Gefährlicher als bislang angenommen Gesundheitsrisiko Feinstaub

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Sendedatum
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18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Im März 2019 sorgte die Mainzer Feinstaubstudie der Unimedizin und des Max Planck Institutes für Chemie in Mainz für großes Aufsehen. In den Zeiten des Klimanotstands, der in Landau bereits ausgerufen wurde und auch anderswo schon angedacht ist, ist sie aktueller denn je.

Die Zahlen der Studie sind erschreckend: Allein in Europa sterben danach jährlich fast 800.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung, 120.000 in Deutschland.

Welche Erkenntnisse bringt die Feinstaub-Studie?

  • Vor allem die hohe Feinstaubbelastung ist laut der Studie ein viel größeres Gesundheitsrisiko als bisher angenommen.
  • Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Luftverschmutzung die Lebenserwartung der Europäer um rund zwei Jahre verkürzt.
  • Die Gefahr wurde bislang unterschätzt.
  • Zwar wurden Schadstoffe in der Luft bereits als hohes Gesundheitsrisiko eingestuft, aber in der Studie wurde festgestellt, dass Feinstaub zu den Hauptgesundheitsrisiken neben Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen zählt.
Professor Thomas Münzel aus Mainz und Umweltchemiker Professor Jos Lelieveld auf einem Podium (Foto: SWR)
Professor Thomas Münzel (Mitte) und Umweltchemiker Professor Jos Lelieveld (rechts) ermittelten regionale Schadstoff-Belastungen.

Für ihre Berechnungen ermittelten die Wissenschaftler um den Kardiologen Professor Thomas Münzel aus Mainz und den Umweltchemiker Professor Jos Lelieveld die regionale Belastung mit Schadstoffen wie Feinstaub und Ozon.

Diese Fallgruppenstudien aus 16 Ländern verknüpften sie mit dem statistischen Auftreten von Krankheiten. So wurde festgestellt, dass Feinstaub, der kleiner als 2,5 Mikrometer ist, die meisten Krankheiten verursacht.

Die Wissenschaftler kritisieren, dass der europäische Grenzwert für Feinstaub mit 25 Mikrogramm viel höher ist als die Richtlinie der WHO. Sie liegt bei 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Warum ist Feinstaub so gefährlich?

Über Schleimhäute und Lunge gelangt der Feinstaub in den Körper. Die größte Gefahr geht dabei von den kleinsten Teilchen aus. Sie gelangen durch die Lunge in die Blutbahn und lösen Entzündungsprozesse aus, die langfristig zur Gefäßverkalkung führen und im Endeffekt zu mehr Herzerkrankungen und zu Schlaganfällen.

Insgesamt ist Feinstaub gefährlicher als Rauchen und das viel diskutierte Stickstoffdioxid, das von Dieselfahrzeugen ausgestoßen wird.

  • Sieben Millionen Menschen sterben weltweit vorzeitig durch Rauchen.
  • Der Feinstaub verursacht laut der Studie weit über acht Millionen Todesfälle.

Während man aber selbst entscheiden kann, ob man raucht oder nicht, ist man dem Feinstaub gezwungenermaßen in unserer Umwelt ausgeliefert – so Professor Thomas Münzel.

Woher kommt der Feinstaub?

  • Feinstaub entsteht nicht nur durch Verbrennungsmotoren, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb.
  • Die Industrie- und Kraftwerke verursachen ebenfalls Feinstaub, aber auch private Holzöfen.
  • Auch die Landwirtschaft verursacht einen großen Teil des Feinstaubs, denn beim Ausbringen von tierischem Dünger, also Gülle, entstehen Ammoniakverbindungen.
Werner Eckert ist Umweltexperte und Leiter der SWR Umweltredaktion (Foto: SWR)
Werner Eckert ist Umweltexperte und Leiter der SWR Umweltredaktion.

"Ammoniak entsteht im wesentlichen aus der Viehhaltung und der Düngung und ist mengenmäßig sehr bedeutend. Es kann fast die Hälfte der Feinstäube ausmachen. ... Ammoniak zählt als Feinstaub, da können sich gefährliche Partikel anlagern. Allerdings machen Mediziner schon Unterschiede. Verbrennungsfeinstäube sind sehr viel toxischer als Ammoniak.“

Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Es gibt zwar Techniken, die verhindern, dass zu viel davon in die Luft gelangt, doch die sind aufwendig und teuer.

Wie kann man Feinstaub-Belastung vermindern?

Grundsätzlich kann jeder helfen, den Feinstaub zu verringern:

  • Öfter mal aufs Auto verzichten und stattdessen das Rad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  • Oder auf das Silvesterfeuerwerk verzichten. Denn in einer Stunde wird dabei so viel Feinstaub erzeugt wie durch 15 Prozent des gesamten Verkehrs in einem ganzen Jahr.

Die Mainzer Wissenschaftler appellieren nicht nur an die Vernunft, sondern auch an die Politik. Die Grenzwerte für Feinstaub sollten weiter gesenkt werden – auf die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Kraftwerk mit hohem Schornstein (Foto: SWR)
Kraftwerke verursachen Feinstaub.

Mit dem Ersatz fossiler Brennstoffe könnte laut der Studie die Sterberate durch Luftverschmutzung um mehr als die Hälfte reduziert werden.

Fazit

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