Kündigung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)

Folgen zu vieler Schadensmeldungen Wenn die Versicherung kündigt

Einen Schadensfall meldet man seiner Versicherung. Dafür hat man sie ja abgeschlossen. Doch es kommt immer häufiger vor, dass die Versicherungen danach das Versicherungsverhältnis kündigen. Wir erklären, was Sie in einem solchen Fall tun und wie Sie einer drohenden Kündigung vorbeugen können.

Dauer

Warum dürfen Versicherungen kündigen?

Nicht nur der Kunde hat das Recht, seine Versicherung zu kündigen, auch Versicherungen dürfen das. Dieses Kündigungsrecht ist in den Verträgen festgehalten. Grundsätzlich betrifft es die privaten Unfall- und Schadensversicherungen, die auch vom Versicherer gekündigt werden können.

Dazu zählen unter anderem:

  • Hausratversicherung
  • Wohngebäudeversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Kfz-Versicherung

Die Versicherungen überprüfen regelmäßig das Risikopotential ihrer Versicherten. Gerade wenn Schäden gemeldet wurden, werden diese natürlich genau unter die Lupe genommen. Häufen sich die Schäden - da können zwei schon ausreichen - geht die Versicherung davon aus, dass die Pechsträhne anhält. Das würde dann teuer für den Versicherer und er zieht die Konsequenzen und kündigt.

Betroffener Horst Frenz (Foto: SWR, SWR -)
Horst Frenz und seiner Frau wurde die Versicherung gekündigt, nachdem sie ihre Haftpflichtschäden gemeldet haben. Sie haben darauf versucht mit der Versicherung zu verhandeln, jedoch ohne Erfolg. SWR -

Aber nicht bei allen Versicherungen hat der Versicherer ein einseitiges Kündigungsrecht. Krankenversicherungen, Rentenversicherungen, Lebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen sind davon ausgenommen.

Wann darf die Versicherung kündigen?

Versicherungen dürfen zum Ablauf der Vertragslaufzeit kündigen oder nach einem Schadensfall. Dabei muss sich der Versicherer jedoch an bestimmte Fristen halten. Die Kündigungsfristen einer ordentlichen Kündigung zum Vertragsende sind unterschiedlich. Diese finden Sie in den Vertragsbedingungen Ihrer Versicherung.

Nach einem Schaden kann der Versicherer außerordentlich kündigen, dafür hat er einen Monat Zeit. Die Frist beginnt, nachdem er mit dem Kunden über die Regulierung des Schadens verhandelt hat.

Welche Folgen hat eine Kündigung durch den Versicherer?

Ein Rauswurf hat erhebliche Nachteile für den Kunden. Er wird es schwer haben, eine neue Versicherungspolice zu bekommen. Vor Vertragsabschluss fragen Versicherer nämlich nach der Anzahl der Vorschäden in einem gewissen Zeitraum. Das sind häufig fünf Jahre, manchmal aber auch nur drei. Einige Versicherer fragen auch nach der Höhe der Vorschäden. Eine weitere Frage ist dann noch: Wer hat gekündigt?

Gibt man wahrheitsgemäß an, dass der Versicherer gekündigt hat, werden Verträge oft direkt abgelehnt ohne Einzelfallprüfung. Und die Kündigung durch den Versicherer hat noch eine andere Folge, denn man landet auf einer schwarzen Liste.

Was ist die schwarze Liste der Versicherungswirtschaft?

Die Bezeichnung schwarze Liste meint das Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft. Das funktioniert ähnlich wie die Schufa. Versicherungen melden dort Risikokunden, also die, die gekündigt wurden. Auch Fälle von Versicherungsbetrug werden hier gemeldet, sodass andere Versicherungen im System abgleichen können, ob ein Interessent hier bereits gemeldet ist. Knapp fünf Jahre ist der Eintrag in dem System gespeichert.

Versicherungsoptionen (Foto: SWR, SWR -)
Anhand der abgefragten Tarifmerkmale können die Versicherungen prüfen, ob ein neuer Kunde aufgenommen wird oder ob er auf der schwarzen Liste steht. SWR -

Wie kann man eine Kündigung verhindern?

Um nicht zu einem Risikokandidaten zu werden, sollte man Kleinschäden selbst begleichen und nicht der Versicherung melden. Jeder Kleinschaden zieht einen erheblichen Verwaltungsaufwand nach sich. Diese Kosten belaufen sich schnell auf 1.000 Euro, auch wenn der eigentliche Schaden nur 20 Euro betrug.

Was kann man tun, wenn der Versicherer schon gekündigt hat?

Grundsätzlich gilt, lieber selbst zu kündigen. Es gibt Versicherungen, die ihren Kunden diese Option mitteilen, jedoch tun dies längst nicht alle. Kommt die Kündigung überraschend, sollten sie Kontakt zum Versicherer aufnehmen.

Der Bund der Versicherten rät im Fall der Kündigung, der Versicherung anzubieten, die Kündigung zurückzunehmen und im Gegenzug selbst zu kündigen. So spart man sich den Eintrag ins Hinweis- und Informationssystem und hat bessere Chancen, eine neue Police zu bekommen.

Eine weitere Möglichkeit ist, mit dem Versicherer abzustimmen, dass einige Bereiche, etwa die in denen die Schäden auftraten, aus dem Vertrag ausgeklammert werden. Das senkt das Risikopotential.

Fazit

STAND