Wenn es schwieriger wird, selbst zu lesen Warum Vorlesen für ältere Menschen wichtig ist

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Vorlesen ist nicht nur bei Kindern beliebt und wichtig. Es gewinnt im Alter wieder an Bedeutung. Denn vielen älteren Menschen fällt es aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen immer schwerer, selbst zu lesen. Ehrenamtliche Vorlesepaten können dabei helfen, dass ältere Menschen die Lust am Lesen nicht verlieren und geistig fit bleiben.

Was Vorlesen bewirken kann

Besonders bei älteren Menschen kann Vorlesen folgende Effekte haben:

  • Gesellschaftliche Teilhabe wird gefördert.
  • Erinnerungen an die eigene Lebensgeschichte werden geweckt.
  • Denkprozesse, Fantasie und Vorstellungskraft werden angeregt.
  • Der aktive Wortschatz wird belebt beziehungsweise erhalten.
  • Wenn der Bewegungsradius kleiner wird, kann Lesen oder Vorlesen einen weiteren Zugang zur Welt bieten.

Für den Vorlesenden selbst, den sogenannten Lesepaten, kann es eine gute Übung, aber auch persönlich bereichernd sein, wenn ihm seine Zuhörer aufmerksam zuhören und einfach Spaß dabei haben.

So kann man Lesepate werden

Ehrenamtlicher Vorleser, also Lesepate, kann man in jedem Alter werden. Wichtig ist, dass man seine eigene Lesefreude mit anderen teilen und sich als ehrenamtlicher Vorleser engagieren möchte – entweder direkt vor Ort bei den Senioren zuhause oder in einer Betreuungseinrichtung.

Der 12-jährige Timo Jungen aus Gau-Odernheim liest der 80-jährigen Sieglinde Schmitt vor (Foto: SWR)
Generationsübergreifende Win-Win-Situation: Der 12-jährige Timo Jungen aus Gau-Odernheim liest der 80-jährigen Sieglinde Schmitt vor und beide haben was davon.

„Mir gefällt das sehr, wenn ich den anderen vorlesen kann und wenn die sich darüber freuen. Ich finde das sehr schön und deswegen wollte ich auch hier mitmachen.“

Lesepate Timo Jungen (12 Jahre)

Mit der Initiative "Netzwerk Vorlesen" hat die Stiftung Lesen ein flächendeckendes Netzwerk für ehrenamtliches Vorlesen in Deutschland eingerichtet. Auf dieser Plattform finden alle Interessierten Informationen, Hilfestellungen, Materialien und Ideen für die Vorlesestunde sowie Ansprechpartner und Einrichtungen vor Ort.

Was Lesepaten in der Gruppe beachten sollten

Gerade beim Vorlesen für ältere Menschen sollte zunächst darauf geachtet werden, ob es für eine Person oder eine Gruppe sein soll. Auch die Größe der Gruppe spielt dabei eine Rolle. Denn je mehr Zuhörer eine Beeinträchtigung haben, desto weniger sollten es sein. Auch der Grad der Beeinträchtigungen wirkt sich auf die Gruppengröße aus. Darüber hinaus gelten hier die gleichen Tipps wie beim Vorlesen für andere Gruppen, zum Beispiel Kindern:

  • Eine Atmosphäre der Ruhe und Geborgenheit entspannt alle Beteiligten und fördert die Aufnahmebereitschaft.
  • Kurze Vorlesesequenzen von etwa fünf bis zehn Minuten überfordern nicht die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörenden.
  • Zwischenfragen und Interaktionen können die Aufmerksamkeit wach halten und gegebenenfalls die Vorlesedauer etwas verlängern.
  • Beim Vorlesen laut, langsam und verständlich sprechen und gezielt Pausen setzen.
  • Der Blickkontakt zwischen Vorlesendem und Zuhörenden sorgt für mehr Aufmerksamkeit eine persönliche Ansprache.
  • Die Vorleseaktion gemeinsam mit den Zuhörenden gestalten, das heißt, zwischendurch Fragen zu dem Vorgelesenen stellen und eine persönliche Beziehung aufbauen (dialogisches Vorlesen).

Diese Texte sind zum Vorlesen besonders geeignet

Bei den Texten und Inhalten bietet sich im Prinzip alles an, was die Zuhörer interessiert. Das kann die Tageszeitung, eine thematische Zeitschrift oder ein Sachbuch sein.

Besonders geeignet sind Kurzgeschichten, Anekdoten, Gedichte und Märchen. Mit diesen können sich die Senioren häufig sehr gut identifizieren, weil sie die Texte aus der Vergangenheit kennen. Dabei können thematisch passende "Requisiten" / Gegenstände unterstützen und verstärken.

Vorleser liest das Märchen von den Bremer Statdtmusikanten vor. Blick auf das Textblatt. (Foto: SWR)
Bekannte Texte eignen sich besonders gut zum Vorlesen.

Sind die Zuhörer stark beeinträchtigt, zum Beispiel durch eine Demenzerkrankung, bieten sich auch Bildersachbücher oder sogenannte Bildkarten für die Vorlesestunde an. Diese haben wenig bis keinen Text, lösen aber häufig Erinnerungen aus und bieten Anlass zum Erzählen.

Fazit

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