Ein latentes Problem im Fokus Häusliche Gewalt - die hässliche Wahrheit

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Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren wurde bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten misshandelt. Häusliche Gewalt ist sowohl körperlich als auch seelisch besonders belastend, weil sie zu Hause stattfindet - an einem Ort, der eigentlich Schutz und Geborgenheit vermittelt und von einem Menschen ausgeht, dem man vertraut.

87.000 Frauen wurden im Jahr 2017 weltweit getötet, oft von ihren aktuellen oder früheren Partnern. Das steht in einem am 8. Juli 2019 veröffentlichten Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung aus Wien. Meist seien diese Taten nicht spontan, sondern stünden am Ende einer langen Gewaltspirale. Täter sind nicht nur Partner, sondern auch Väter, Brüder, Mütter, Schwestern oder andere Familienmitglieder.

Wie viele Fälle von häuslicher Gewalt gibt es?

Frauen werden aufgrund ihrer Rolle und ihre Ranges zum Opfer. Wer glaube, der Mann habe das Recht auf Sex oder das Recht, die Frau zu dominieren, neige eher zur manchmal auch tödlichen Gewalt. Für viele Frauen, auch in Deutschland, ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort, an dem Angst herrscht – ausgerechnet vor dem eigenen Partner. Trotzdem ist häusliche Gewalt ein Verbrechen, das oft ungestraft bleibt.

Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine Partnerin zu töten; etwa 150 mal im Jahr geschieht es laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr knapp 140.000 Fälle partnerschaftlicher Gewalt. Häusliche Gewalt richtet sich zum großen Teil - zu rund 80 Prozent - gegen Frauen. Meist geht sie von Partnern oder Ex-Partnern aus. Dem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr 138.893 Menschen in Deutschland Opfer der sogenannten Partnerschaftsgewalt, darunter 113.965 Frauen.

  • Da nur jedes fünfte Opfer Hilfe sucht, geht die Polizei davon aus, dass die Dunkelziffer viel größer ist, weil die Straftaten nicht immer angezeigt werden.
  • Bei fast 38 Prozent aller Tatverdächtigen handelt es sich um einen ehemaligen Partner. Aber auch der Ehemann oder der Freund sind häufig Täter.
  • Das Problem geht durch alle Bevölkerungsschichten.
  • Oft schweigen die Betroffenen aus Scham oder weil sie und ihre Kinder finanziell abhängig vom Partner sind.

Was ist das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"?

Seit 2013 gibt es das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen". Es ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar. Dort erhalten Frauen Informationen zum Opferschutz und zur Strafverfolgung sowie Kontakt zu den Unterstützungseinrichtungen in ihrer Nähe, zum Beispiel zu Interventionsstellen und Frauenhäusern, aber auch zu Beratungsstellen, die sich auf die Situation von Kindern spezialisiert haben, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Was leistet Spurensicherung in der Forensischen Ambulanz?

Wer seinen Partner wegen häuslicher Gewalt anzeigt, braucht gerichtsverwertbare Beweise. Diese stehen bei der medizinischen Versorgung oft im Hintergrund und gehen so verloren.

Wer seinen Partner wegen häuslicher Gewalt anzeigen möchte, braucht gerichtsverwertbare Beweise. (Foto: SWR, SWR -)
Bei Anzeigen müssen Beweise vorhanden sein, die gerichtsverwertbar sind. SWR -

Die Forensische Ambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz hat es sich wie zahlreiche andere öffentliche Stellen in Rheinland-Pfalz zur Aufgabe gemacht, Opfer von häuslicher Gewalt im Hinblick auf mögliche Konsequenzen und gegebenenfalls erforderliche weitere medizinische Untersuchungen und Maßnahmen zu beraten.

  • Sie unterstützt - auch wenn eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht gleich gewünscht wird - eine sichere Dokumentation von Verletzungen und verwertungssichere Asservierung von Probenmaterial.
  • Außerdem hilft sie beim Start in einen psychischen Verarbeitungsprozess des Traumas.

Wann sollten Frauen die Forensische Ambulanz aufsuchen?

Für die meisten Frauen steht die medizinische Soforthilfe und bei sexueller Gewalt die Untersuchung durch Gynäkologen im Vordergrund. Doch gerade bei einer Vergewaltigung kommt es darauf an, schnell zu handeln.

Die Rechtsmedizinerin Dr. Cleo Walz und ihre Kolleginnen haben allein im letzten Jahr 60 Gewaltopfer untersucht und viele beraten. (Foto: SWR, SWR -)
Dr. Cleo Walz kümmert sich um Gewaltopfer. SWR -

Die Rechtsmedizinerin Dr. Cleo Walz und ihre Kolleginnen haben allein im letzten Jahr 60 Gewaltopfer untersucht und viele beraten: "Es macht Sinn, innerhalb 72 Stunden nach dem Vorfall eine Spurensicherung durchzuführen. Das muss man davon abhängig machen, wieviel Körperreinigung erfolgt ist. Da muss man drauf achten, dass man sich, auch wenn es unangenehm ist, nach dem Vorfall nicht wäscht, keine Körperreinigung durchführt."

Um gerichtsverwertbare Beweise zu erhalten, brauchen die Rechtsmediziner DNA-freies Untersuchungsmaterial. Ein Set mit einer genauen Anleitung zur Spurensicherung kann aber auch an Ärzte verschickt werden.

Was sind die Aufgaben der Forensischen Ambulanz?

  • Kostenlose Untersuchung von Gewaltopfern, insbesondere von Frauen, Kindern und Jugendlichen.
  • Beschreibung und Dokumentation von Verletzungen.
  • Deutung und Diagnostik der möglichen Verletzungsentstehung, auch anhand von Fotodokumentation und/oder radiologischen Befunden.
  • Sicherung und Aufbewahrung von Material als spätere Beweismittel.
  • Unverbindliche telefonische Beratung für Gewaltopfer oder deren Angehörige vor einer beabsichtigten Strafanzeige.
  • Vermittlung und Organisation erforderlicher weiterführender diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen.
  • Beratung von Ärztinnen und Ärzten, von Jugendämtern und gegebenenfalls auch der Polizei.

Wohin können sich Frauen wenden?

Das Bundesamt für Familie hat ein Hilfetelefon für Opfer von Häuslicher Gewalt eingerichtet, das Betroffenen rund um die Uhr zur Verfügung steht. (Foto: SWR, SWR -)
Mehrere Hilfseinrichtungen stehen Betroffenen zur Verfügung. SWR -

Das Bundesamt für Familie hat ein Hilfetelefon für Opfer von häuslicher Gewalt eingerichtet, das Betroffenen rund um die Uhr zur Verfügung steht. Der Anruf ist gratis und die Beratung in vielen Sprachen möglich. In Rheinland-Pfalz gibt es außerdem 17 Frauenhäuser, die Rat erteilen. Auch die medizinische Soforthilfe an der Unimedizin Mainz behandelt und berät Frauen nach einer Vergewaltigung.

Warum bleibt häusliche Gewalt so oft ungestraft?

Eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt erstatten nur 20 Prozent der Opfer. Die Täter seien meist vertraute Bezugspersonen, aber auch finanzielle Abhängigkeiten und Scham spiele eine Rolle, sagen Experten. Deshalb sei die Dunkelziffer sehr hoch in diesem Bereich.

Fazit

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