Droht ein Fischsterben im Rhein? Hohe Temperaturen, niedriger Wasserstand

Am Hochrhein hat das große Fischsterben schon begonnen. Aber auch bei uns leiden die Fische. Seit Wochen sinkt der Wasserstand – und die Wassertemperatur steigt. Mehrfach wurden im Rhein Anfang August 2018 über 28 Grad gemessen.

Dauer

Wie schaden die hohen Temperaturen den Fischen?

Es gibt eine europäische Oberflächengewässerverordnung. Sie besagt: Erlaubt ist in Flüssen und Bächen eine Wassertemperatur von maximal 28 Grad.

Michael Markowski vom Naturschutzzentrum Rheinauen (Foto: SWR, SWR -)
Aber schon ein geringer Anstieg ist zu warm für Wasserlebewesen, warnen Naturschützer wie Michael Markowski vom Naturschutzzentrum Rheinauen. Denn 28 Grad ist für kälteliebende Fische schon zu viel. Gerade für die Äsche, die sich bei 23 Grad SWR -

Wasser kann viel Sauerstoff binden, warmes Wasser aber weniger als kaltes.

Das ist aber nicht bei allen Fischarten gleich. Jede Fischart hat ihren eigenen Toleranzbereich. Im Hitzesommer 2003 gab es bei uns in Rheinland-Pfalz ein Massensterben von Aalen und Körbchenmuscheln. Damals hatte der Rhein 41 Tage mehr als 25 Grad. In diesem Sommer sind es noch nicht so viele. Geht es so mit den Temperaturen weiter, könnte es wieder zu einem Massensterben kommen.

Warum gibt es in diesem Jahr solche Extremwerte?

Wochenlang gab es viel Sonne und große Hitze mit Spitzenwerten über 38 Grad. Im gesamten Juli fiel nur zehn Prozent der sonst üblichen Regenmenge. Dies bedeutet auch immer weniger Wasser im Rhein. Und auch das verbleibende erwärmt sich immer schneller.

Bereits vor der Hitzewelle war der Rhein im Stress: Ein Anstieg der Wassertemperatur ist schon seit Jahrzehnten zu beobachten. Der Rhein ist in den letzten 100 Jahren etwa drei Grad wärmer geworden. Eine Folge des Klimawandels, aber auch der Großindustrie und der Kraftwerke, die warmes Wasser in die Flüsse einleiten.

Welche Maßnahmen gibt es?

An den Messstellen werden Temperatur und Sauerstoffgehalt jetzt ständig kontrolliert. Viele Industriebetriebe mussten ihre Produktion bereits drosseln. Ausnahmegenehmigungen gibt es für Kläranlagen oder Stromerzeuger. Das Umweltministerium hat große Betriebe aufgerufen weniger Flusswasser zur Kühlung zu verwenden - wie beispielsweise die BASF in Ludwigshafen. Sie baut vorsorglich immer mehr zusätzliche Kühlanlagen, die das Wasser abkühlen, bevor es in den Rhein zurückgepumpt wird. Auch sie rechnet mit mehr heißen Sommern.

In warmen Seen, die besonders stark unter Sauerstoffmangel leiden, wird Wasser aus dem See gepumpt und mit großem Druck wieder zurück gespritzt, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Das kann kurzfristig helfen.

Wichtiger sind langfristige Maßnahmen, wie die Gewässerrenaturierung, denn in einem gut funktionierendes Ökosystem sind Fische und andere Wasserlebewesen besser in der Lage sich von Extremereignissen zu erholen.

Fazit

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