeschrieben: "Community Reinforcement and Family Training". Es macht eindeutige Vorgaben:

  • Klare Absprachen mit dem Suchtkranken sind wichtig.
  • Suchtförderndes Verhalten - wie den Alkoholkranken permanent zu schützen - sollte abgestellt werden.
  • Ein Angehöriger kann dem Suchtkranken Angebote machen, etwas Schönes zu unternehmen - aber nur in Phasen, in denen nicht getrunken wird.

Das CRAFT-Modell will vermiiteln , es gibt noch ein Leben neben der Sucht. Ziel des Ganzen kann sein, den Suchtkranken zu motivieren, eine Therapie zu machen.

Wie können Angehörige von Alkoholikern ihre Lebensqualität verbessern?

Das heißt zum Beispiel, eine Weiterbildung zu machen, eine abgebrochene Ausbildung wieder aufzunehmen oder einem neuen Hobby nachzugehen.

Wichtig ist, zu überlegen, wo man wohl heute stehen würde, wenn es keine Alkoholkrankheit in der Familie geben würde.

Fazit

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